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Freitag, 23. März 2012

The Status Quo of Nerdiness

Screech: Saved by the bell/California High School
Nerd, der
ist ein Slang-Begriff im Sinne eines Stereotyps, der eine Person beschreibt, die meist intellektuell ist, sozial benachteiligt und unmäßig viel Zeit mit unpopulären, seltsamen sowie technischen oder wissenschaftlichen Themen verbringt, oft bezogen auf  Science Fiction und/oder Fantasy, Computer, Comics oder Sammelkarten.
Nerds werden häufig als unattraktiv, schüchtern und seltsam beschrieben, werden physischen Ansprüchen wie Sport oder körperlichen Auseinandersetzungen meist nicht gerecht und leben zurückgezogen und am liebsten für sich.

Nun soviel zu dem Versuch, einen Stereotyp zu definieren, was, wenn man genau darüber nachdenkt, so gut wie unmöglich ist, da ein Stereotyp nie fest umschrieben ist und darüber hinaus per Definition niemals völlig korrekt ist.





Star Wars: "The return of the living nerds" (doppelte Filmanspielung, wer erkennts? ;) )

Das Nerdtum, der Nerdism oder der Nerdizzle Shizzle  hat in gewisser Weise ein Comeback in der heutigen Popkultur, was gleichermaßen wahr wie falsch ist, doch dazu später mehr.

Ein aktuelles Beispiel dürfte "The Big Bang Theory" darstellen, eine Serie, die sich wie keine andere aktuell laufende dem Dasein einer Gemeinschaft aus Nerds widmet, die jedem in einem gewissen Maße weltfremd erscheinen und denen selber in einem gewissen Maße die Welt fremd scheint.

Garth Algar aus Wayne´s World
Ziemlich parallel zum Beginn dieser Serie hatte man das Gefühl, ein großes "Coming out" der Outsider fände statt.
Auf einmal verkauften die einschlägigen Ladenketten Hornbrillen in einem Maße, wie es seit den frühen 60ern nicht mehr der Fall war.
T-Shirts mit der Aufschrift "Cowabunga" (für die Jungs aus den 90ern), "Han shot first" (für die Jedis unter uns) oder "Bazinga" (für all die Cooper-Jünger) werden auf einmal zu Verkaufsschlagern und auch sonst ist sich niemand zu schade nicht mindestens ein Thema für sich zu beanspruchen, dass in seinen Augen als Aussenseiterheiligtum gilt, es ihn aber trotzdem nicht daran hindert voll und ganz dahinter zu stehen.

Star Wars: A New Nerd?
Wohl kaum, denn das Nerdtum und seine Jünger sind wesentlich älter.


Woher der Begriff Nerd kommt ist weitestgehend unklar. Es gibt mehrere Theorien, wovon ich beispielhaft einige nennen werde:

1. Das Wort Nerd taucht erstmals in dem Gedicht "If I ran the zoo" von Dr. Seuss auf, einen Zusammenhang zur heutigen Bedeutung kann man hier aber nicht finden:


„And then, just to show them, I’ll sail to Ka-Troo
And Bring Back an It-Kutch, a Preep and a Proo,
A Nerkle, a Nerd, and a Seersucker, too!“


2. Mitte der 60er tauchte der Begriff "nurd" an einer wissenschaftlichen Universität in New York auf, laut Mundpropaganda entstand das Wort aus dem vorangegangenen "knurd", was "drunk" rückwärts geschrieben ist und entsprechend auf eine Person hinwies, die lieber über den Lehrbüchern hing, als feiern zu gehen.


3. Das Online Wörterbuch für Etymologie bezieht sich auf das Wort "nert", ein Begriff aus den 40ern, der sich von dem Wort "nut" ableitet und jemanden beschreibt, der dumm oder verrückt ist. Bis heute ist die Redewendung "You´re nuts" sinngemäß erhalten geblieben!


So oder so, begann sich der Begriff nach und nach zu etablieren, Außenseiter gab es schon immer und wird es immer geben, mit dem Wort Nerd fand man das passende Schimpfwort dazu.


Freak Show in Rutland, Vermont, 1941
Einen Unterschied muss man aber hier zu dem Wort "Geek" machen, dass vielen als Synonym zu Nerd bekannt ist, ursprünglich aber eine völlig andere bedeutung hatte.
Das Wort Geek bezeichnete im Amerika des 19. Jahrhunderts Personen die in sogenannten "Sideshows" auftraten.
Sideshows, zu deutsch Schaubuden, waren Attraktionen neben Zirkussen oder Jahrmärkten, die dem Publikum ein gewisses Programm boten. Darunter fielen sogenannte "Freakshows", bei denen Menschen mit Missbildungen oder besonderen Talenten gezeigt wurden, sogenannte Völkerschaun, bei denen Menschen anderer Völker zur Schau gestellt wurden aber auch Varieté-Theater, womit auch klar wird warum Tingel-Tangel Bob im amerikanischen Original der Simpsons Sideshow Bob heißt und oft und umfangreich tanzt und singt.

Der Begriff "Geek" beschreibt zwar also auch Personen mit absonderlichen Fähigkeiten, dies bezog sich aber eher auf physische Begebenheiten als auf Interessen oder den Sozialstatus.
Im Deutschen gab es einen ähnlichen Begriff: "Geck"
Dies beschrieb einen Tor oder Narren, im Rheinland hat sich das populäre "Jeck", speziell zur Karnevalszeit durchgesetzt.
Heutzutage wurde also der Begriff Geek etwas sinnentfremdet, da er sich primär auf Leute bezieht, die eng mit dem Medium Computer verbunden sind, im Prinzip also ein Computer-Nerd.


Mit der Zeit gewann das Wort Nerd an Bedeutung und auch einer gewissen Beliebtheit. Der Nerd als Außenseiter und Schulstreber fand Einzug in die Popkultur und damit ganz speziell ins Fernsehen.

Jerry Steiner aus Parker Lewis: Der Coole von der Schule
Das Fernsehen der 80er und 90er Jahre hatte eine breite Fülle an Sitcoms, die, wie bis heute alle nach demselben Prinzip aufgebaut waren. Meist war das eine relativ normale Familie, die in regelmäßigen Abständen lustige Dialoge und Alltagsprobleme lieferte.
Doch das allein reichte nicht aus um sich von der breiten Maße an Konkurrenz abzugrenzen, also schufen die meisten Serien sich einen Sitcom-Nerd.
Der Sitcom-Nerd hatte in den Serien meist die Aufgabe des Zugpferdes, ihm gebührte es die meisten Lacher durch sein sonderbares und abgegrenzendes Verhalten einzufahren und meist war er derjenige, der sich den Konventionen der anderen "normalen" Charaktere nicht beugen musste und so den Script-Autoren eine gewisse Freiheit in Sachen Humor gab. Nicht alle dieser Sitcom-Nerds verkörperten den Stereotyp eines Nerds, Will Smith war beispielsweise in "Der Prinz von Bel Air" zwar der Außenseiter der Familie, der die meisten Lacher einkassierte, dennoch wirkte sein lockererer Lebensstil als der erstrebenswertere als beispielsweise der seines Konterparts Carlton, der den Stereotypen eines verwöhnten Bonzen inne hatte.



Steve Urkel aus Family Matters
Als einer der populärsten "Sitcom-Nerds" dieser Zeit gilt Steve Urkel aus der Serie Family Matters, zu deutsch: Alle unter einem Dach!

Er stellt in gewisser Hinsicht den Prototypen der "Sitcom-Nerds" da:

1. Er trug eine dicke Hornbrille
2. Hatte damals schon modisch fragwürdige Hosenträger
3. Hatte eine Hochwasserhose die über den Bauchnabel ging
4. Trug bis oben zugeknöpfte schrecklich karierte Hemden
5. Hatte eine sehr hohe fast mädchenhafte Stimme
6. Hatte eine nervige aufdringliche Art
7. Seine Lieblingsmusik ist Polka
8. Er spielt Akkordeon

Das einzige was ihm zum vollendeten Status wohl fehlte war die Gesichtsakne.






Während der Großteil der Familienmitglieder, die Urkel regelmäßig besuchte, ihn akzeptierte oder Mitleid mit ihm hatten, war es gerade der Vater der Familie, Carl Winslow, der Urkel schrecklich nervig fand und darüber hinaus nicht gutheißen konnte, dass dieser sich in seine Tochter Laura hoffnungslos verliebt hatte, war er doch in seinen Augen der geborene Verlierer/Nerd.

Auf Urkel folgten viele ähnliche "Sitcom-Nerds", sei es Jerry Steiner aus Parker Lewis: Der Coole von der Schule, Artie aus Pete und Pete, Wayne und Garth aus Wayne´s World oder einfach Lisa Simpson.

Star Wars: Revenge of the Nerds
Schon eher

1984 veröffentlichte mit 20th Century Fox ein nicht gerade kleines Label den ersten Film, der sich komplett dem Phänomen Nerd zuwendete:
Revenge of the Nerds (ironischerweise lange vor "Revenge of the Sith" erschienen :) )

Der Film handelte von einer kleinen Gruppe Nerds, die auf abgedrehte Art und Weise ihrem Status und ihren Peinigern den Kampf ansagten.
Der Film sorgte dafür, dass die fiktionale Studentenvereinigung der Nerds "Lambda Lambda Lambda" auch in der Realität gegründet wurde und bis heute existiert.

Neben der Etablierung dieses Phänomens in der Öffentlichkeit durch das Fernsehen, entwickelte sich nach und nach ein Medium, dass, entsprechend des Stereotyps, von Anfang an in der Hand der Nerds war: Der Computer und damit das Internet.
Die meisten würden mir wohl zustimmen, dass man Bill Gates, einen der größten Pioniere im Bereich Computer, als "Den Computer-Nerd" schlechthin bezeichnen könnte.
Während man heute jemanden, der sich NICHT mit Computern beschäftigt als seltsam und rückständig bezeichnen könnte, traf das für die damalige Zeit genau umgekehrt zu.

Computer hatten damals bei Weitem noch nicht den etablierten Status, den sie heute genießen und auch nicht die Benutzerfreundlichkeit, die man durch Betriebsprogramme wie Windows oder Mac OS heute als selbstverständlich ansieht.Man musste sich also entsprechend lange und viel mit Dingen wie Programmiersprachen und Dos-Befehlen beschäftigen, was wohl auch heute noch nicht zu den Dingen gehört, die man an einem sonnigen Tag am liebsten macht.



 


"My new Computer came with Windows 7......Windows 7 is much more user-friendly than Windows Vista....I don´t like that!" (Sheldon Cooper - Big Bang Theory)







Gleichzeitig symbolisiert Bill Gates und in gewisser Weise auch das Medium Internet eine neue Ära im Bestehen des Nerdtums.
Auf einmal war es möglich, mit seinen sonst gesellschaftlich so verpönten Hobbys Geld zu machen und erfolgreich und anerkannt [sic] zu sein.
Sei es in Form von Computerentwicklungen (Bill Gates, Steve Jobs), Internetversand- und auktionshäusern (amazon, ebay), sozialen Netzwerken (Zuckerberg und facebook), professionellem Computerspielen oder auch einfach nur der Reparatur und Aufrüstung eines Pcs.

Der Erfolg gab den Nerds Recht und auf einmal verlief die Linie zwischen einem Nerd und einem Genie recht dünn. Prinzipiell tat sie das von Anfang an, nur waren die Möglichkeiten seine Spezialisierung mit Erfolg zu verbinden nie so gehäuft vorhanden wie jetzt.

Mit "The Big Bang Theory" als plakatives Beispiel schließt sich dieser Kreis wieder, den dies ist eine Serie die zum ersten Mal seit längerer Zeit das Nerdtum wieder hochleben lässt, es geradezu feiert.

Doch genau hierin liegt ein gewisser Wiederspruch.

Star Wars: Attack of the Clone Nerds


Artie aus der Serie Pete und Pete
Denn wenn man sich noch einmal die Definition Umschreibung eines Nerds ansieht, dann wird recht schnell klar, dass man im ursprünglichen Sinne nicht zum Nerd wird, weil man sich öffentlich dazu bekennt.
Das Umfeld ist es, welches einem diesen Status zuschreibt und zwar hauptsächlich weiterhin wegen Gewohnheiten, die sich dem Mainstream entziehen, wie kann es also Mainstream sein, dazu zu stehen ein Nerd zu sein.

Ursächlich ist hier wohl, wie ironischerweise bei jedem Trend, sich zu individualisieren und von der Masse abzugrenzen um aufzufallen....indem man einem Trend (Entwicklung, der sich eine breite Masse anschließt) folgt.
Während es da viele äußere Möglichkeiten gibt, wie etwa ein bestimmter Kleidungsstil oder bestimmte Frisuren so ist dies auch möglich in Form von bestimmten Sozialverhalten, Abgrenzung und Nonkonformität. Ein gutes Beispiel wäre hier wohl die Gothik Szene, die sich ein ähnliches Schicksal mit den Nerds teilt.

Beide Subkulturen hatten immer die "Nicht-Akzeptanz" der breiten Gesellschaft gemeinsam. Die Gothik Szene aus Überzeugung und Prinzip, die Nerds aus Mangel an Alternativen.

Doch da die Gesellschaft kein festes Gebilde ist, gibt es immer mal wieder Wellenbewegungen, die Subkulturen auf einmal einen neuen Anstrich verpassen und sie, mal für kurze und mal für längere Zeit, zu neuem Glanz verhelfen.

Feiert das Nerdtum also gerade sein Comeback?

Ja und Nein!

Brainy aus der Serie Hey Arnold
Ja in Form von Sitcoms wie The Big Bang Theory, die Charaktere beinhaltet, die sich ihren Status nicht ausgesucht haben, sondern ihn akzeptieren müssen,
Nein in Form von Modetrends und Lippenbekenntnissen, die zwar vielleicht ehrlich gemeint sind, im Prinzip aber dem wahren Kern des Nerd-seins nicht treffen.

Doch vielleicht liege ich ja auch nur einfach falsch und verkenne, ähnlich wie damals der Computer-Nerd und Sitcom-Nerd verkannt wurden, den neuen Gesellschaftsnerd, denn wie ich schon am Anfang sagte:






Stereotypen sind nie fest umschrieben und darüber hinaus per Definition niemals völlig korrekt!
















Mittwoch, 22. Februar 2012

Der satirische Wochenrückblick #2: Nazijäger, Concordia und Köln Putschisten!

Meine Damen und Herren, liebes ´Schland,
ich begrüße Sie zu dem satirischem Wochenrückblick! Eventuelle Frechheiten oder schlecht bis gar nicht recherchierte Fakten bitten wir zu entschuldigen, wir schreiben auch nur ab was der erste von uns behauptet, so läuft das Geschäft nun mal eben!



Florenz: 
Das Drama um das gesunkene Kreuzfahrtschiff Costa Concordia scheint endlich gelöst: Wahrsagerinnen behaupten, dass Kapitän Schettino das Riff lediglich deshalb so eng geschnitten hat, weil diese Szene in dem neuen Film "The Fast and the Furious: Rift Drift Extreme" gezeigt werden sollte. Vin Diesel sollte bei 90 Grad Schräglage seine Hand durchs Wasser fahren lassen und dabei einhändig das Steuerrad lenken.

(Denn "Too Soon" ist nichts anderes als ein chinesischer Name!)


Das Riff wurde lediglich vom Kreuzfahrtschiff gestriffen, weil das Team von West-Coast-Customs das Schiff einige Wochen vorher tiefer gelegt hatte und eine Schicht der Bordwand gegen Plasmafernseher ausgetauscht hatte.
Die Ermittlungen dauern noch an, doch eines ist jetzt schon sicher: Den Film sehe ich mir an!


Berlin:
In der Debatte um unseren neuen Bundespräsidenten eröffnen sich neue Möglichkeiten. Laut Spiegel Informationen liebäugeln die Linken "mit der Nazijägerin Klarsfeld".
Da die Suche im Duden nach dem Wort Nazijäger keine Ergebnisse liefert hier einige Vorschläge meinerseits, was  gemeint sein könnte:

A) "Nazijäger" ist eine Umschreibung für eine der begehrten Rollen im lang ersehnten dritten Ghostbusters Film, dieses Mal sind die Geister nicht nur Geister sondern böse Zombinazis, um sie noch böser als böse zu machen (böse)!

B) "Der Nazijäger" ist eine im kommenden Monat auf RTL ausgestrahlte Sendung, in der der Protagonist Safaris quer durch Deutschland macht und wilde Nazis in ihrem natürlichem Umfeld jagt. Die Zuschauer dürfen per Vote entscheiden in welches Bundesland es geht.

C)  Ein Nazijäger ist ein Jäger der Nazi ist oder ein Nazi, der Jäger ist, bitte hier genau nachfragen um peinlichen Missverständnissen vorzubeugen!




Brüssel:

Die EU Kommission hat entschieden, das umstrittene ACTA-Abkommen dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen um seine Legitimität zu prüfen. ACTA steht für "Anti-Counterfeit-Trade-Agreement", einem internationalen Handelspakt, der es erlauben soll, Verletzungen von Urheberrechten international zu ahnden.
Kritiker sehen sich in ihren digitalen Freiheiten beschränkt und gründeten darauf ihre eigene Vereinigung "Against-Counterfeit-Alliance-Brotherhood", kurz ACAB.

Aus bisher unerklärlichen Gründen sieht sich eben jene Bewegung seit neuestem massiver Polizeigewalt ausgesetzt, Experten vermuten, dass es sich hier um ein Missverständnis handelt.





Köln:

Bild der Putschisten ;)
Köln wurde die letzten 7 Tage Zeuge eines Putschversuches. Urplötzlich tauchte am vergangenen Donnerstag ein Dreigestirn in Form von drei verkleideten Männern auf und beanspruchte den Stadtschlüssel Kölns für sich. Um Punkt 11:11 strömten aus allen Stadtteilen Kölns Anhänger der Putschisten, zentrale Anlaufstellen der Bewegung waren die Altstadt rund um den Heumarkt, die Domplatte und die Zülpicher Straße. Die Polizei war ganz offensichtlich auf der Seite der Putschisten, denn sie sorgte in den folgenden Tagen für den Begleitschutz der gut organisierten Umzüge der Revolutionären. In Form von Kamelle, Bützche und Strüssche gewannen sie im Nu die Herzen der Bevölkerung für sich.
Doch ebensoschnell wie sie die Macht über die Stadt gewannen verschwanden die Putschisten auch wieder und beendeten Ihren Staatsstreich am Mittwoch mit der Verbrennung von Strohpuppen, genannt Nubbel.





Fukushima:

Der ehemalige Betreiber des Atomkraftwerkes in Fukushima Tepco will den Meeresboden in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk zubetonieren, um so eine weitere Verseuchung eben jener Böden zu verhindern. Die Betonwand soll etwa 60 cm breit werden und eine Fläche von 73 Quadratkilometern abdecken.
Ganz offensichtlich sind die Betreiber der Meinung, dass sie mit der Aufgabe einen wässrigen sandigen, ständig in Bewegung bleibenden Boden zu zubetonieren besser klarkommen, als mit einem Riss in einer auf Festland gebauten Betonwand.
Experten werden hoffentlich in naher Zukunft die Herren des Betriebsrats bei Tepco ein weiteres Mal über Erdbeben aufklären und erwähnen, dass eben jene auch unter Wasser stattfinden!




Montag, 1. August 2011

Staatsbankrott auf Staatskosten und andere Heitermacher!

Parteien stellen neues Sparkonzept vor
Staatsbankrott, Zahlungsunfähigkeit, Gefährdung der globalen Wirtschaft!

Globalisierung ist schon was Schönes finden sie nicht? Also der Staatshaushalt in Amerika auf jeden Fall. Kaum hat die EU sich entschieden den Griechen ihr kleines Malör mit einer internationalen Taschengelderhöhung zu vergeben klopft der nächste Staat an, der nicht mit Geld umgehen kann.

Verstehen Sie das? Ich nicht. Wenn ich damals mein Taschengeld vor Ende des Monats versoffen habe, dann war Ende im Gelände. Und wenn der Deckel in der Eckkneipe kreisrund angeschriebene Striche zeigte, dann gabs keinen Schnaps, bis ich dem Wirt meines Vertrauens Zahngold oder ähnliche Wertgegenstände auf die Theke knallte. Oder haben sie schonmal von einem Enkel gehört, der noch die Zeche vom Großvater abzahlen muss?

Ist es so unmöglich nur von Geld zu leben, welches man auch wirklich hat? Ist es wirklich nötig den Hartz 4 Empfängern unseres Landes den Plasmafernseher für 4000 Euro schmackhaft zu machen, weil sie den zu Tagessätzen von 5 Pfennig pro Tag bis an ihr Lebensende abzahlen können?

Ja ist es!

Die Globalisierung ist schon ne klasse Nummer. Nie zuvor wuchsen wir als Weltgemeinschaft so sehr zusammen.
Der internationale Handel blüht, China schickt neue Investoren in die europäischen Länder, da drückt man gerne auch mal beide Augen zu, wenn es um Menschenrechte und Meinungsäußerung geht, schließlich wollen wir unsere Adidas und Nike Schuhe weiter im Regal zu Spottpreisen sehen und unseren teuren Importkaffe weiterhin schlürfen, während wir uns wundern, warum der so gut nach Kinderhänden schmeckt.
Copyright by China

Um daran keinen weiteren Gedanken zu verwenden stecken wir uns unsere Zigaretten an und beschweren uns über weitere Steuern die aud diese noch draufgeschmissen werden und wundern uns keine Sekunde an welchem Ende da gespart wird um den Preis human zu zu halten.
Stattdessen spucken wir den Tabakbauern Hasstiraden ins Gesicht und klagen, dass sie den Tod in Profit umgewandelt haben, auch wenn sie mittlerweile nur noch Centbeträge verdienen und in den Tabakkonzernen mittlerweile mit Sekt auf den Millionsten Krebstoten angestoßen wird.
Als Wiedergutmachung geben die Tabakkonzerne jährlich Millionen für Präventionsprogramme gegen das Rauchen aus, während sie weit über das Hundertfache dieser Geldsummen an Werbung ausgeben, Mathe ist doch bisweilen weit überschätzt wenn nicht sogar vollständig erfunden, finden sie nicht?

Aber es geht uns gut, warum also aufregen. Ist ja schließlich nicht unsere Schuld, dass in Afrika mal wieder das Essen ausgegangen ist.
Wir wollen ja Hilfsgüter liefern, aber wenn die Warlords, die uns seit Jahrzenten scheißegel sind jetzt das Mehl und den Zucker klauen, ja dann können wir bitteschön auch nichts machen. Zu instabil ist das Land um Hilfsgüter zu schicken heißt das dann!
Ich sag es nochmal, damit sie es auch richtig verstehen: Zu instabil ist das Land um Hilfsgüter zu schicken!

Sollen die sich das Geld für eine Generalüberholung des Landes doch bei den Griechen borgen, die sind recht flexibel was ihren Staatshaushalt angeht habe ich gehört.
Ach aber ich vergaß, im Gegensatz zu den Industrieländern dieser Welt, die seit Jahrzenten auf Pump leben sind gewisse Entwicklungsländer eben nicht kreditwürdig...oder zu instabil dann können sie nicht mit Geld umgehen.

Warlord in Griechenland, das wäre es doch! ευχαριστώ πάρα (Besten Dank)

Die Welt wächst immer weiter zusammen und trotzdem schaffen wir es, unsere Plasmafernseher umzuschalten wenn sie von Hungersnöten berichten und schauen uns lieben die neue Staffel des Dschungelcamps an und schütteln den Kopf über käferfressende F-Klasse Promis, die unsere eigene Misere in ein profitables Medienformat verwandelt haben.

Der Selbstuntergang in Staffelform, die Einschaltquoten so hoch wie bei kaum einer anderen Sendung und der Durchschnittsbürger schaut in diesen Spiegel der Gesellschaft und futtert dabei seinen übervollen Kühlschrank leer.
Du bist, was du ißt und einschaltest. Die heutige Generation Fernsehen kennt jeden einzelnen Namen der Teilnehmer bei den Supermodels, Big Brother, Dschungelcamp und Deutschland sucht den Superstar, weiß auf Anhieb wer mit wem in der Promiwelt, hält beste Facebook Kontakte zu sämtlichen Stars inklusive Charly Sheen, hält aber auf Nachfrage Dmitri Medwedew für einen russischen Profiboxer und den nächsten Gegner von einem der Klitschko Brüder.

Und das Essen ist auch schon gegen uns. Ehec macht die Runde und die Angst vor Gemüse ist wieder so hoch, wie zu den Zeiten, als "Angriff der Killertomaten" im Kino lief.
Der Ursprung muss gefunden werden, die Bürger gewarnt werden und so gibt das Robert Koch Institut erstmal eine generelle Warnung raus und bittet Staatsbürger, Erreger wenn überhaupt nur abgekocht zu verzehren, der Fortschritt schützt den mündigen Bürger wo er nur kann.
Gemüse ist uns eh überdrüssig geworden. Da kam der Erregelskandal nicht nur den Boulevardblättern ganz passend. Das einzige Gemüse, dass in Deutschland noch erfolgreich angebaut wird sind Couchpotatoes!

Und die Generation nach uns, wird sie es besser machen? Fraglich, denn zuallererst müssen sie unsere Plasmafernseher zu Ende bezahlen, mindestens zehn Ratenzahlungen pro Bundesbürger gehen auf die Enkelgeneration über!

Ein Hoch auf die Globalisierung!





Montag, 4. Juli 2011

Die Dreifaltigkeit des Nachmittagsfernsehens

Schaut man sich den immer weiter anwachsenden Markt von so genannten „Reality Shows“ an, könnte man eigentlich in Schockstarre verharren und die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Man kann sich echauffieren und zetern, dass diese neuartigen Waffen zur Massenverdummung auf gar grausige Art und Weise Erfolg haben. „Dschungel-Camp“, „Mitten im Leben“, „Bauer sucht Frau“ und neuerdings „Schwer verliebt“ führen eine Großoffensive gegen elementare Vorstellungen des sozialen Zusammenlebens und der Intelligenz!


Aber greift diese einfache, schimpfende Kritik nicht zu kurz? Muss man nicht den Blick mal auf die anderen Seite der Medaille richten und das Pferd von hinten aufzäumen? Starten wir mal einen Versuch.


Ja, echt witzig wie sich diese „Unterschicht“ mit ihrem asigen Prollgehabe in der Mattscheibe der Lächerlichkeit preisgibt, haha. Selten so gelacht. Aber sind sie nicht Teil eines viel größeren Übels? Einer Gesellschaft, die eben Dieses aus sich selbst produziert?


Natürlich werden für dieses Format naive und leichtgläubige Menschen ausgesucht und mit ein wenig Geld geködert, die sich eventuell gar keine Gedanken darüber machen, dass der Cutter und der Produzent jede noch so peinliche Kleinigkeit mit Musik untermalen, bissige Kommentare des Moderators drunter legen und so vielleicht ganz anders gemeinte Aussagen verfälschen. Für viele jener Teilnehmer stellt das TV nun einmal den Mittelpunkt ihres Lebens dar und verkörpert, so lächerlich es auch klingen mag, eben dieses. Die dem Fernsehen nicht absprechbare Vorbildfunktion (truth hurts, doesn’t it) sorgt genau dafür, dass sich diese Leute an Demütigungen gewöhnen, da ihnen diese tagtäglich präsentiert werden. Demütigungen anderer arbeitsloser, in finanzielle Schwierigkeiten gerutschter, teilweise verwahrloster Menschen. Ist es nicht diese Abstumpfung, gepaart mit finanziellen Problemen, die diese Menschen dazu bringt, den Schritt in eben diese Formate zu gehen, nur um wenigstens für einen Monat die Hartz-IV genannten Almosen des Staates, die sowieso nicht reichen, etwas aufzubessern? Ich sage nicht, dass diese Menschen völlig „schuldlos“ an ihrer eigenen Zurschaustellung sind, aber es ist in meinen Augen auch zu vermessen, sie alle als asoziales Pack abzustempeln, das diese öffentliche Vorführung und Demütigung von vorne herein so wollte.

Bleiben als nächstes die Produzenten und Sender, die uns tagtäglich mit diesen Kram zu sch(m)eißen. Renditeorientiertes Fernsehen lebt von hohen Einschaltquoten ihrer Sendungen, zwischen denen sie die Werbung (ihr Haupteinnahmefeld) möglichst gewinnbringend platzieren können. Eine reizüberflutete und abgestumpfte Gesellschaft braucht „außergewöhnliches“ Programm, in den meisten Fällen leider „außergewöhnlich geschmacklos“ oder „außergewöhnlich stumpf“. Auch hier sind es nur Rädchen im Getriebe, wenn auch schon mit mehr Macht. Aber leider heißt es nicht zu Unrecht: Never change a running system.


Bleibt also die letzte Gruppe, also diejenigen, die in meinen Augen hauptverantwortlich sind für die ganze Misere. Der Konsument VOR der Glotze. Wenn ich den Rädchen und den Opfern der Sendungen Macht in Form von hohen Einschaltquoten gebe, werden diese Programme weiter laufen. Denn der einfachste Weg, eine Sendung zur Absetzung zu bringen, ist immer noch die Verweigerung. Keine Quote, kein Gewinn. Ihr seid mündige Bürger, dürft Auto fahren und wählen gehen, also nutzt das Ding zwischen den Ohren mal für etwas Sinnvolles! Wenn wir nicht bewusster anfangen, zu selektieren und hinterfragen, bleibt am Ende tatsächlich nur noch der traurige, dann aber zutreffende Spruch: Jede Gesellschaft bekommt das TV-Programm, das sie verdient.

Um noch einmal auf das Nachmittagsfernsehen zurück zu kommen, hier ein Beitrag von "Panorama" zu genau diesem Komplex. Vieles des im Artikel Erwähnten taucht auch genau hier wieder auf.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Hände hoch, dies ist ein Hilfeschrei!

Wie würden Sie einen Menschen bezeichnen, der wegen einem Dollar eine Bank überfällt? Geistesgestört?  Dumm? Bescheuert?
Es gibt sicherlich einige Möglichkeiten, diesen Aktionismus entsprechend zu würdigen, die Wenigsten aber würden James Verone "genial" oder einen Sozialkritiker nennen, dabei trifft beides doch soviel mehr zu.

James Verone lebt in North Carolina an der Ostküste der Vereinigten Staaten. 17 Jahre arbeitete er für die Coca Cola Company, fuhr seine Lieferungen aus und schleppte unzählige Kästen des allseits beliebten Siurpwassers durch die Staaten. Vor drei Jahren, also mit 56 Jahren verlor er seine Anstellung, wir alle können uns vorstellen wie gut die Chancen für einen 56-jährigen sind neue Arbeit zu finden.

James Verone nach seiner Inhaftierung
Er lebte von Ersparnissen und arbeite in einem "Convenience Shop" einem Einzelhandellanden und schleppte nun hier weiter seine Kisten.
Es kommt wie es kommen muss, durch seine längjährige Arbeit bekommt er Rückenprobleme, fängt an mit dem Fuß zu hinken und die Arthtitis gewinnt langsam aber sicher den Kampf um seine Gelenke.


Hier bei uns in Deutschland würde man sagen, dass James Verone arbeitsunfähig ist und mit diesen durch seine bisherige Arbeit verursachten Krankheiten nicht mehr weiter in seinem Job arbeiten kann.

Im Prinzip stimmt das auch so in den Vereinigten Staaten mit dem kleinen aber feinen Unterschied, James Verone ist nicht krankenversichert!

Während er also zusehen musste, wie seine Finanzreserven stetig weniger wurden ging er seine Optionen durch.
Er wollte in keinem Fall seiner Familie finanziell zur Last fallen, ebensowenig kam Sozialhilfe für Obdachlose in Frage, denn obdachlos oder sterbenskrank war er ja auch nicht, er war einfach nur jemand, der starke Schmerzen leiden musste und dem medizinisch verhältnismäßig einfach geholfen werden kann.

Quelle
Also setzte er sich am 9 Juni in ein Taxi und ließ sich zur "RBC Bank" fahren. Dort angekommen gab er der Dame am Tresen einen Zettel auf dem Stand

"Wenn Sie diesen Zettel lesen überfalle ich Ihre Bank. Ich stehle dieser Bank genau einen Dollar. Ich bin geistig zurechnungsfähig aber leider nicht mehr körperlich!"



Danach gab James Verone der Kassiererin zu verstehen, dass er sich auf eine Bank in der Ecke setzten würde und auf die Polizei warten würde, er war weder bewaffnet noch aggressiv, vermutlich war dies der passivste Banküberfall aller Zeiten. Die Polizei wurde alamiert und staunte nicht schlecht auf einen Bankräuber zu treffen der sich bereitwillig in Handschellen legen lies.

Warum das ganze?

Nun Verone war sich bewusst, dass Gefangene in den USA freie Heilfürsorge erhalten, ja sogar die Inhaftierten "Terroristen" auf Guantanamo Bay erhielten die beste medizinische Versorgung, vielleicht sogar besserer als die Bürger der vereinigten Staaten. Ironischerweise spielt hier der Versicherungsstatus keine Rolle es gilt die Gefängnisse gesund zu halten, zu überfüllt sind sie als dass man sich Epidemien unter den Gefangenen leisten könnte.

Verone ist kein Krimineller sondern ein rationaler Mensch, der seine Möglichkeiten abgewogen hat und das getan hat, was jeder Bürger der Bundesrepublik für selbstverständlich erachtet: Medizinische Versorgung zu erhalten ohne sich Gedanken über die finanziellen Konsequenzen machen zu müssen.

Quelle
Den Wert einer Gesellschaft erkennt man ja bekanntlich daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer selbst umgeht und dieses Beispiel spricht Bände dafür. Man sollte meinen, dass in dem mächtigsten Staat der Welt freie Heilfürsorge und Versicherungspflicht für alle eine Selbstverständlichkeit ist, doch auch 3 Jahre nach Amtsantritt von Präsident Barack Obama sieht die Realität anders aus.


Der Grund der freien Heilfürsorge für Gefangene liegt simpel und einfach in einer Entscheidung des Supreme Court von 1976, in der konstatiert wurde, dass es unmenschlich ist, Gefangenen medizinische Versorgung vorzuenthalten und es schlichtweg zu teuer und nicht möglich ist, gleiches für alle Bürger der USA durchzusetzen.


Für Ärzte sollte es im Prinzip unethisch sein, Patienten abweisen zu müssen, weil sie nicht krankenversichert sind und in Deutschland kann man sich glücklich schätzen, dass dem Dank unseres Sozialsystems so ist. Hier ist mein erster Gedanke wie ich dem Patienten möglichst schnell und effektiv helfen kann und glücklicherweise nicht, wie er genau versichert ist, nervig genug, dass geklärt werden muss ob jemand eventuell Ein- oder Zweibettzimmer versichert ist.

Es darf und kann nicht sein, dass Menschen sterben, weil sie gewisse Formalitäten und Voraussetzungen nicht erfüllen, die ihr Leben rettenswert machen.
 
James Verone ist kein Krimineller, seine Tat ist vielmehr ein metaphorischer Hilfeschrei derer, die in einer ähnlichen Situation wie er sind.
Quelle
Ist er ein Sozialschmarotzer weil er das System so eiskalt zu seinen Gunsten ausnutzt? Nein, vielmehr sind die Vereinigten Staaten der Sozialschmarotzer, der seiner eigenen Existenzgrundlage, nämlich den Staatsbürgern die grundlegensten Sozialleistungen verwährt.

James Verone hat übrigens kommende Woche seinen regulären Arzttermin beim Gefängnisarzt im "Gaston County Jail".

Gute Besserung!

Montag, 30. Mai 2011

10 Anekdoten zu Fukushima, die in 10 Jahren lustig sein werden!

Platz 10:
Hitler mochte Atomkraft!!
Platz 9:
AAAhhhh es war Goooodzillaaaaaaaa!!!
















Platz 8:
Wie kriegen wir das jetzt bitte aus unseren ölverseuchten Fischen?

Platz 7:
Und so liebe Kinder wurde aus dem Land des Lächelns das Land des Strahlens.

Platz 6:
FUCK U Shima!!!!




Platz 5:
Geschieht denen recht, ein Atomkraftwerk in der erdbebenreichsten Ecke der Welt zu bauen ist ungefähr genau so dumm, wie ein Atomkraftwerk in der erdbebenreichsten Ecke der Welt zu bauen!

Platz 4:
Die Stellungnahme des Ölkonzerns BP zum japanischen Atom-Gau lautete: Ein Glück, dass wir keine Kraftwerke bauen.

Platz 3:
SKANDAL: Pakistan bot Tepco Aktionären geheimen Unterschlupf in der Nähe von Abbottabad, ein Navi Seal Team ist in diesem Moment auf dem Weg dorthin!







Platz 2:
Neues Wellenparadies in Japan: Testen auch sie das neue Tsunami-Wellenbad an der Küste Fukushimas!


Platz 1:
Drei Reaktoren mit ner Kernspaltung,
halten alle Medien für Wochen in Schwung,
Japan sagt das geht schon mit der Verstrahlung,
drei Reaktoren mit ner Kernspaltung!

Dro Rooktoren mot nör Kornspoltong,
holten olle Modoon for Wochon on Schwong...

Mit freundlicher Unterstützung von "dertypdeinermudda"

Donnerstag, 19. Mai 2011

Plädoyer für Lars von Trier

Ein recht bekannter und von mir sehr geschätzter Komödiant hat einmal gesagt: "Deutsche sind ja wenn es um den Nationalsozialismus geht wie Kakerlaken wenn das Licht angeht....Zack und alle schreien WIR WAREN IM WIDERSTAND!!!"

Diese kurze Anekdote beschreibt meiner Meinung nach sehr gut die häufige Distanz mit der gerade Deutsche das Thema Zweiter Weltkrieg und Hitler angehen. Die "political correctness" nimmt ungeahnte Maße an und Stars und High Society Angehörige antworten am besten sowieso nur noch schriftlich per Anwaltschreiben, denn es gilt einen Ruf zu verlieren, nicht darum seine Meinung sachlich vorzutragen.

Es ist schon bemerkenswert, dass ein Thema, dass in jeder Hinsicht wichtig ist zu diskutieren und zu analysieren öffentlich von Personen die im Scheinwerferlicht stehen nicht einmal ansatzweise mit Samthandschuhen angefasst wird, da man hiermit vielen Gruppierungen schnell auf die Füße treten kann. In den allermeisten Fällen ist dies aber nicht ein Mangel an politischem und geschichtlichen Interesse seitens der Stars, sondern vielmehr die Intention der Presse, die hinter diesen Fragen steht.

So oder so ähnliche spielten sich wohl auch die Gedankenspiele im Kopf von Lars von Trier ab, als er gestern in einer Pressekonferenz der Filmfestspiele von Cannes saß.

Für die, die nicht viel mit dem Namen dieses Regisseurs anfangen können, Trier ist eine Art "enfant terrible" des Filmgeschäfts, seine Filme provozieren gerne, vor kurzem schockierte sein Film Antichrist, der eine recht derbe Genitalverstümmelungsszene enthält. Über seine Filme scheiden sich die Geister, viele vergöttern ihn als martialischen Künstler, andere tun ihn als fehlgeleiteten manischen Möchtegernregisseur ab. Doch zum Glück sind Geschmäcker verschieden und Kinobesuche basieren im Normalfall auf freiwilliger Basis.

Auch dieses Jahr präsentiert von Trier einen Film, der das Ende der Welt in einem sehr surrealen und teils verstörenden Setting präsentiert und in jedem Fall ein Anwärter für eine der begehrten goldenen Palmen gewesen wäre.

Die Betonung liegt auf wäre....

Denn auf der besagten Pressekonferenz stellte einer der Journalisten von Trier eine Frage die sich auf eine Äußerung von ihm vor Jahren bezog, in der er der damaligen Zeit des Nationalsozialismus eine gewisse Ästhetik abgewinnen konnte.

Wir sehen schon was für eine Art von Frage wir hier mal wieder gestellt wurde. Sie hat nicht ansatzweise was mit dem Film zu tun, den von Trier vorstellt, sie gehört auch nicht nach Cannes, den die Person von Trier ist eher unbedeutend, es sind die Filmprojekte, die die wahren Stars der Veranstaltung sind.

Was also genau sagte von Trier, das rechtfertigen würde ihn aus Cannes zu verbannen?

"Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass ich für eine lange Zeit dachte, ein Jude zu sein. Und ich war glücklich darüber. (...) Aber es kam heraus, dass ich kein Jude war. (...) Ich wollte wirklich ein Jude sein. Und dann fand ich heraus, dass ich in Wirklichkeit ein Nazi war, weil meine Familie deutsch ist (...) Und das bereitete mir auch etwas Vergnügen."

Ich sehe in diesem ersten Teil seiner Aussage nicht ansatzweise etwas Verwerfliches. Das einzige was er sagt ist, dass er davon ausging Jude zu sein und dann herausfand, dass seine Eltern deutscher Herkunft waren, jeder der von Trier schonmal auf einer Pressekonferenz erlebt hat, weiß, dass er gerne provoziert und sich gerne missverständlich ausdrückt, aber hier antisemitische Äußerungen reinzuinterpretieren ist schon schwer, doch schauen wir einmal weiter.

"Also, was kann ich sagen? Ich verstehe Hitler. Ich glaube, dass er ein paar schlechte Dinge gemacht hat, klar, aber ich kann ihn mir in seinem Bunker vorstellen, am Ende. Ich will sagen, dass ich den Mann zu verstehen glaube. Er ist niemand, den wir einen guten Kerl nennen würden, aber ich glaube, ihn als Mensch zu verstehen und habe auch ein bißchen Mitleid mit ihm."

So der ungefähre Wortlaut seiner Aussage, man möge bitte bedenken, dass von Trier Däne ist und auf Englisch antwortete, entsprechend sollte man vorsichtig sein, ihn wortwörtlich auseinander zu nehmen.

Doch was sagt er hier eigentlich? Es sagt, dass er Hitler als Mensch sieht und sich in ihn hineinfühlen kann. ist dies verwerflich?

Mit allem Nachdruck: Nein! Nicht ansatzweise!!!

Allein die Aussage, dass er die Situation in der Hitler gegen Ende des Krieges war versteht und nachvollziehen kann ist in keinster Weise eine politische Wertung seiner Taten, nicht umsonst betont er, dass Hitler kein guter Mensch war. Von Trier ist Regisseur es ist seine Aufgabe sich in Charaktere einfühlen zu können, unabhängig davon ob sie edle Ritter auf einem Roß sind oder Mörder.

Was ist denn zum Beispiel in der Hinsicht mit dem Oscar nominierten deutschen Film "Der Untergang" von Bernd Eichinger und Oliver Hirschbiegel? Der Film zeigt Hitler ganze 150 Minuten in seinem Führerbunker und deckt durchaus menschliche Züge an ihm auf, ohne dabei zu werten. Musste Bruno Ganz sich nicht intensiver als die meisten von uns in diesen Menschen einfühlen? Schließlich spielte er Hitler und dies bestätigen viele positive Presserezensionen, so überzeugend wie kaum jemand zuvor.


"Die meisten Kritiker hat Bruno als Hitler sehr beeindruckt ." (Zitat Das Erste)


Wie geht es also weiter?


"Ich bin nicht für den Zweiten Weltkrieg, und ich bin nicht gegen Juden. Ich bin sogar sehr für die Juden. Oder nein, so doll nun auch wieder nicht. Schließlich geht einem Israel wirklich auf die Nerven."

Jeder, der diesem Kommentar noch für absolut ernst und ohne jegliche Provokation nimmt, hat zumindest als Journalist eindeutig seinen Job verfehlt. Spätestens ab hier versucht von Trier scherzhaft seine Aussagen zu relativieren, weil er merkt, welchen Strick ihm die Presse hieraus noch drehen wird. Und seine scherzhafte Anspielung auf den Nahostkonflikt mag durchaus geschmacklos sein, aber was spricht dagegen sarkastisch auf den Fakt anzuspielen, dass dieser Konflikt seit nunmehr 93 Jahren unzählige Menschenleben forderte?

"Wie komme ich aus diesem Satz nur wieder raus?"

Hier macht er relativ unmissverständlich klar, dass es dumm war überhaupt auf diese völlig aus dem Kontext der Situation gestellte Frage zu antworten. Es liegt auf der Hand, dass er nicht antisemitisch ist und auch sicherlich nicht dumm genug wäre, dies öffentlich auf einem solchen Podium kund zu tun. Er lacht, während er dies sagt, weil die Situation in der er sich befindet völlig absurd ist. Der Journalist, der eben diese Frage gestellt hat, reibt sich vermutlich gerade die Hände, weil diese Äußerung für alle engstirnigen Menschen dieser Welt eine neue Skandalschlagzeile bedeutet.

"Ich wollte nur sagen die Kunst, ich bin sehr für Albert Speer, er ist eines von Gottes besten Kindern und hatte ein Talent, welches ihm möglich machte........."

Und dann stöhnt von Trier resigniert und sagt lachend:

"Okay ich bin ein Nazi"

Im Hintergrund hört man die Journalisten lachen, denn sie verstehen, dass von Trier hier kapituliert und den Journalisten das gibt, was sie von Anfang an hören wollten. Den politischen Skandal der Geld in die Verlagskassen spült. neben ihm versuchte Kirsten Dunst, die Hauptdarstellerin seines aktuellen Filmes,

wegen dem er eigentlich da ist,

angestrengt wegzuschauen um bloß klar zu machen, dass sie nicht einer Meinung mit von Trier ist.

Speer bei den NürnbergerProzessen
Doch was hat er hier wieder falsches gesagt. Man mag von Albert Speer denken was man will, Fakt ist, dass er Nationalsozialist war und in fraglichem Umfang von den Deportationen jüdischer Bürger wusste, nicht ohne Grund saß er nach Kriegsende 20 Jahre im Gefängnis.  Er entging in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen nur knapp der Todesstrafe, entscheidend waren Beweise, die zeigten, dass er gegen Kriegsende Vernichtungsbefehle Hitlers nicht weitergab und somit weitere Zerstörung verhinderte.
Es ist durchaus gerechtfertigt zu diskutieren ob Speer die Todesstrafe verdient hätte oder nicht.
Doch hierauf bezieht sich von Trier überhaupt nicht, er spricht von dem Architekten Albert Speer und es ist durchaus legitim sein Können in der Hinsicht positiv zu bewerten und wie am Anfang gilt auch für Architektur: Geschmäcker sind zum Glück verschieden.




Bild aus Riefenstahls Olympia
Wie sieht es denn beispielsweise mit dem filmischen Wirken von Leni Riefenstahl aus? Riefenstahl war überzeugte Nationalsozialistin und profitierte karrieretechnisch enorm unter dem Naziregimé, dies ist hinreichend belegt und historischer Fakt. Aber ändert das was an der Tatsache, dass gerade ihre Filme über die olympischen Spiele bis heute aufgrund ihrer Ästhetik gelobt, gezeigt und bewundert werden? Natürlich hattten die Filme propagandistische Züge und dem aufmerksamen Betrachter fällt schnell auf, dass bewusst farbige Teilnehmer der Spiele so selten wie möglich in Szene gesetzt wurden, dem kann man nicht widersprechen.
Aber darf man deshalb nicht sachlich über Dinge wie Kameraschnitte, Perspektiven und Optik des Films sprechen?

Dem Ganzen wird die Krone der Ironie noch aufgesetzt, wenn man berücksichtigt, dass Mel Gibson dieses Jahr erstmalig wieder an den Filmfestspielen teilnehmen darf. Gibson machte in letzter Zeit durch antisemitische Äußerungen gegenüber Polizisten auf sich aufmerksam, die ihn verhafteten weil er betrunken Auto gefahren ist:


"Verdammte Juden, die Juden sind für alle Kriege in der Welt verantwortlich." (Zitat Mel Gibson bei seiner Verhaftung)

Auch sein Film die Passion Christi sorgte für viel Aufregung, da er die jüdische Gemeinde in einem sehr schlechten Licht stehen ließ und ähnlich wie Werke von von Trier durch exzessive Gewalt in Bildern provozierte.

Die Äußerung von Gibson bedarf keiner Diskussion, denn im Gegensatz zu den Äußerungen von von Trier bleibt hier kein Raum für Interpretationen, der einzige mildernde Umstand ist, dass er......betrunken Auto gefahren ist und bedingt unzurechnungsfähig war.
 
P.s: Jeder Leser, der auch nur ansatzweise denkt, dass ich in diesem Artikel für den Nationalsozialismus spreche oder ihn befürworte, der sollte sich noch einmal die Überschrift durchlesen und bitte zur Kenntnis nehmen, dass er nicht ansatzweise verstanden hat, worum es hier geht.

Sonntag, 3. April 2011

Atomenergie oder doch lieber Duff?

Raus aus der Atompolitik und zwar schon seit gestern. Das ist der weit schallende Grundkonsens hinweg über Parteigrenzen und soziale Schichten. Überall flammen Protestbewegungen und Mobilmachungen auf, denn eines ist ja wohl klar: "Pro Atomenergie" ist so unbeliebt wie untragbar geworden.
Fukushima zeigt uns allen ja schließlich, dass auch Springfields Kraftwerk eher eine Zeitbombe als eine Energiequelle darstellt. Pro Sieben hat übrigens vor einer Woche entschieden Folgen der Serie in denen Homer Blödsinn im Kraftwerk baut nicht zu zeigen um den Umständen gerecht zu werden.
Dabei sind die Simpsons doch so aktuell wie nie, so verkauft Monty Burns in einer Folge sein Kraftwerk an deutsche Investoren, weil sie als so akribisch und sicherheitsorientiert gelten, Ironie des Schicksals, vielen Dank Matt Groening.
Das einzig gute, was man der Krise in Japan abgewinnen kann ist der Fakt, dass es der Atomlobby nun deutlich schwerer fallen sollte, ihre ach so feine Atomenergie als sauber zu verkaufen, das Problem der Endlagerung noch völlig außen vor (in unbestimmter Zeit mehr davon).

Reaktorlaufzeit ist das meistumstrittenste Wort der letzten Wochen und die Verlängerungen, die schon vor langer Zeit durchgedrückt wurden bringen auf einmal die Staatsbürger auf die Palme, während die "Alt-68" grinsend von Haustür zu Haustür wandern und jedem der es hören will oder auch nicht ein "Ich habs euch ja gleich gesagt" an die Backe labern.

Doch verwundert der Massenprotest in Deutschland? Ernüchternderweise nicht. Gegner der Atomkraft zu finden ist aus offensichtlichen Gründen einfach, Beführworter ähnlich schwer zu mobilisieren, wie fürs Babyrobbenschlachten. Im Prinzip ist daran auch nichts falsches, denn die Idee der Atomkraftwerke ist so einfach wie falsch.

Nachdem Wissenschaftler das unglaubliche Energiepotential der Atomkraft entdeckten und sie ausgiebeig getestet hatten (Siehe Versuchsprotokoll Hiroshima und Bikini Atoll) war es naheliegend was geschehen würde. Wie hungrige Wölfe stürzten sich Investoren auf den neuen Energielieferanten, der in großen Mengen vorhanden und herzustellen war und kosteneffizient war. Sicherlich gab es da noch das Problem des radioaktiven Abfalls und die potentielle Bedrohung eines nuklearen Gau aber hey, wir haben die Leute dazu gebracht sich mit Zigaretten dahin zu raffen, da wird das doch wohl ein Klaks. Und außerdem verbuddeln wir das Problem tief unter der Erde, aus den Augen aus dem Sinn.

Wussten Sie übrigens, dass "Fukushima" übersetzt soviel wie Glücksinsel heißt? Die Ironie ist doch bisweilen ironisch, finden Sie nicht?

Doch, ach wie blöd, jetzt ist doch wirklich eins von den Dingern in die Luft geflogen und alle schreien laut. Doch spätestens wenn Steuern und Strompreise steigen, weil wir von heute auf morgen zig Kraftwerke abschalten wollen wird der Euphorismus dieser Tage einen bitteren Beigeschmack bekommen.

Protestieren macht den Meisten nämlich genau so lange Spaß, wie sie selbst keine Konsequenzen daraus zu befürchten haben.
Protest ist wichtig, gut und auch gewollt, doch hat man in der letzten Zeit das Gefühl, das "dagegen sein" ein Trend ist, dessen Wirkkraft aber so schnell verschwindet wie sie gekommen ist. Es ist leicht einen Mausklick für den "like" Button auf Facebook zu drücken, nur spiegeln die Zahlen solcher Bündnisse nicht wirklich die derer wieder, die auch bereit sind mehr für die Ideale zu tun für die sie einstehen.

Vielleicht endet es ja alles doch wie bei den Simpsons und Mr. Burns stellt uns allen entweder den Strom ab oder verdunkelt die Sonne, in jedem Fall spiegelt Springfield den Aktionismus dieser Tage wieder: Protestieren oder doch lieber zu Moe´s Tavern und da schimpfen?

Donnerstag, 3. Februar 2011

Die "Eiskalte-Engel-Arschloch-Theorie"

Für diejenigen, die den Film noch nicht kennen und gerne sehen würden: Der Artikel spoilert einzelne Szenen sowie das Ende des Films, wer ihn also noch nicht gesehen hat sollte den Artikel lieber nicht lesen!

 

Jeder von uns kennt folgende Situation:
Man ist in seiner Lieblingskneipe und ist nach 5 Bier und ein paar Kurzen endlich auf dem Pegel der hübschen Dame am Tresen den Hof zu machen. Jetzt bloß keinen Fehler machen, schließlich ist sie auch alleine da und trinkt augenmerklich genau so gerne Whyskey wie du. Nur ist es in den seltensten Fällen damit getan miteinander einen Trinkwettbewerb zu veranstalten, es muss also verbale Verständigung her, solange das noch möglich ist. Nur worüber reden? Man kennt die Frau ja praktisch nicht und in 80 Porzent der Fälle geht es ihr an ihrem entzückenden Hintern vorbei, dass die Chicago Bulls diese Saison extrem gute Aussichten auf die Playoffs haben. (Das haben sie übrigens)
Also greift man zu altbewährten Mitteln wie Musik, Kino und Dvds.

Und vielleicht kommt man dann irgendwann auch mal bei dem Film "Eiskalte Engel" an. Versteht mich nicht falsch, meiner Meinung nach ist der Film klasse, der Plot ist duchweg gut, die Schauspieler überzeugend und der Soundtrack kann sich sehen lassen.
Doch kommt es zum Ende des Films, so packe ich gerne meine oben erwähnte "Arschloch-Theorie" aus. Warum die so heißt? Nun weil sie den Film und seine Aussage komplett auf den Kopf stellt und so viele Frauenherzen bricht und meine Score-Chancen oft auf 0 senkt! :)

Doch fangen wir chronologisch an, um meine Theorie zu untermauern, hier also der Anfang des Filmes:
Copyright: Kinowelt GmbH

Was sehen wir also? Sebastian fährt in seinem schwarzen Jaguar den Highway runter, auf der Nase seine schwarze Sonnenbrille, neben sich auf demBeifahrersitz sein Tagebuch und dazu dieses selbstichere Grinsen, dass er fast den ganzen Film beibehalten soll.
Er ist die Sorte Typ, dem alles in den Schoß fällt (im wahrsten Sinne des Wortes), ein Macho, der durch seinen Charme alle Frauen schwach macht und rumkriegt. Das macht er auch gleich klar, denn in der darauffolgenden Szene erfährt seine Therapeutin, dass er Nacktbilder ihrer Tochter ins Internet gestellt hat.

Die Haupthandlung dürfte ja weitestgehend bekannt sein.

Spoiler

Sebastian verfolgt das sportliche Ziel, jede Frau, die es ihm wert scheint in die Kiste zu kriegen. Mit seiner Stiefschwester Kathryn geht er die Wette ein, die jungfräuliche Annette rumzukriegen, als Belohnung winkt ihm dafür eine Hafenrundfahrt mit seiner Stiefschwester.
Doch natürlich kommt alles anders und er verliebt sich zum ersten Mal. Seine Aufopferungsbereitschaft geht sogar so weit, sich selbst seiner Liebe wegen zu opfern.

Zum Ende des Films sieht man alle Charaktere zu der Beerdigung Sebastians in der Kirche versammelt. Während seine Stiefschwester eine herzzerreißende Grabesrede hält bricht ein Tumult aus und vor der Kirche hat Annette dafür gesorgt, dass die bloßstellenden Tagebucheinträge Sebastians über seine koksende Stiefschwester verteilt werden.



Doch sehen wir es uns doch das Ende noch einmal genau an:

Copyright: Kinowelt GmbH

Spoiler

Das Ende vom Film ist also, dass Annette mit Sebastians Auto dem Sonnenuntergang entgegenfährt und ihre große Liebe gerächt hat.





FALSCH.....zumindest vielleicht. :)

Auffallend sind doch die absoluten Parallelen zum Filmanfang. Wieder sehen wir den schwarzen Jaguar, wieder liegt das Tagebuch darin, Annette hat praktisch dieselbe Sonnenbrille wie Sebastian an und grinst kurz am Ende genauso wie er......SIE IST PRAKTISCH SEBASTIANS EBENBILD.

Warum diese Parallelen zum Anfang des Filmes, wo er sie noch gar nicht kannte und ein ganz anderer Mensch war?
Der Großteil der Leute, die den Film kennen werden gerade wegen der eingespielten Szenen ihrer gemeinsamen Romanze sagen, dass sie grinst, weil sie Sebastian gerächt hat und ihn liebt.

Aber hakt der Vergleich nicht etwas?

Hat sie denn soviel Grund zum Lachen?

Er ist mehr oder weniger ihretwegen gestorben und alles was dem unschuldigen Mädchen von Nebenan einfällt ist an seiner Beerdigung nicht selbst anwesend zu sein sondern seine Schwester zu demütigen und mit seinem Auto und seinen intimsten Gedanken abzuhauen?


Nehmen wir mal die Fakten zusammen:
1. Sebastians Ruf war allseits bekannt, selbst Annette sagt das zu ihm im Film, sie weiß also genau worauf sie sich einlässt.

2. Sie quartiert sich "rein zufällig" im Ferienhaus seiner Tante ein. Selbst ohne von der Wette zu wissen war eigentlich klar, dass Sebastian so oder so von ihr erfährt und sie genau in sein Beuteschema fällt.

3. Natürlich konnte sie nicht wissen, dass er bei dem Kampf gegen Ende überfahren wird, völlig klar, aber es muss ja auch nicht ihr Ziel gewesen sein ihn umzubringen. Gegen Ende des Filmes sieht man immer mehr, wie das Verliebtsein Sebastian innerlich auffrisst und völlig fertig macht, ähnlich wie seine Liebschaften vorher sich gefühlt haben müssen.

4. Einer der wichtigsten Punkte um meine Theorie zu untermauern: Das genial passende Lied von The Verve am Ende:

Bittersweet Symphony, die bittersüße Symphony 

Ein Song, der gerade wegen dieser Szene um einiges berühmter wurde und wer sich mal ein wenig mit dem Text beschäftigt hat, dem wird folgende Textstelle bekannt vorkommen:


No change, I can't change, I can't change, I can't change
But I'm here in my mould, I am here in my mould.
And I'm a million different people from one day to the next...
I can't change my mould, no, no, no, no, no, no

"Keine Veränderung, ich kann mich nicht ändern, ich kann mich nicht ändern, ich kann mich nicht ändern,
Dennoch bin ich hier wie ich bin, ich bin hier wie ich bin.
Und von einem Tag auf den nächsten bin ich eine Million verschiedene Persönlichkeiten…
Ich kann mich nicht verändern, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein..."

Von einen Tag auf den anderen jemand anderes sein also. Interessant oder? :)



Was wenn die Parallelen zum Anfang ganz bewusst gewählt wurden, um klar zu machen, dass sie zu Sebastian geworden ist, vielleicht sogar von Anfang an wie er war?
Was wenn sie nur ein Spiel mit ihm gespielt hat und niemals das unschuldige aufrichtige Mädchen war, dass er so gern in ihr sehen wollte?
Was wenn Sebastian am Ende seiner Karriere selbst Opfer einer Persönlichkeit geworden ist, die dasselbe Spiel wie er spielt?

Wenn man sich die zwei Szenen noch mal im Vergleich ansieht, fällt auch auf, dass während Sebastian in die Stadt reinfährt, Annette den gleichen Weg nimmt, allerdings in die entgegengesetzte Richtung, ein relativ krasser Kontrast für zwei Szenen, die sich sonst doch so sehr ähneln.

Vielleicht, und eben nur vielleicht, ist ihr Grinsen am Ende des Films ein siegreiches, weil sie ihr Spiel gespielt und gewonnen hat.

Und meiner Meinung nach würde dass dem Film so viel mehr Tiefe geben, allein durch die Möglichkeit, dass es so sein kann. Es wird nicht klar gesagt, dass sie gut oder böse ist, aber das Grinsen am Ende lässt Raum für Interpretation. Noch einmal: ich sage nicht, dass es so ist, sondern, dass es möglich ist.
Seht euch die Szene nochmal an und fragt euch selbst.

Nun, das Ende vom Lied ist, dass ich ganz anders als Sebastian wegen eben dieser Theorie meine Chancen nicht allein nach Hause zu gehen eher verschlechtere, weil es aus der sehr beliebten Romanze etwas diabolisches macht, was in Frauenkreisen meist nicht gern gehört wird. Da hilft auch die "Komm mit und ich beweise es dir" Masche meist nicht mehr. ;)

Was lernen wir also daraus?
Zum einen, dass nicht immer alles so ist wie es scheint und zum anderen, dass ich vielleicht manchmal doch lieber beim Whyskey bleiben sollte als bei meinen wilden Theorien.


Entsprechend folgt also nicht meine "Patrick Swayze-Dirty-Dirty-Dancing-Theorie". Und die hätte es wirklich in sich!  ;)

Mittwoch, 26. Januar 2011

Ich bin ein Gladiator, mich holt hier keiner mehr raus!!

Wir schreiben das Jahr 2011 nach dem Typen, der dummerweise das Christentum begründete. Ganz Australien ist vermutlich von Australiern besetzt, die nur weil der Kachelmann das Wetter nicht mehr ansagt von etwa 200 Litern "heiter bis wolkig" pro Keller überrascht wurden.





Ganz Australien? Nein! Ein von unbeugsamen B bis F Promis besetzer kleiner Fleck von Erde hört nicht auf, den Abgeneigten bis Angewiderten Menschen dieser Welt gehörig auf den Zeiger zu gehen.

Gleich vorweg werde ich eine Sache völlig klarstellen: ich habe noch nicht eine einzige Minute von "Ich bin ein Star holt mich hier raus" gesehen und dabei wird es trotz dieses Artikels auch bleiben. Warum also trotzdem etwas drüber schreiben? Weil es selbst einem Menschen wie mir, der praktisch kein Fernsehen mehr schaut (aus guten Gründen) unmöglich ist sich dem Marketingwahn diesem Witz von Konzept zu entziehen. Ein entsprechendes Kompliment geht also an die Genies hinter der Werbekampagne: Jungs, besten Dank, dass ihr die Dummheit schön verpackt unters Volk bringt.

Das Grundprinzip der Sendung ist so simpel wie es anscheinend effektiv ist. Man nehme:

Backe, backe Kuchen...dieses Rezept versetzt ganz Deutschland in einen Rausch!
1. Mehr oder weniger prominente Persönlichkeiten, darunter:
a) Ein Boxenluder, das es für 50 cent vermutlich mit dem ganzen Camp inklusive Drehteam treiben würde
b) Einen Öko, der am besten seit Ewigkeiten nicht mehr duscht und ind em Camp seine erste längere Bleibe seit Jahren sieht
c) Einen "Casting-Star", am besten direkt bei Dieter oder Heidi für nen Fuffi abgezwackt, in der Erwartung, dass er oder sie ständig heult, sich ekelt oder Streit schlichtet zwischen dem Öko und...
d) Einem Arschloch, vorzugsweise einen ehemaligen Big Brother Bewohner oder einen Ex Sträfling, der alle ständig beschimpft und nach der ganzen Sache seine nicht selbst gesungene Single veröffentlicht Marke "Du bist mei Stern Alde". Klasse wäre auch, wenn jemand, wie damals sehr wohl geschehen, einfach noch vor der Sendung den Adler (sprich Hitlergruß) macht und dazu die erste Strophe der Nationalhymne singt, das bringt Quoten, solange man moralisch so flexibel wie Plexiglas ist sind und wenn es zuviel Ärger gibt schmeißt man denjenigen einfach raus, das gibt auch wieder eine gute Quote

2. Den nackten Kampf ums Überleben...
Welcher in einer von Sicherheitspersonal abgeschirmten und gesicherten ehemaligen Farm voller Kameras, künstlichem Dschungel und Elektrokabeln stattfindet.
Ich warte ja ernsthaft auf das erste youtube Video wo ein Tourist von Kongo-Kannibalen gefangen genommen wird und noch im Topf schreit: Ich bin ein Star holt mich hier raus!

3. Ein Moderationsteam, dass durch glohrreiche Sendungen wie "Der schwächste fliegt" oder "Die Pro Sieben Märchenstunde" Meilensteine des deutschen Fernsehens entworfen haben. Diese Sendung ist somit nur ein weiterer Stern am glohrreichen Himmel der Vernunft und Schauspielgilde.

Das simple Konstrukt, dass ich da eben ohne zu wissen wer überhaupt je in diesem Camp war aufgestellt habe, funktioniert in leichter Abwandlung für sämtlichen Casting-Dreck der privaten Sender. Jede dieser Sendung fängt die plumpe Sensationsgier der Menschen durch Bloßstellung und Demütigung anderer. Gut zu wissen dass der gute alte Pranger, an dem man im Mittelalter Diebe und ähnliches Gesindel öffentlich demütigte und mit faulem Gemüse bewarf seinen Weg in die ach so morderne fortschritliche Welt gefunden hat.
William Pyne - The Costume of great Britain (1805)


Ist das wirklich sehenswert? Ist das eine geistreiche Sendungen, die es rechtfertigt 50 Prozent der gesamten Einschaltquote zu erhalten? Ist dies wirklich das Sinnvollste was uns einfällt mit einem Medium zu veranstalten, dass weltweit umspannend ist und soviel mehr sein könnte als Unterhaltung auf dem Niveau eines 2-jährigem.

Decimus Iunius Iuvenalis, seinerseits ein römischer Satirendichter des 1. und 2. Jahrhunderts sagte einmal über die Gladiatorenkämpfe:

 „Munera nunc edunt et, verso pollice vulgus cum iubet, occidunt populariter“
„Nun geben sie Gladiatorenkämpfe und, wie der Pöbel es mit gedrehtem Daumen verlangt, töten sie volkstümlich.“
Pollice Verso von Jean-Léon Gérôme 1872

Mit dem kleinen Unterschied, dass das Töten heutzutage nicht mehr gesellschaftlich so akzeptiert ist (ist vermutlich auch leider nur eine Frage der Zeit), wie im alten Rom und die Römer wenigstens raus ins Colosseum mussten und nicht wie wir auf der Couch gammelten, sind wir nicht viel weiter als dieses uralte Grundprinzip, das ebenfalls von Juvenal stammt:

„Panem et circenses"
„Brot und Spiele"

Juvenal kritisierte in der damaligen Zeit, dass das römische Volk trotz einer gut funktionierenden Republik seine Macht an Feldherren und Beamte abgegeben habe und nun machtlos und entkräftet nur noch nach eben diesen dürstet. Die Kaiser wussten sehr wohl die Macht solcher Massenunterhaltungen. Kaiser Trajan sagte einmal:

„populum Romanum duabus praecipue rebus, annona et spectaculis, teneri"

„dass das römische Volk insbesondere durch zwei Dinge, Getreide und Schauspiele, sich im Bann halten lasse"
Heutzutage ist das nicht anders. Mit dem Unterschied, dass Brot als Sinnbild für Nahrung zumindest in den Industrieländern kein Problem darstellt. Also bleibt nur noch das Schauspiel um den "plebs" dumm und ruhig zu halten. Und hier haben wir das beste Beispiel, dass genau diese Rechnung aufgeht.

Dieses ganze Konstrukt beweist einmal mehr wie sehr die Intendanten verschiedener Sender ihre Macht rein von der Quote abhängig machen, eine Frage nach dem "Sollte man das machen" oder "ist das moralisch vertretbar" würde für Mitarbeiter in einigen Sendungen vermutlich dasselbe bewirken wie die sinnbildhafte Formel "Ich bin ein Star holt mich hier raus: Man wird rausgeschmissen.  

Es läuft etwas falsch in der Medienbranche wenn das Verhältnis zwischen Information und Unterhaltungswert so schräg liegt, dass mir ein Jugendlicher den kompletten Cast von DSDS und dem Dschungelcamp aufsagen kann, bei der Frage nach dem "Gorch-Fock Skandal" (dazu vielleicht ein andermal mehr) verschämt grinst und fragt "wer denn mit wem was hatte".


Es gibt so viele falsche Dinge die in der Welt geschehen und wenn man sich nur mit einigen wenigen mal selbstständig beschäftigt und sich eben nicht mit dem zufrieden gibt, was einem aufbereitet wird, so erkennt man schnell, dass Fernsehen durchaus mehr beibringen kann, als zu sehen wie die Gladiatoren unter den Promis Kakerlaken verspeisen.

Die Gladiatoren hatten übrigens damals im Gegensatz zu den Promis keine Wahl, sie waren Sklaven.
Mit jedem gewonnen Kampf wuchs ihre Beliebtheit, womit also ein erfahrener Gladiator mit hoher Anhängerschaft (Quote) deutlich bessere Chancen hatte vom Publikum (Zuschauern) oder Spieleveranstalter (Cäsar/Dirk Bach) begnadigt (oder weiter entwürdigt) zu werden. Das Überleben eines erfahrenen (hemmungslosen) Kämpfers (Campbewohners) lag durchaus im Interesse des Publikums (Zuschauers), denn so waren weitere spannende Kämpfe (Staffel 1-5) auch für die Zukunft gesichert.

Es ist immer gut, mit einem starken Zitat zu schließen, also zitiere ich hier einen Kritiker, der ähnlich wie ich seinen Missmut über das Fernsehen zum Ausdruck bringen wollte. Die wohlgemerkt etwas gekürzte Rede ist von Marcel Reich-Ranicki, als er ürsprunglich den deutschen Fernsehpreis entgegen nehmen sollte:

Marcel Reich-Ranicki

„Heute bin ich in einer ganz schlimmen Situation. Ich muss auf den Preis, den ich erhalten habe, irgendwie reagieren. Der Intendant Schächter sagte mir: „Bitte, bitte, bitte nicht zu hart! Ja, in der Tat. Ich möchte niemanden kränken. Niemanden beleidigen oder verletzen. Nein, das möchte ich nicht. Aber ich möchte auch ganz offen sagen: Ich nehme diesen Preis nicht an.




Ich hätte das werden Sie irgendwie denken und sagen früher erklären sollen. Natürlich! Aber ich habe nicht gewusst, was hier auf mich wartet. Was ich hier erleben werde. Ich gehöre nicht in diese Reihe der heute vielleicht sehr zu Recht Preisgekrönten.



Wäre der Preis mit Geld verbunden, hätte ich das Geld zurückgegeben. Aber er ist ja nicht mit Geld verbunden, ich kann nur den Gegenstand (...) von mir werfen. Ich kann das nicht annehmen. (...) Nein, ich will Ihnen jetzt nicht sagen, ich will Bücher hören von Goethe oder Bertolt Brecht. Man kann im Arte-Programm manchmal sehr viele schöne und witzige Sachen sehen.
Ich habe auch früher wichtige Sendungen im 3sat-Programm gesehen. Aber das hat sich jetzt geändert. Meist kommen da schwache Sachen – aber nicht der Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben. Ich will nicht weiter darüber reden.... „

Ich auch nicht mehr!