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Freitag, 15. März 2013

No more EXIT: Aussteigerprogramm für Rechtsextreme vor dem Aus?

164.351,85 Euro!

Eine Summe, die für den Einzelnen eine ganze Menge sein kann, in unseren Staatsfinanzen aber nicht viel mehr, als ein müder Gähner ist

Dieser Betrag bewegt jedoch viel mehr als man auf den ersten Blick meinen würde, denn er fließt in die Organisation EXIT.
Logo von EXIT

EXIT-Deutschland ist eine von Ex-Kriminaloberrat Bernd Wagner und Ex-Naziführer Ingo Hasselbach gegründete Initiative, die seit 2000 Aussteigern aus der rechtsradikalen Szene hilft, diesen nicht einfachen Schritt konsequent und selbstbewusst durchzuziehen.

Seit Beginn der Gründung sind 487 Aussteiger durch EXIT ihren Weg gegangen, eine viel höhere Zahl, als sie etwa der Verfassungsschutz erreicht.
Der oben genannte Betrag ist der jährliche Etat, mit dem EXIT bisher "wirtschaften" musste, bei den entsprechenden Ergebnissen ein kleines Wunder und an Effektivität und wohl kaum in einem anderem Bereich zu übertreffen.

Doch dieser minimalistische Betrag droht zu verschwinden Die weitergehende Finanzierung ist nicht mehr gegeben und bisher findet sich in der Politik niemand, der sich diesem Problem annehmen will.
Es ist nicht das erst Mal, dass EXIT um seine existentielle Grundlage kämpfen muss.


Doch: Es lohnt sich, hierfür aktiv zu kämpfen. Eine rationale Begründung, diesen Minimalbetrag nicht mehr aufbringen zu wollen, ist nämlich nicht gegeben.
Die Effektivität von EXIT ist belegbar und sucht seinesgleichen, die Nachfrage und damit der Bedarf bestehen und das ein Ausstieg aus ebenjener Szene gerade Hilfe am Anfang bedarf ist auch einleuchtend.

Es ist beschämend, zu sehen, wie auf der einen Seite offene Diskussionen über NSU-Morde und NPD Verbot entstehen, gleichzeitig aber eines der effektivsten Gegenmittel gegen einen solchen Prozess links liegen gelassen wird.

Man kann nicht anders, als einigen Politikern Aktionismus vorzuwerfen, denn eine tiefergründige Auseinandersetzung mit dem Thema findet selten statt: Gegen Radikalismus zu sein ist populär, sich für konkrete Realisierungen einzusetzen weniger.

Wer aktiv werden will, kann das in Form dieser Petition tun, oder den Schritt machen, zu dem die Regierung bisher nicht fähig ist und spenden.


ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH
Stichwort: Spende EXIT-Deutschland
Commerzbank
BLZ 100 800 00
Konto-Nr. 0906452700
SWIFT-BIC.: DRESDDFF100
IBAN DE47 1008 0000 0906 4527 00



Bei einer Spende von 1 Euro pro Nase müsste man etwas über 100.000 Menschen finden, die diesen Euro als sinnvoll investiert erachten! Und das sollte möglich sein, wenn es schon der Staat nicht schafft, diese einfache Entscheidung zu treffen.




Dienstag, 12. März 2013

Der Mythos um "Mein Kampf" - Vorwort

Spoiler
Der Autor dieses Artikels distanziert sich ausdrücklich von jeglichem rassistischem, antisemitischem und generell naionalsozialistischem Gedankengut. Dieser Artikel dient der Entmystifizierung und der rationalen Analyse einer politischen Kampfschrift. Alle Zitate werden als solche gekennzeichnet und in einem sinngemäßem historischem Kontext kommentiert





“Here was the new Koran of faith and war: turgid, verbose, shapeless, but pregnant with its message.” Winston Churchill: The Second World War. Volume 1, Houghton Mifflin Books 1986, S. 50


Politische Kampfschriften haben eine lange Geschichte, stellten sie doch eine einfache Methode dar, seine Beweggründe oder politischen Ansichten einer breiten Masse zugänglich zu machen.

Doch nur um wenige Bücher versammeln sich Mythen und Unwissenheit so sehr wie um Adolf Hitlers "Mein Kampf".

Warum aber überhaupt Worte verlieren über ein Buch, dass antisemitischer und rassistischer nicht sein könnte?

Nun, wenn man sich ein wenig umhört, wird einem schnell klar, dass die meisten Menschen wissen, dass ein Buch namens "Mein Kampf" existiert, die Wenigsten es aber gelesen haben oder über den Inhalt Bescheid wissen, dies gilt übrigens auch sowohl für Links- wie Rechtsradikale.




Will man aber den Nationalsozialismus von Grund auf verstehen, so kommt man nicht um Primärliteratur herum.


Darüber hinaus wird dieser Artikel aufzeigen, dass der Mythos um "Mein Kampf" sehr schnell an Bedeutung verliert, wenn man sich einige der Kernaussagen, die Hitler hier trifft, ansieht.

Und wie sagte schon Sunzi in "Die Kunst des Krieges":

Kenne deinen Feind und kenne dich selbst, und in hundert Schlachten wirst du nie in Gefahr geraten.“

Eine kurze geschichtliche Einleitung:

Am Abend des 8 November 1923 begann, unter der Leitung von Hitler, der Putschversuch in München, welcher die "nationale Revolution" einleiten sollte.

  "Wir sind intolerant, ich habe mir ein Ziel gestellt, nämlich die 30 Parteien aus Deutschland hinaus zu fegen" (Adolf Hitler, 27.7.1932, Eberswalde)

Der Putsch scheiterte kläglich. Hitler musste sich im Frühjahr 1924, unter der Anklage des Hochverrats, vor dem Volksgericht verantworten. Im Laufe des Prozesses positionierte sich Hitler als Ankläger, und nicht Angeklagter, prangerte die Kriegsniederlage an und stilisierte sich als Retter Deutschlands.
Das Urteil fiel mehr als milde aus: Man stellte Hitler eine Festungshaft in Landsberg über 5 Jahre in Aussicht, bereits nach 6 Monaten wäre eine Entlassung möglich. Am Ende wurden es neun Monate, ein mehr als wohlwollender Gerichtsspruch für einen angezettelten Staatsputsch.

Doch Hitler blieb in dieser Zeit nicht untätig. Hatten die Prozesse gegen ihn und das damit verbundene milde und rechtswidrige Urteil (Paragraph 9 des Republikschutzgesetzes sah eine zwingende Ausweisung aus Deutschland für Hitler als Ausländer vor) doch gezeigt, dass durchaus mächtige und unterstützende Sympathien für seine Vorhaben vorhanden sind.

Während seiner Haftzeit begann Hitler damit, den ersten Band von "Mein Kampf", seiner politischen/autobiographischen Kampfschrift, zu verfassen.
Im Juli 1925 erschien der erste Band, im Dezember 1926 der Zweite, ab 1930 wurden beide Bände zusammengefasst verkauft/gedruckt (siehe Titelbild).
Bis 1933 verkauften sich insgesamt 287.000 Exemplare. Eine verhältnismäßig große Zahl für eine politische Schrift und vor der Machtergreifung. Das Argument, Mein Kampf hatte eine hohe Auflage aber wenig Leser stimmt zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht.
Ab 1933 schnellt die Auflage in die Höhe, 1,5 Millionen Exemplare verkauft. Diese Zahlen relativieren sich aber recht schnell, war Hitler doch im Januar 1933 gerade von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden.


Ab 1936 wurden Exemplare auch im großen Stil auf Staatskosten verschenkt, Brautpaare bekamen statt der Bibel Mein Kampf. Bis 1944 erreichte das Buch eine Gesamtauflage von 10,9 Millionen Stück.

Mit Ende des Krieges, und damit der Regentschaft der Nationalsozialisten, verschwanden ein Großteil der Exemplare. Heutzutage bekommt man Originalexemplare noch in Antiquariaten und das auch völlig legal, denn der Besitz von Mein Kampf ist nicht strafbar.
Lediglich der Nachdruck ist nicht genehmigt, da die Nutzungsrechte nach Hitlers Tod an den Freistaat Bayern übergingen und dieser einen Nachdruck, mit Ausnahme einiger kommentierten Versionen, nicht genehmigt.
Dieses Urheberrecht erlöscht allerdings mit Beginn des Jahres 2016. Die Diskussion über den dann möglichen freien Nachdruck hat bereits längst begonnen.

Doch, was genau steht eigentlich in Mein Kampf?
Wie bedrohlich oder gefährlich ist eine entsprechende barrierefreie Veröffentlichung?
Muss, oder darf, das Buch nur kommentiert veröffentlicht werden?
Besteht die Gefahr eines massiven Zulaufs nach rechts, wenn Jugendliche freien Zugang zu dem Buch haben?

Diese Fragen gilt es zu beantworten, und genau das soll, so gut wie möglich, in den nächsten Artikeln geschehen! Warum über mehrere Artikel verteilt?
Weil eine dem Thema angemessene Betrachtung den Rahmen eines einzelenen Artikels sprengen würde, stattdessen hab ich mich entschieden, etappenweise und Schritt für Schritt zur Entmystifizierung dieses Buches beizutragen!


Sonntag, 3. März 2013

Review: Super Columbine Massacre RPG

20.April 1999 Columbine High School, Denver Littleton

Eric Harris und Dylan Klebold
Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17) betreten um 11:18 Uhr, bewaffnet mit Pumpguns, halbautomatischen Feuerwaffen und Rohrbomben ihre Schule und töten 13 Menschen, verletzen 24 und richten sich anschließend selbst hin.
Der Tag wird allgemein als Columbine Massaker jedem Menschen ein Begriff werden.

Debatten werden (wie nach jeder dieser Taten) losgetreten. Hier soll es satanische Musik von Slipknot und Marilyn Manson gewesen sein, die die beiden animierte in ihrer Schule ein Blutbad anzurichten.


Nach diversen anderen Amokläufen (darunter der von Robert S. am 26.April 2002 am Gutenberg Gymnasium) ist ein neuer Schuldiger gefunden, die Computerspiele sind jetzt nämlich an allem Schuld, Counterstrike ist der neue Übeltäter und die Presse lässt einen Shitstorm an (absichtlich) falsch recherchierten Behauptungen auf die PC Spieler herabregnen und prägt den Begriff Killerspiel.


Ein simpler und ebenso verblüffender Fakt, nämlich dass jeder einzelne der Amokläufer einfachen Zugang zu ausreichend Waffen und Munition hatte und ohne größere Probleme ebenjene an sich bringen konnte, war verblüffenderweise selten bis nie Thema der Diskussion geworden.
Auch der Fakt, dass all die begeisterten Risikospieler bis heute eher selten zu strategischen Weltkriegen aufrufen bleibt einer sinnhaften Erörterung der Ursachen erspart.

Doch ich will hier nicht auf Lösungsansätze und tiefere Ursachenforschung eingehen, dass wurde in anderer Art und Weise umfassend und sicherlich versierter bereits betrieben.

Ich will mich mit diesem Artikel mit einer extrem kontroversen Herangehendsweise an das Thema Amoklauf beschäftigen, die auf den ersten Blick einfach nur provozierend und grotesk wird, dem detaillierten Betrachter aber interessante Informationen offenbart. Die Entscheidung, ob dies vertretbar ist muss jeder für sich selbst entscheiden, Kunst spielt sich schließlich auch im Kopf des einzelnen Betrachters ab.

Die Rede ist vom:

Titelbild des Spiels und zugleich die Videoaufzeichnung des Amoklaufs

Das Super Columbine Massacre RPG (kurz SCMRPG) ist ein 2005 von Daniel Ledonne erschaffenes Rollenspiel, dass ebenjenen Amoklauf thematisiert und den Spieler in die Rollen von Eric Harris und Dylan Klebold versetzt. Über 80 Prozent, der Dialoge, die im Spiel verwendet werden sind original Zitate der beiden aus deren "Basement Tapes", Tagebüchern und PC Einträgen.
 (Der gesetzte Link verweist auf eine Seite, die tiefe Einblicke in die Hintergründe der beiden zulässt, man findet hier Tagebucheinträge, Skripte der Videoaufnahmen, Schulessays und noch vieles mehr)

Bevor man hier ins Detail geht, ist eigentlich jetzt schon klar, warum das Spiel eine hitzige Diskussion auslöste. Denn auf den ersten Blick handelt es sich hier um das Werk eines Menschen, der die pure Provokation sucht und sich wenig Gedanken um die Umstände und Konsequenzen eines solchen Spieles macht.
Doch mit einer solchen Argumentation macht man es sich zu einfach, SCMRPG ist kein Meilenstein, keine revolutionäre Aufarbeitung und mit Sicherheit ein kontrovers zu diskutierender Ansatz, es bleibt aber dennoch ein interessanter, wie sich im Verlauf zeigen wird.
Wichtig ist vielleicht noch zu erwähnen, dass das Spiel nie kommerziell vermarktet wurde, es war ein Projekt für das Slamdance Film Festival 2007, kurz vor dem Wettbewerb wurde Ledonne die Teilnahme allerdings verweigert, 6, der 14 Teilnehmer zogen daraufhin aus Protest ihre Inhalte ebenfalls zurück.
Doch nun zum eigentlichen Spiel

Es beginnt mit einem Zitat:

 Zu deutsch und vervollständigt:

André Breton
 "Die einfachste surrealistische Handlung besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße zu gehen und blindlings soviel wie möglich in die Menge zu schießen. wer nicht wenigstens einmal im Leben Lust gehabt hat, auf diese Weise mit dem derzeit bestehenden elenden Prinzip der Erniedrigung und Verdummung aufzuräumen, der gehört eindeutig selbst in diese Menge und hat den Wanst ständig in Schußhöhe."

Auf den ersten Blick ein plumpes Zitat, dass zugleich provokanter nicht sein könnte, weil es im Kern beschreibt, was uns erwartet, denn nichts anderes haben Harris und Klebold gemacht, wahrlos Menschen erschossen.
Doch geht man ins Detail und schlägt nach, wer André Breton eigentlich war, so wird man schnell herausfinden, dass er einer der bedeutendsten Theoretiker des Surrealismus war.

„Im Jahre 1919 hatte sich mein Augenmerk auf die mehr oder weniger unvollständigen Sätze gerichtet, die bei völliger Einsamkeit und herannahendem Schlaf dem Geist wahrnehmbar werden, ohne dass es möglich wäre, eine vorherige Bestimmung in ihnen zu entdecken.“

Surrealismus bezeichnet allgemein betrachtet Dinge, die uns "surreal", also "über dem Realismus" erscheinen, traumhaft im Sinne von unwirklich.

Somit wird schnell klar, dass das Zitat nicht treffender sein könnte, denn wie wir im Verlauf sehen werden wirkt nicht nur der Amoklauf selbst und seine zugrundeliegenden Ursachen surreal auf uns als Betrachter, auch das Weltbild und die Ambitionen von Harris und Klebold ist ebenso unwirklich. Der Surrealismus ist der rote Faden, der sich durch die gesamte Thematik und auch das Spiel selber zieht.


 "It's a weird feeling knowing you're going to be dead in two and a half weeks." Eric Harris


"About 26.5 hours from now the judgement will begin. Difficult but not impossible, necessary, nervewracking & fun. What fun is life without a little death? It's interesting, when i'm in my human form, knowing i'm going to die. Everything has a touch of triviality to it."  Dylan Klebold
 


Das Spiel beginnt in Eric Harris Zimmer, es ist der Morgen des 20.Aprils 1999, der Tag des Amoklaufs. Harris findet neben seinem Bett eine Packung Luvox, ein Antidepressivum, welches mit der Grund war, warum er nicht bei den Marines angenommen wurde und macht gleich klar, dass die Leben der beiden Protagonisten alles andere als geregelt abliefen.
Er telefoniert mit Klebold und beide treffen sich im Keller von Harris, hier liegt auf dem Schrank auch eine Marilyn Manson CD:


Hier spielt Ledonne auf die nach dem Amoklauf begonnene Diskussion an, Manson´s Musik wäre der Auslöser, was Harris zumindest im Spiel auch erwartet:


"There is nothing you guys could have done to prevent any of this. There is nothing that anyone could have done to prevent this. No one is to blame except me and Vodka. Our actions are a two man war against everyone else." Eric Harris

Marilyn Manson selber sagte aus Respekt vor den Opfern und aufgrund von Protesten 5 seiner Konzerte ab, vielerorts machten sich Protestgruppen mobil, die Manson als das personifizierte Böse darstellten und ihm gerne die Schuld für all das in die Schuhe schieben wollten.
Manson selber dazu:



Bild von Georges Biard
"What would you say to the Kids of columbine, if they were here right now...?"
"I wouldn´t say a single word, I would listen to what they had to say and that´s what no one did" Marilyn Manson

"Man's greatest fear is chaos. It was unthinkable that these kids did not have a simple black-and-white reason for their actions. And so a scapegoat was needed. I remember hearing the initial reports from Littleton, that Harris and Klebold were wearing makeup and were dressed like Marilyn Manson, whom they obviously must worship, since they were dressed in black. Of course, speculation snowballed into making me the poster boy for everything that is bad in the world. These two idiots weren't wearing makeup, and they weren't dressed like me or like goths. Since Middle America has not heard of the music they did listen to (KMFDM and Rammstein, among others), the media picked something they thought was similar."  Marilyn Manson

 Nach einigen Vorbereitungen begeben sich Harris und Klebold zu dem Fernseher und der Videokamera im Keller um eine letzte Aufnahme, etwa eine halbe Stunde vor dem Amoklauf zumachen.


Sie werden auch ganz konkret, was ihre Beziehung zu bestimmten Klassenkameraden angeht


Dylan: "I don't like you, Rachel and Jen, you're stuck up little bitches, you're fucking little.. Christian, Godly little whores!" Eric: "Yeah.. 'I love Jesus! I love Jesus!' -- shut the fuck up!" Dylan: "What would Jesus do? What the fuck would I do..?" (he acts like he's shooting the camera with his hand, with sound to accompany it) Eric: "I would shoot you in the motherfucking head! Go Romans! Thank God they crucified that asshole."




Wieder bestimmt Surrealismus die dargestellte Szene, den zum einen entschuldigt sich Harris bei seinen Eltern für die Dinge, die er an diesem Tag noch tun wird, zugleich äußern die beiden unmissverständlich ihr Ziel:


  
 Nochmal: Beide hier gezeigten Aussagen sind Original Zitate der beiden und keine Erfindung des Spiels.

Es geht gar nicht anders, als diese absoluten Wiedersprüche der Liebe zu den eigenen Eltern und der Gleichgültigkeit gegenüber den Mitschülern als unwirklich zu beschreiben. Das Anfangszitat gibt weiter den roten Faden.

Nach den Aufnahmen begeben sich die beiden zur Schule. Ab hier funktioniert das Spiel wie ein altbekanntes Rollenspiel, allein dieser Fakt, dass das Massaker selber wie ein simples Rundenstrategiespiel abläuft ist wiederum mehr als surreal, die fast niedliche Grafik tut ihr übriges um das alles unwirklich erscheinen zu lassen.

Auf dem Weg durch die Schule findet man bestimmte Klassenräume, in denen die zwei in Rückblenden verfallen. Im Filmraum der Schule erinnern sie sich an den Film Apokalypse Now und Marlon Brando´s Monolog am Ende des Films wird gezeigt.


Apokalypse Now ist, als Erklärung für die Nichtkenner dieses Meisterwerks, ein Antikriegsfilm, der die Grausamkeit und Sinnhaftigkeit des Vietnamkrieges anprangert. Allerdings geschehen in dem Film selber ständig Dinge, die man wieder nur als surreal beschreiben kann. Marlon Brando spielt hier den abtrünnigen Colonel Walter E. Kurtz, der sich mitten im Dschungel des Nachbarlandes Kambodscha seine eigene kleine Welt aufgebaut hat. Kurtz selber ist am Krieg zerbrochen und der geführte Monolog zeigt dies auch eindrucksvoll:


I've seen horrors... horrors that you've seen. But you have no right to call me a murderer. 
You have a right to kill me. You have a right to do that... but you have no right to judge me. 

It's impossible for words to describe what is necessary to those who do not know what horror means. Horror... Horror has a face... and you must make a friend of horror. Horror and moral terror are your friends. If they are not, then they are enemies to be feared. They are truly enemies! 
 [...]
I... I... I cried, I wept like some grandmother. I wanted to tear my teeth out; I didn't know what I wanted to do! And I want to remember it. I never want to forget it... I never want to forget. 
And then I realized... like I was shot... like I was shot with a diamond... a diamond bullet right through my forehead. And I thought, my God... the genius of that! The genius! The will to do that! Perfect, genuine, complete, crystalline, pure. 
[...]
 You have to have men who are moral... and at the same time who are able to utilize their primordial instincts to kill without feeling... without passion... without judgment... without judgment! Because it's judgment that defeats us. 



Ein sehr passendes Zitat, sind die zwei Jungs, die an diesem Tag ihr Leben auf so schreckliche und grundlegende Art verändern ähnlich abgekapselt von ihrer Außenwelt wie Colonel Kurtz.

Nachem sich die zwei in der Bibliothek verschanzt haben und ihnen klar wird, dass ihre Situation auswegslos ist, begehen sie Selbstmord, ebenjener geschieht im Off und wird nicht gezeigt.

Das Spiel führt sich hiernach noch fort, jedoch ist der weitere Fortlauf nicht erwähnenswert, er ist weder tiefgründig noch für diese Abhandlung hier interessant.

Was für einen Schluß kann man also aus all dem ziehen?

Ich für mich selber muss gestehen, dass mich das Spiel nicht unterhalten hat, eben das ist aber nicht schlimm, da ich das weder erwartet habe, noch für richtig halte.
Jedoch hat es mich zum nachdenken gebracht, dazu Zitate nachzuschlagen, dazu mich näher mit Kleybold und Harris zu beschäftigen.

Trotz allem bleibt weiterhin die berechtigte Frage im Raum, ob man sowas darf, ob sowas sein muss und inwieweit man einen solchen Ansatz als Kunst ansehen darf.

Meiner Meinung nach sind kontroverse Themen wie Tragödien schon immer thematisiert worden, man zähle nur allein all die Kriegsfilme, den Untergang der Titanic, die Angriffe auf das World Trade Center oder die Ermordung von Osama bin Laden, zu all diesen Themen gibt es Kinoformate, mit denen gutes Geld verdient wurde.
Abgesehem vom finanziellen Aspekt macht hier das Super Columbine Massacre RPG nichts anders, außer, dass hiermit kein Geld verdient wurde.

Was ist aber mit der Tatsache, dass wir als Spieler die Rolle der 2 Jungs übernehmen, die für all das verantwortlich waren? 

Sicherlich gäbe es andere und auch bessere Möglichkeiten sich dem Thema zu nähren, verwerflich ist die Herangehensweise dennoch nicht.

Brachte uns Der Untergang von Oliver Hirschbiegel Hitler auch nicht näher als manch einem von uns lieb war? Oft laß man hierzu in der Presse der Film zeigte Hitler als Mensch und nicht als Monster, für viele ein Anstoß der Kritik.

Seine Taten waren monströs, keine Frage, doch im Kern war er ein Mensch.

Oft wird nach Tragödien eines gewissen Ausmaßes ein Mensch, der ebenjene verursachte sprichwörtlich "verteufelt" oder als "Monster" bezeichnet, dabei lenkt diese Terminierung doch von der essentiellen Tatsache ab, dass Menschen für diese Taten verantwortlich waren. 

Wieder sind wir beim Thema Surrealismus, wir sind überwältigt von der Schrecklichkeit bestimmter Taten und legen unsere Wortwahl oft ganz unbewusst in den Bereich der surrealen Beschreibung.

"Unfassbar"
"Nicht in Worte zu fassen"
"Unglaublich"
"Nicht zu begreifen"
"Unmöglich"

Schlussendlich bleibt der Ansatz vom Erschaffer Daniel Ledonne kritisch zu diskutieren.
Sicherlich kann man auch zu viel Tiefsinnigkeit in das Spiel hereininterpretieren, was ich hier vielleicht unterbewusst gemacht habe.
Sicherlich gibt es auch viele Menschen, die eine derartige Thematisierung eines Amoklaufs kategorisch ablehnen, die Gründe hierfür mögen sich unterscheiden, sie spielen aber keine Rolle, denn es ist jedermanns gutes Recht sich sein eigenes Bild hierüber zu machen.

Sicherlich hätte man das auch alles anders angehen, darstellen und präsentieren können und hiermit schließe ich auch mit einem abschließendem Zitat aus dem Spiel, dass genau das alles passend zusammenfasst:



Donnerstag, 14. Februar 2013

Der atomare Schauer

Wir stehen heute an dem höchst enwtickelten Punkt der Menschheit, diese Schlußfolgerung ist so simpel, wie sie treffend ist.

Mit jedem Jahrzehnt schreiten wir schnelle Schritte voran in die Zukunft und trotzem dem Fakt, das die bisherige Existenz der Menschheit zeitlich gesehen nichig ist.
Wir entwicklen uns schneller als jedes der uns bekannten Lebewesen jemals zuvor, dafür sollte uns jemand einen gottverdammten (imaginären) Orden umhängen.

Wir erfinden globale Kommunikationsmechanismen, entdeckten, forschten, entwickelten, wuchsen digital zusammen, errichteten Staatsformen, medizinische Versorgung, politische und soziale Netzwerke und schaffen es jeden Spätnachmittag wieder unsere TV Sender mit Inhalt zu füllen, der uns die Langeweile des Wohlstands ein wenig weniger langweilig erscheinen lässt!


Und mit jedem dieser Schritte, die uns einander näher brachten, unseren Standpunkt in der Kette der Evolution festigten, verloren wir immer mehr den Bezug zu der einfachsten aller Antworten nach der großen Frage nach dem Warum:


Dem darwinistischen Sein

Die Evolution und Darwins Erkenntnisse darüber lehrten uns (Kreationisten überspringen besser die folgenden Zeilen), dass das essentiellste der Evolution das Überleben des am besten Angepassten, "survival of the fittest" ist.
Wenn wir all unsere Taten und Bestrebungen als Individuum runterrechnen, enden wir immer genau da: Bei dem Fortbestand des Seins und der eigenen Art. Selbst die emotionalsten Verhaltensmuster von uns lassen sich schlußendlich auf genau das zurückrechnen.

Gleichzeitig ist es doch erstaunlich, wie gut die Menschheit es verstanden hat ihre eigene Ausrottung zu perfektionieren, es reicht nicht, sich auf die offensichtliche Selbstzerstörung in Form von Umweltverschmutzung und Klimawandel zu beschränken, man perfektioniert nebenher auch noch den militärischen Suizid, die Rede ist von Atom-/Wasserstoffbomben, Sandburgen kaputt machen für Erwachsene!

Nie zuvor in der Geschichte gab es eine ähnlich mächtige Waffe, die allein durch ihre bloße Existenz Angst und Schrecken verbreitete, der kalte Krieg diente in der Hinsicht als anschauliches Beispiel.
Über 20.000 nukleare Sprengköpfe existieren im Jahr 2011 weltweit.
14.000 dieser Waffen sind militärisch operational und damit unmittelbar verfügbar.


Die stärkste dieser Waffen, die jemals gezündet wurde, war die sogenannte Zar-Bombe, die am 30 Oktober 1961 von der Sowjetunion in 4000 Metern Höhe getestet wurde. Die Druckwelle dieser Bombe umrundete zweimal spürbar unseren Erdglobus, dreimal messbar, der Atompilz gewann eine Höhe von etwa 64 Kilometern. Um diese unglaubliche Zerstörungskraft greifbar zu machen sei hier in Bildform dargestellt, was meiner Heimatstadt Köln wiederfahren würde, der ewige Klüngel mit Düsseldorf würde hiernach ganz offensichtlich keine Rolle mehr spielen.

Nukemap ist eine großartige App von Alex Wellerstein

Man braucht kein Statistiker zu sein, um sich ausrechnen zu können wie hoch die Chancen liegen, dass von diesen über 20.000 Atomsprengköpfen niemals wieder einer abgefeuert wird.

Die Angst vor dieser Gefahr macht Befürworter wie Gegner blind für die Realität.
Wir fürchten die Vorstöße des Irans zur eigenen Atombombe und lesen davon täglich in der Zeitung, erst kürzlich kündige Nordkorea neue Atomwaffentests an.
Gleichzeitig scheint es aber niemanden zu stören, dass 11.000 Sprengköpfe in Russland oder 8.500 in Amerika in der Hand von Präsidenten liegen, die im Schnitt alle 6 (Russland) beziehungsweise 4 (Amerika) Jahre das Amt wechseln und darüber hinaus auch bereits reichlich Gebrauch von ihrem Arsenal gemacht haben, militärisch und zu testzwecken. Jeder von uns muss sich jetzt selbst fragen, wieviele Spinner es auf der Welt gibt und wieviele dieser Spinner Spinner wählen.

Atomtest auf dem Bikini Atoll
Wir fürchten Mahmud Ahmadinedschad, als gefährlichen Fanatisten, dem niemand eine solche Macht anvertrauen möchte und sollte, doch wir verschließen uns davor zu hinterfragen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist das Patriotismus in einem Land wie Amerika, in dem Präsidenten viel zu häufig das Wort "God" in ihre Argumentationen einbauen, auch in Fanatismus umschlägt, der schmale Grat ist in diesem Fall leider nicht nur ein Filmtitel.

Eine Lösung des status quo der Atomfronten scheint in weiter Ferne zu liegen, unmöglich bis nicht durchführbar wirkt eine komplette Abrüstung aller Länder, zu groß die Wahrscheinlichkeit der Machtgier Einzelner, zu groß der fast lächerliche Gedanke, Atomwaffen müssen in den Händen der "Guten" bleiben, sonst hätten die "Bösen" ja den Freifahrtsschein für Angst, Terror und Schrecken:

Hollywood makes you see things, whhich aren´t there!

Hat der kalte Krieg nicht einfach nur die Fronten gewechselt und durch einen wärmenden Mantel in Form von medialer Zusülzung nur an Kälte verloren, nicht jedoch an Aktualität?
Hat nicht jeder von uns bei erneuten Atomwaffentests in einem x-beliebigem Land das Gefühl, dass alle anderen Atommächte den Finger zitternd über dem eigenen roten Knopf halten, wie kleine Kinder, denen man das Spielzeug nehmen will?

Reichen uns nicht Tschernobyl, Hiroshima, Fukushima oder ein nicht mehr zu erkennendes Bikini Atoll um zu erkennen, das kein Konflikt es auch nur im Entferntesten wert wäre ähnliches erneut bewusst zu provozieren? Welcher Mensch wäre bereit reinen Gewissens den metaphorischen roten Knopf zu drücken?

Wissen ist Macht, doch braucht es auch einen Kopf um diese Macht sinnvoll einzusetzen.
In diesen Zeiten frage ich mich allerdings, ob die Legende um den Freibeuter Klaus Störtebeker, der nach seiner Enthauptung noch an 11 Kameraden vorbeigelaufen sein soll um diese vor dem Tod zu bewahren, nicht doch einfach nur eine treffende Metapher für den jetzigen Kurs der Menschheit war.



Freitag, 9. März 2012

Nachruf für Christian Wulff

Verehrte Trauergäste, Parteigenossen, Wutbürger!

Wir haben uns heute in dieser für uns alle so schweren Stunde zusammengefunden, um dem Mann nachzutrauern, der aus dem Bundespräsidentenamt den Bundespräzedensfall machte.



 

Ich glaube es ist nicht übertrieben, wenn ich behaupte, dass das Amt des Bundespräsidenten Christian Wulff genausogut kleidete wie die Metapher vom einsamen Wulff.....Wolf.....welcher ein Rudeltier ist!


Christian Wulff war vieles!
Moderner Vorreiter, geschickter Vermittler, einfühlsamer Familienvater, liebender Ehemann.
All das gab er ohne zu zögern für das Amt des Bundespräsidenten auf.
Eine selbstlosere Tat hat Deutschland nicht mehr gesehen seit Adolf Hitler im Juli 1933 alle Parteien außer der NSDAP verbot. (Die Ironie ist doch bisweilen ironisch) 


Der große Zapfenstreich unseres Vorbildes wird durch unnötige politische Diskussionen überschattet.
Die Frage, ob ein Zapfenstreich gerechtfertigt ist, ist sinnlos und vergriffen, hat er uns allen doch bewiesenermaßen einen Streich gespielt und somit ebenjenen auch verdient.

Patriotische Bürger unseres Landes gaben sich aber nicht damit zufrieden, dass allein militärische Traditionen eine Rolle spielten, nein sie verabschiedeten sich auf ihre ganz eigene Art und Weise von unserem Bundespräsidenten.

Das Land der Dichter und Denker ist eben auch ein Land der musischen Künste und so spielten seine Anhänger ein letztes Mal die traditionelle Vuvuzela und blasen zum Abschied, tränengerührt nahm der scheidende Präsident dies zu Kenntnis.

Auch Angela Merkel ist anwesend.
Joachim hatte alles was sie sich wünschen konnte, Charisma, Frauen, Charme, politische Finesse und Schulden die getilgt werden müssen, das geballte Paket des Über-Bundespräsidenten eben.
Wie ärgerlich, denkt sie sich, dass sie sich für Christian entschieden hat. Doch die Kanzlerin wirkt trotz innerer Diskrepanzen entspannt, weiß sie doch, dass sie die Misere im Zweifel immer aufs Volk schieben kann.

Die finanzielle Unterstützung von 199.000 Euro jährlich plus Bürospesen ist ein geringer Trost, so viel mehr könnten wir für ihn tun.
Insider berichten, dass die CDU im zu Ehren einen Antrag im Bundestag durchbringen will, der hungernde Kinder in Afrika verpflichtet, Wulff jeden Monat zehn Cent zu schicken oder alternativ ein bis zwei Rettungsschirme ins Hause Wulff abzuleiten.




So erhebe ich nun mein Glas und trinke in Ehren auf den Mann, der dafür gesorgt hat, dass das Dschungelcamp nur noch das zweitnervigste Thema in Presse, Fernsehen und Kaffeepausen wurde.

Ich erhebe mein Glas auf den Mann, der sich in Zeiten der Finanzkrise nicht scheut, einen Kredit aufzunehmen und dies öffentlich nicht oder nur halb oder gar nicht oder irgendwann einmal klarstellt.

Ich trinke auf einen Visionär, der in den Köpfen mancher Menschen kein Mitleid verdient. Diesen Leuten habe ich nur eins zu sagen:
Recht haben sie, er verdient kein Mitleid, er verdient 199.000 jährlich plus Bürospesen!

Ich trinke auf den Politiker, der nach Ludwig XIV die krachendsten Partys schmiss und keine Kosten und Mühen scheute, vor allem, weil es nicht seine Kosten und Mühen waren, Kenner nannten ihn hinter vorgehaltener Hand auch deshalb "Sonnenpräsident".

Doch vor allem trinke ich heute Abend auf die Tauben, die unendlichen Massen an Tauben und sonstigem Federvieh, die durch gesammelte Brotkrümel und Körner von mir angelockt wurden und das Auto Christian Wulffs während dieser Feier zugeschissen haben.


 Salut!

Sonntag, 4. März 2012

Der satirische Wochenrückblick #3: Hail Hasselhoff!

Meine Damen und Herren, bitte erheben Sie sich, es spricht die Satire:

Bush und Putin, beide große Freunde freier Wahlen!
Russland: 
Wie erwartet gewann heute Wladimir Putin die Präsidentschaftswahlen. Ganze 150 Millionen Russen gaben ihm ihre Stimme.
Wahlbeobachter kritisierten, dass Russland lediglich 143 Millionen Einwohner hatte, doch die russische Polizei bat die Reporter mit vorgehaltener Kalaschnikow freundlich, doch mal Pi gerade sein zu lassen.

Die Bevölkerung selber nahm das Wahlergebnis gelassen bis euphorisch auf.
Eine junge Russin berichtete unserem Außenreporter tränenüberströmt, dass selbst ihre geliebte Oma, die seit 20 Jahren tot ist den Weg zur Wahlurne laut Wahlliste geschafft hat.....vermutlich in einer Urne, einige Augenzeugen berichten sogar, Stalin in einem Wahlkreis erblickt zu haben!






Berlin: 
Angela Merkels Thron wackelt, und zwar heftig. In der kürzlichen Diskussion um die Erweiterung des Rettungsschirms für Griechenland verlor die Kanzlerin auch im eigenen Lager an Zustimmung für die finanzielle Unterstützung.
Krisenexperten kritisieren ihre Idee, Flugzeuge mit Euroscheinen vollzustopfen und diese über Griechenland abzuwerfen, diese Maßnahme würde lediglich zur Umweltverschmutzung des maroden Staates beitragen.
Militärexperten hingegen befürchten, dass Flugzeugstaffeln, die von Deutschland aus nach Griechenland fliegen alte Wunden aufreißen könnten.
Der Sender RTL bat großzügig an, Schuldenberater Peter Zwegat nach Griechenland zu schicken, dieser vermutet, dass der Staat sicherlich mehrere Handyverträge gleichzeitig am laufen hat und erklärte sich bereit, für ein entsprechendes Honorar klar Schiff zu machen. Gleichzeitig bot Tine Wittler an, die Akropolis mal auf Vordermann zu bringen, eine Gardine hier und neongrüne Tapeten da und weg ist der "Akropospliss".



Hamburg:
Bundespräsidentenwürdig
Die Diskussion um Christian Wulffs Ehrensold ist noch nicht verklungen, da werden Gerüchte laut, dass er ähnlich wie seine Amtsvorgänger, ein Büro samt Mitarbeiterstab im Wert von etwa 280.000 Euro im Jahr verlangt.
Hauptaufgabe dieses Stabes soll es laut Mundpropaganda sein, ein- und ausgehende Anrufe des Ex-Bundeskanzlers zu verwalten um weitere Telefonskandale zu verhindern.
Das Bleigießen unserer Experten ergab, dass diese Kosten jedoch lächerlich sind im Vergleich zu der Menge an Sklaven und Baumaterial, die benötigt werden um eine angemessene Grabstätte für Bundespräsidenten zu schaffen.



London:
Hail to "The Hoff"
Schlagerstar David Hasselhoff schockierte heute seine Fans in London, als er im Hitlerkostüm mit Perücke in die O2 Arena stürmte und auch noch "den Adler" machte.
Hasselhoff feierte seine größten Erfolge in Deutschland, ein Land, dass weltweit für seine rationale Entscheidungen bekannt ist.
Historiker bestätigten die Ähnlichkeit zum Original, allerdings gibt es einen entscheidenden und ausschlaggebenden Unterschied: Hitler wusste im Gegensatz zu Hasselhoff wann seine Karriere vorbei war.





Mittwoch, 22. Februar 2012

Der satirische Wochenrückblick #2: Nazijäger, Concordia und Köln Putschisten!

Meine Damen und Herren, liebes ´Schland,
ich begrüße Sie zu dem satirischem Wochenrückblick! Eventuelle Frechheiten oder schlecht bis gar nicht recherchierte Fakten bitten wir zu entschuldigen, wir schreiben auch nur ab was der erste von uns behauptet, so läuft das Geschäft nun mal eben!



Florenz: 
Das Drama um das gesunkene Kreuzfahrtschiff Costa Concordia scheint endlich gelöst: Wahrsagerinnen behaupten, dass Kapitän Schettino das Riff lediglich deshalb so eng geschnitten hat, weil diese Szene in dem neuen Film "The Fast and the Furious: Rift Drift Extreme" gezeigt werden sollte. Vin Diesel sollte bei 90 Grad Schräglage seine Hand durchs Wasser fahren lassen und dabei einhändig das Steuerrad lenken.

(Denn "Too Soon" ist nichts anderes als ein chinesischer Name!)


Das Riff wurde lediglich vom Kreuzfahrtschiff gestriffen, weil das Team von West-Coast-Customs das Schiff einige Wochen vorher tiefer gelegt hatte und eine Schicht der Bordwand gegen Plasmafernseher ausgetauscht hatte.
Die Ermittlungen dauern noch an, doch eines ist jetzt schon sicher: Den Film sehe ich mir an!


Berlin:
In der Debatte um unseren neuen Bundespräsidenten eröffnen sich neue Möglichkeiten. Laut Spiegel Informationen liebäugeln die Linken "mit der Nazijägerin Klarsfeld".
Da die Suche im Duden nach dem Wort Nazijäger keine Ergebnisse liefert hier einige Vorschläge meinerseits, was  gemeint sein könnte:

A) "Nazijäger" ist eine Umschreibung für eine der begehrten Rollen im lang ersehnten dritten Ghostbusters Film, dieses Mal sind die Geister nicht nur Geister sondern böse Zombinazis, um sie noch böser als böse zu machen (böse)!

B) "Der Nazijäger" ist eine im kommenden Monat auf RTL ausgestrahlte Sendung, in der der Protagonist Safaris quer durch Deutschland macht und wilde Nazis in ihrem natürlichem Umfeld jagt. Die Zuschauer dürfen per Vote entscheiden in welches Bundesland es geht.

C)  Ein Nazijäger ist ein Jäger der Nazi ist oder ein Nazi, der Jäger ist, bitte hier genau nachfragen um peinlichen Missverständnissen vorzubeugen!




Brüssel:

Die EU Kommission hat entschieden, das umstrittene ACTA-Abkommen dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen um seine Legitimität zu prüfen. ACTA steht für "Anti-Counterfeit-Trade-Agreement", einem internationalen Handelspakt, der es erlauben soll, Verletzungen von Urheberrechten international zu ahnden.
Kritiker sehen sich in ihren digitalen Freiheiten beschränkt und gründeten darauf ihre eigene Vereinigung "Against-Counterfeit-Alliance-Brotherhood", kurz ACAB.

Aus bisher unerklärlichen Gründen sieht sich eben jene Bewegung seit neuestem massiver Polizeigewalt ausgesetzt, Experten vermuten, dass es sich hier um ein Missverständnis handelt.





Köln:

Bild der Putschisten ;)
Köln wurde die letzten 7 Tage Zeuge eines Putschversuches. Urplötzlich tauchte am vergangenen Donnerstag ein Dreigestirn in Form von drei verkleideten Männern auf und beanspruchte den Stadtschlüssel Kölns für sich. Um Punkt 11:11 strömten aus allen Stadtteilen Kölns Anhänger der Putschisten, zentrale Anlaufstellen der Bewegung waren die Altstadt rund um den Heumarkt, die Domplatte und die Zülpicher Straße. Die Polizei war ganz offensichtlich auf der Seite der Putschisten, denn sie sorgte in den folgenden Tagen für den Begleitschutz der gut organisierten Umzüge der Revolutionären. In Form von Kamelle, Bützche und Strüssche gewannen sie im Nu die Herzen der Bevölkerung für sich.
Doch ebensoschnell wie sie die Macht über die Stadt gewannen verschwanden die Putschisten auch wieder und beendeten Ihren Staatsstreich am Mittwoch mit der Verbrennung von Strohpuppen, genannt Nubbel.





Fukushima:

Der ehemalige Betreiber des Atomkraftwerkes in Fukushima Tepco will den Meeresboden in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk zubetonieren, um so eine weitere Verseuchung eben jener Böden zu verhindern. Die Betonwand soll etwa 60 cm breit werden und eine Fläche von 73 Quadratkilometern abdecken.
Ganz offensichtlich sind die Betreiber der Meinung, dass sie mit der Aufgabe einen wässrigen sandigen, ständig in Bewegung bleibenden Boden zu zubetonieren besser klarkommen, als mit einem Riss in einer auf Festland gebauten Betonwand.
Experten werden hoffentlich in naher Zukunft die Herren des Betriebsrats bei Tepco ein weiteres Mal über Erdbeben aufklären und erwähnen, dass eben jene auch unter Wasser stattfinden!




Montag, 12. Dezember 2011

EU-Exekutions-Export endet!

Lethal injection Raum in San Quentin
Der Tod ist ein Exportschlager aus Deutschland, und das Geschäft läuft lief gut!

Dass dies auch noch lange nach Ende des zweiten Weltkrieges der Fall ist und praktisch bis gestern noch der Fall war ist den wenigsten bewusst.

Man könnte hier anfangen zu philosophieren, Auslandseinsätze der Bundeswehr als Grund nennen, Gewaltverbrechen und Mordserien aufzählen, doch all das ist bei weitem weniger schockierend und kontrovers als das Thema, das ich hier anschneiden will.

7. Dezember 1982

Der Texaner Charlie Brooks Jr. wird an diesem Tag aufgrund des Mordes an einem Autohändler hingerichtet. Seine Hinrichtung sorgte für großes mediales Interesse, war er doch der erste Häftling, der seit Widereinführung der Todesstrafe mit einer letalen Injektion, der sogenannten "Giftspritze" hingerichtet wurde.
Auch heute kann man sich die dafür verwendeten Utensilien im Texas Prison Museum in Huntsville ansehen.

Doch was genau ist diese letale Injektion und wie wirkt sie?
Nun, dem Verurteilten werden zwei venöse Zugänge gelegt, um abgesichert zu sein, falls ein Zugang nicht mehr verwendbar ist.

Als erstes wird dem Patienten Thiopental verabreicht, ein kurzwirksames Barbiturat, dass für die Narkoseeinleitung bei kleineren Eingriffen verwendet wird. Die Dosis wird entsprechend hoch angesetzt, dass alleine sie schon tödlich wäre.

Im zweiten Schritt wird ein Muskelrelaxanz verabreicht, welches sämtliche Muskeln, abgesehen vom Herzmuskel lähmt.

Im letzten Schritt wird Kaliumchlorid verabreicht, ein Mittel, welches einen Herzstillstand verursacht und bei offenen Herz Operationen als Lösung verwendet wird.

Der springende Punkt um den es hier geht ist das Thiopental.
Ein großer Kritikpunkt war schon immer, dass Thiopental zu den kurzwirksamen Barbituraten gehört (durchschnittliche Wirkzeit 5-15 Minuten) und entsprechend wird kontrovers die Möglichkeit diskutiert, dass Verurteilte trotz der Überdosierung wieder aufwachen und bei vollem Bewusstsein die Muskellähmung und Herzschlagsenkung miterleben.
Tierärzte verwenden aus diesen Gründen langwirksame Barbiturate bei Einschläferungen.

Fakt ist, dass die Zusammensetzung dieses "Giftcocktails" fest vorgeschrieben ist und man nicht einfach nach Belieben Substanzen austauschen darf.
Hier stellt sich allerdings das Problem, dass Hospira, der einzige amerikanische Hersteller von Thiopental sich weigert, sein Medikament für Exekutionszwecke auszuliefern.

Entsprechend kommen wir zu unserem Anfang zurück:

Der Tod ist ein Exportschlager aus Deutschland, und das Geschäft läuft lief gut!

Österreich, Großbritannien, Deutschland und weitere Länder werden genannt, entsprechend des Lobbyhintergrundes der Pharmakonzerne ist es schwierig Firmennamen zu nennen, man legt Wert auf dezentes Auftreten.
Man findet Presseerklärungen, die die Verwendung von Medikamenten zu Exekutionszwecken scharf verurteilen, gleichzeitig weist man aber darauf hin, dass man selbstverständlich nicht Großhandel oder Apotheken auf ihre Exportgewohnheiten kontrollieren könne, ein wahrer wenn auch bitterer Fakt.

Der alleinige Fakt, dass es rechtlich bislang möglich war, ist ein Faustschlag in den historischen Hintergrund unseres Landes.

Erlass des Euthanasieprogramms
Waren es doch nicht die Amerikaner, die die Idee der letalen Injektion erstmals massentauglich machten, vielmehr kam dieser Gedanke Karl Brandt, seines Zeichens SS-Arzt und chirurgischer Arzt Adolf Hitlers. Er brachte die Idee der letalen Injektion im Zuge des nationalsozialistischen Euthanasieprogrammes zur Sprache.
Todesspritzen sollten also der nationalsozialistischen Rassenhygiene dienen und nicht lebenswertes Leben auslöschen, darunten fielen Behinderte, Geisteskranke und sozial wie rassisch Unerwünschte.
Ganz klar muss hiervon die oft diskutierte Sterbehilfe abgegrenzt werden, diese hatte mit dem Programm der Nationalsozialisten nichts zu tun, es ging hier nicht um die Erleichterung der Schmerzen eines Sterbenden, sondern vielmehr um das Bewusste Ermorden von Menschen!

Neben dem Euthanasieprogramm fanden ähnliche Exekutionsmethoden auch in verschiedenen Konzentrationslagern statt.

Mit kommendem Freitag wird dieser unfassbaren Ironie der Exportmöglichkeit nun ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben.
Kurz- und mittelfristig wirkende Barbiturate dürfen aufgrund einer verabschiedeten Ausfuhrgenehmigungspflicht nur noch in Form von Sondergenehmigungen aus der EU exportiert werden, die Mehrzahl der Mitgliedsstaaten hat sich bereits für diese Regelung ausgesprochen.

So erfreulich diese Nachricht auch ist, sie hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Ist doch die Position der Europäischen Union schon seit langem geregelt, was das Thema Todesstrafe angeht.

Artikel 2, Absatz 1 und 2 der Charta der Grundrechte der europäischen Union sagen ganz klar:

Recht auf Leben
(1) Jeder Mensch hat das Recht auf Leben.
(2) Niemand darf zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet werden.


Die EU Leitlinien zur Todesstrafe sprechen hier sogar noch deutlichere Worte:

"Die Ziele der Europäischen Union sind:
Streben nach weltweiter Abschaffung der Todesstrafe als eine von allen EU-Mitgliedstaaten mit Nachdruck vertretene Politik; falls erforderlich mit der unmittelbaren Einführung eines Moratoriums für die Anwendung der Todesstrafe mit Blick auf deren Abschaffung;

hinsichtlich der Länder, in denen die Todesstrafe noch besteht: Aufruf zur schrittweisen Ein-schränkung ihrer Anwendung und Drängen auf Einhaltung der weiter unten dargelegten Min-destnormen bei einer etwaigen Vollstreckung der Todesstrafe, wobei genaue Angaben über die Zahl der Menschen zu ermitteln sind, die zum Tode verurteilt sind, deren Hinrichtung bevorsteht und die hingerichtet wurden.
Diese Ziele sind ein wesentlicher Bestandteil der Menschenrechtspolitik der EU."



Ich frage mich, wie man für eine Abschaffung plädieren kann, wenn man Teil der Beschaffung ist. In dieser Hinsicht hat unser Minister also indirekt mehr Rückgrat zur EU bewiesen, als viele seiner Kollegen es jemals werden!
 
Im Prinzip sind wir hier wieder bei dem setting der Pharma Lobbyisten: Offiziell wird alles auf das schärfste verurteilt, aber wie kann man jemanden den politisch verurteilen oder Exportzusagen streitig machen, wenn man in noch braucht?


Abschließen möchte ich, ironischerweise, mit einem Zitat aus dem 8. Zusatzartikel der Vereinigten Staaten von Amerika:


"Excessive bail shall not be required, nor excessive fines imposed, nor cruel and unusual punishments inflicted."

(Es sollen weder übermäßige Kautionen verlangt noch übermäßige Bußgelder verhängt noch grausame und ungewöhnliche Bestrafungen angewendet werden.)







Sonntag, 27. November 2011

Die Schwäbische Luftblase

Nun ist es also soweit, das Volk hat gesprochen und gleichzeitig dem medialen Drama um Stuttgart 21 widersprochen. Anhand der Ergebnisse der Stimmauszählungen wird klar, dass die 21 für die Menge an Personen stand, die das alles wirklich interessiert hat!



Eine kurze Rekapitulation:

Hinter dem Begriff Stuttgart 21 verbirgt sich nichts anderes als ein Großbauprojekt, welches unter anderen Maßnahmen vorsah, den überirdischen "Kopfbahnhof" Stuttgarts in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu verwandeln.

Die Kosten für den ganzen Spaß sollten sich nach mehrmaligen Korrekturen auf etwa 4 bis 6 Milliarden Euro belaufen, 4 wenn man dafür war, 6 wenn  man dagegen war oder populistischen Wahlkampf führen wollte, an dieser Stelle sei die Farbe grün zu erwähnen!

Wie es üblich ist, wurde bereits im Juni 1994 eine sogenannte Machbarkeitsstudie durchgeführt, was nichts anderes als ein Kalkulationsversuch darstellt, der Kosten, Nutzen und Machbarkeit gegeineinander aufzuwerten versucht, die Studie sprach sich für den Bau aus, wohlgemerkt mit einem geschätzten Kostenfaktor 4,8 Milliarden D-Mark.

Im Oktober 2006 beschloss der Landtag Baden-Württemberg mit 115 zu 15 Stimmen (hier sei wieder einmal die Farbe grün erwähnt) den Bau und den Entschließungsantrag, der besagte, dass der geplante Umbau

„den Herausforderungen an eine langfristig leistungsfähige Schienenverkehrsinfrastruktur auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten am besten gerecht“ werde und „verkehrs- und umweltpolitisch sinnvoll“, für die Platzierung des Landes in Europa besonders bedeutsam und „aus struktur- und landespolitischen Gründen sinnvoll“ sei.

Langer Rede kurzer Sinn: Der Großteil der Protestbewegungen begann gegen 2007 und neben viel medialem Exazerbationen wurde schließlich die heute stattfindende Volksabstimmung druchgesetzt. Diese hat sich ganz klar für Stuttgart 21 ausgesprochen und somit den protestgierigen alt 68ern ein klares "fuck you" gesendet.

Was sollte also der ganze Zirkus? Monatelang wurde man in jeder ansatzweise lesbaren Zeitung mit dem Thema zubombardiert, am Ende habe ich mich nicht einmal mehr getraut Bahn zu fahren, so omnipräsent war das Thema "Kopfbahnhof".

Meiner Meinung nach gibt es eine völlig banale Erklärung für all das:

Proteste bei einem solchen Großprojekt sind völlig normal.
Es wird sich immer irgendeine Gruppe finden, die befürchtet das die südkoreanische geistig debile Grünwurzelraupenart genau unter diesem Bahnhof ihren Lebensraum hat.
Dann gibt es die klassisch knausrige Fraktion, die generell immer findet, dass der Staat zuviel Geld für was auch immer ausgibt. Eine kleine Modelleisenbahn hätte es ja schließlich auch getan.

Im Zweifelsfall sind hier auch immer die Grünen zu finden, da nach deren Meinung nichts gebaut werden musst sondern von selber wächst und genauso wird es immer Leute geben, die sich durch den Baulärm belästigt fühlen, vorzugsweise sind das Renter, die ihr Hörgerät nicht einstellen können und den Fernseher deshalb so laut stellen, dass ich noch 3 Stockwerke drüber jedes einzelne Wort von Florian Silbereisen verstehe.

Das größte Interesse an Stuttgart 21 und dem Protest dagegen, hatte ganz offensichtlich jemand ganz anderes: Die Presse!

Der Volksentscheid hat ganz klar gezeigt, dass die Gruppe der Protestler eine Minderheit ist oder es nicht fertig gebracht hat ihre Leute vom Bahnhof zum Wahllokal zu bewegen. Beides rechtfertigt die Tatsache, dass ihnen nicht Recht gegeben wurde.

Doch der wahre Gewinner sind die Reporter und Fotografen, die eine mehr oder weniger lokale Entscheidung ganz Deutschland in die Köpfe gehämmert haben.
Nicht mal der Castortransport vor wenigen Wochen hatte ansatzweise soviel Präsenz in der Presse

Gleichzeitig wurden Einzelschicksale, die sich während den Demonstrationen zutrugen künstlich hochgespielt! Da wird von einem 66-jährigem Rentner berichtet, der heroisch Jugendliche vor den Wasserwerfern schützen wollte und dann eine volle Ladung eben jener in die Augen bekommt und vermutlich deshalb schwerste Sehstörungen beibehalten wird.
Tragisch keine Frage, unnötig, auch keine Frage, aber ein Fehler der Polizei? Auf keinen Fall!

Die Demonstranten, die hier die Blockade weiterhin aufrecht erhielten waren sich des Risikos bewusst. Es erübrigt sich auch der Sinn einer Blockade, wenn man beim ersten Ansatz der Gegenwehr abzieht wie eine aufgeschreckte Schaafsheerde. Entsprechend darf man also die Verletzungen des älteren Herren als tragisch aber selbstverschuldet bezeichnen.

Es kann nicht sein, dass Projekte dieser Größenausmaße jahrelang geplant werden und dann in dem Moment, wo die Bagger anrollen, einige beleidigt spielen und Blockaden errichten, die einen Baustopp provozieren und gleichzeitig darüber lamentieren, dass das alles zu viel Geld kostet (allein die Baustoppzeit für die Volksabstimmung belaufen sich auf etwa 410 Millionen Euro).
Beleidigt ist hier das richtige Wort, denn Protestgruppen haben nach Abschluss der Volksabstimmung bereits angekündigt den Protest fortzusetzen, eine in meinen Augen lachhafte Entscheidung.

Meine persönliche Empfehlung:

Wenn demnächst einmal irgendwo in Deutschland ein großes teures Etwas gebaut werden soll, akzeptiert es oder leitet den nächsten Castortransport in diese Richtung, ein atomares Endlager hat noch jedes Mal einen Baustopp verursacht (siehe hierzu Tschernobyl und Fukushima)!






Freitag, 25. November 2011

Der satirische Wochenrückblick

Guten Abend meine Damen und Herren, wir begrüßen sie zum satirischen Wochenrückblick!


Tümlauer Koog:

Die Gemeinde Tümlauer Koog ist jüngst in die Schlagzeilen geraten, da eine Glocke, die dem damaligen Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring gewidmet war nun Dreh- und Angelpunkt unserer politischen Korrektheit darstellt.

Während manche behaupten, man solle die Sache mit der Glocke nicht an die große Glocke hängen, läuten bei Ministerpräsident Peter Harry Carstensen die Alarmglocken.
Er fordert die sofortige Entfernung der Glocke und bietet der Gemeinde alternativ an, einen staatlich finanzierten Hahn zu senden, der ähnlich genau wie die Glocke eine Zeitangabe zu geben vermag, vor allem, weil die Glocke doch am Dorfplatz stand und nicht im Kirchturm hing.

Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe (Hermann Göring) war zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.


Berlin:

Sieht ja auch aus wie ne Windel am Stock
Die jüngst ins Landesparlament eingezogene Piratenpartei musste einen schweren politischen Schlag hinnehmen:
Unbekannte hatten auf der parteieigenen Forumsplattform Links zu Kinderpornografie Seiten platziert.

Experten vermuten, dass es sich hier wohl um ein Missverständnis handelt und die Verantwortlichen die Terminologie, die die Piraten als "junge" Partei beschreibt, missverstanden haben.
Andere wiederum prognostizieren den Piraten in kommenden Umfragen massiven Stimmengewinn in Belgien und einen starken Stimmenzulauf in christlich geprägten Wahlkreisen.



Dortmund:

Einhändig und nicht ordnungsgemäß angeschnallt in Rom, 
Die jüngste Unfallstatistik spricht Bände: Häufig genug enden PKW-Unfälle in Deutschland tödlich oder mit schwersten Verletzungen für die Beteiligten.
Um so wichtiger ist es mit guten Beispiel voranzugehen, dachte sich ein Bürger Dortmunds und zeigte kurzerhand Papst Benedikt XVI an, da dieser während seiner Reise durch Deutschland nicht ordnungsgemäß im Papamobil angeschnallt war, was Fotos diverser Blitzanlagen belegen. Gerüchte besagen, dass hier auch Messwein im Spiel war, welcher natürlich die Verkehrstüchtigkeit beeinflußt, ganz egal wie lecker er ist.

Kritiker bezweifeln schon seit Jahren die Verkehrssicherheit der Mitra und fordern rückwirkend eine Helmpflicht für alle Päpste.
Eine offizielle Stellungnahme seitens des Vatikans steht noch aus aber man darf damit rechnen, dass dieser sich auf die ordnungsgemäß am Amaturenbrett angebrachte Christophorusplakette berufen.
Im Falle einer Verurteilung drohen dem Papst ein bundesweites Fahrverbot und lediglich die Genehmigung auf Pilgerpfaden ins Land einzureisen.


Mainz:

Ein erneuter Castor Transport trifft auf starke Protestbewegungen, viele Bundesbürger zeigen offen ihre Antipathie gegen den Atommülltransport.

Polizeikräfte sind vor Ort und versuchen die Protestler wieder dahin zu drängen wo sie herkamen, nämlich nach Stuttgart (21).

Trotz allem gelang es einigen Demonstranten die Gleise, auf denen der Transport fährt effektiv zu blockieren.

Ein Polizeisprecher lies verlauten, dass die Einsatzkräfte die Blockaden nicht räumen werden, Strahlungsmessungen rund um die Container hätten ergeben, dass sich das Problem vermutlich ganz von alleine auflösen wird.



Kanada:

Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg (puh...)
hatte jüngst in Kanada seinen ersten Fernsehauftritt seit seinem politischem Rücktritt.
Gerüchten zufolge soll Guttenberg an einer Biographie arbeiten, Experten sind sich aber sicher, dass er diese nicht selber schreiben wird und sie im großen und ganzen der von Willy Brandt gleichen wird.

130% aller Facebook User würden sich von und zu Guttenberg wieder als Verteidigungsminister wünschen, denn dass er sich gut verteidigen kann hat er ja bewiesen!




Düsseldorf:

Der Schlagerstar Heino gibt seinen Bambi wieder zurück. Dies versteht er als Protestaktion gegen den ebenfalls gekürten Rapper Bushido.

"„Ich bin zutiefst empört, dass man einem gewalttätigen Kriminellen wie Bushido den „Bambi“ verleiht. Mit diesem Mann möchte ich nicht auf eine Stufe gestellt werden."

Bei direktem Vergleich fällt jedoch auf, dass die beiden Künstler lyrisch wie qualitativ gar nicht so weit voneinander entfernt sind:


Heino - Alte Kameraden                                                
Hein-O

Freunde heut wird's eine lange Nacht,             
weil wir alte Kameraden sind.
Freunde heut wird einer drauf gemacht,
weil wir wieder beieinander steh'n.







Bushid-O
Bushido - Gangbang

Leg dein Geld auf den Tisch es wird zeit für die drei Ticker
Ich mach Gangbang und schick euch in die 30er
Es ist Gang Ga Gang Ga Gang Gang Gang Bang
Bushido, Saad und Bass Sultan Hengzt










Dienstag, 25. Oktober 2011

Die Reise des Mujaheddin

Oft reicht ein kleiner Funke um ein Lauffeuer zu verursachen, dass sich durch die ganzen umliegenden Wälder frisst und diese nachhaltig zerstört und verändert.

Es ist heutzutage keine Seltenheit mehr, dass Menschen aufgrund medialer Darstellungen Vorurteile und Meinungen über Länder haben, ohne je dort gewesen oder geschichtlich informiert zu sein.

Dabei haben die Länder, die man uns als verteufelt und fremd vorsetzt meist mehr Parallelen zu unsererem Weltbild und unserer Geschichte als man meinen mag.


Dies ist die Geschichte von   
Ahmad Schah Massoud
 (أحمد شاه مسعود)

Massoud wird am 1. September 1953 in Panjshir, einer kleinen Provinz im Nordosten Afghanistanz geboren. Seine Kindheit verläuft nicht viel anders als die anderer afghanischer Provinzkinder.

Ähnlich wie damals der junge Ché ist Massoud im Alter von 20 Jahren Student, als er sich Anfang der 70er Jahre erstmals mit den politischen Unruhen im Land und den dazugehörigen Parteien auseinandersetzt. Die afghanische Bevölkerung ist unzufrieden mit ihrem als korrupt geltenden König und immer mehr Protestbewegungen bilden sich im Land.
Massoud schließt sich der islamischen und antikommunistischen Bewegung an und  musste nach einem erfolglosen Putschversuch nach Pakistan fliehen, wo er seine militärische Ausbildung genoß.
Nach seiner Rückkehr trat er allerdings für einen friedlichen Umsturz ein und kritisierte gewaltsames Vorgehen.
Zwischenzeitlich waren es die Anhänger der "People´s Democratic Party of Afghanistan" denen der durch Moskau unterstütze Putsch 1978 gelang.
Afghanistan war aus russischer Sicht eine strategische Eroberung in den letzten Zügen des alten Krieges geworden, Ölreserven waren wie sooft das Schlüsselwort.

Doch die afghanische Bevölkerung war keineswegs zufrieden mit diesen Entwicklungen, zumal die kommunistisch orientierte Führung eine Schreckensherrschaft etablierte und Hunderttausende Afghanen umbrachte.

1979 marschierten sowjetische Truppen in Kabul ein um Herr der Lage zu werden und markierten somit den Anfang des Sowjetisch-Afghanischen Krieges.

Interessant ist hier, dass Bin Laden genau wie Massoud Widerstandskämpfer war. Im Zuge des kalten Krieges versuchten die USA und Sowjetunion zwar direkte Konflikte zu vermeiden, scheuten sich aber nicht in kriegerischen Auseinandersetzungen mit dritten die jeweilige Gegenseite zu unterstützen.
So wie die Sowjetunion im Vietnamkrieg die Vietcong unterstütze, tat dies Amerika bei den antikommunistischen Mujaheddinkämpfern.



Massoud war eine der Schlüsselrollen in diesem Krieg. Bis zum Abzug der sowjetischen Truppen 1989 verteidigte er mit seinem Trupp sein Heimatdorf Panjshir und wurde unter Kameraden "Der Löwe von Panjshir" genannt.

Es folgte ein afghanischer Bürgerkrieg, in dem viele verschiedene Parteien für sich die Macht beanspruchen wollten. Während Massoud Kabul gegen massive Attacken verfeindeter Milizen verteidigte und sie schlußendlich besiegte, kristallisierte sich mit den Taliban eine neue Gruppierung heraus, die finanziell aus Pakistan und Saudi Arabien unterstützt wurde.
Beide Länder wollten sich ihren Machtanspruch in Afghanistan sichern und sahen diesen durch die Bewegung Massouds und die Anstrebung demokratischer Wahlen gefährdet. Pakistan entsandte schätzungsweise 28.000 pakistanische Soldaten, die Seite an Seite mit den Taliban kämpften.

Obwohl Massoud den Taliban schwere Verluste zufügte, musste er seine Truppen 1996 in den Norden Afghanistans zurückziehen.
Mit dem Einzug der Taliban begann auch deren Schreckensherrschaft. Sie verübten Zivilmassaker in der Größenordnung der Massaker im Bosnienkrieg, hatten bestimmte Brigaden zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung und Frauen standen praktisch unmittelbar unter Hausarrest und verloren fast alle Rechte.

Wiederholt boten die Talbian später Massoud Machtpositionen an, die dieser jedoch aufgrund seinder Überzeugung ablehnen musste:


„Die Taliban sagen: 'Komm und akzeptiere das Amt des Ministerpräsidenten und schließe dich uns an, und sie würden das höchste Amt im Land, die Präsidentschaft, behalten. Aber für was einen Preis?! Der Unterschied zwischen uns liegt darin, wie wir über die grundlegendsten Prinzipien der Gesellschaft und des Staates denken. Wir können nicht ihre Konditionen für einen Kompromiss akzeptieren, sonst müssten wir die Prinzipien einer modernen Demokratie aufgeben. Wir sind fundamental gegen das System welches sich "das Emirat Afghanistans" nennt. ...
Es sollte ein Afghanistan geben, indem sich jeder Afghane und jede Afghanin glücklich fühlen kann. Und ich denke, dies kann nur durch eine Demokratie, die auf Konsens basiert, gesichert werden."
(Massoud, August 2001)


Massoud versuchte die von ihm in Norden kontrollierten Gebiete zu stabilisieren, richtete demokratische Institutionen ein und verfasste eine Deklaration, die sich offen für Frauenrechte aussprach.
Im Frühling 2001 sprach Massoud vor dem Europäischem Parlament und bat um Unterstützung der unterdrückten und vom Krieg verarmten afghanischen Bevölkerung.
Er beschrieb die Taliban als eine Vereinigung mit einer "sehr falschen Interpretation des Islam" und sprach offen über die Unterstützung, die diese aus Pakistan erhielten.
Gleichzeitig warnte er vor Anschlägen der Taliban auf amerikanischem Boden, die laut seinen Geheimdienstquellen unmittelbar bevorstanden.

Wie recht er damit haben sollte erlebt der charismatische Mujaheddin leider nicht mehr. Am 9. September 2001, 2 Tage vor den Anschlägen auf das World Trade Center, zünden zwei als Journalisten getarnte Selbstmordattentäter eine Bombe während eines Interviews mit Massoud, welcher wenig später seinen Verletzungen erlag.

Massoud ist ein wunderbares Beispiel, welches verdeutlicht, dass Afghanistan nicht der böse Staat schlechthin ist, sondern vielmehr ein Land, dass durch politische Auseinandersetzungen und lange Jahre des Krieges ausgezehrt und verwundbar wurde.
Es zeigt, dass bis vor dem ersten medialen Interesse an der Situation Afghanistans und den Taliban, es Widerstand im Land gab und auch heute noch gibt. Mit Ende des kalten Krieges schwand das Interesse an dem Land und es wurde sich selbst überlassen.



Wenn wir heute auf Afghanistan blicken und die Ankündigungen Barack Obamas im Hinterkopf haben die US-Truppen bis Ende des Jahres abziehen zu wollen, sieht man ein Land, welches erneut vom Krieg zerrüttet wurde. Die Taliban gibt es immer noch und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie nach dem Truppenabzug aus den Bergen Pakistans zurückkommen, um erneut die Geißel Afghanistans verkörpern. Genau wie damals ist es die Zivilbevölkerung, die unter der Gewalt leidet und erneut steht ein Großteil des afghanischen Volkes zwischen politischen Fronten, die es selber nie in seinem Land haben wollte.



„Die künftige Regierung sollte in direkten Wahlen durch die Stimmen der gesamten Bevölkerung bestimmt werden. Männer wie Frauen sollten daran teilhaben. Die einzige Regierungsart, die in der Lage wäre, einen gesellschaftlichen Ausgleich der verschiedenen Ethnien zu schaffen, ist die Demokratie“. (Massoud)