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Sonntag, 3. März 2013

Review: Super Columbine Massacre RPG

20.April 1999 Columbine High School, Denver Littleton

Eric Harris und Dylan Klebold
Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17) betreten um 11:18 Uhr, bewaffnet mit Pumpguns, halbautomatischen Feuerwaffen und Rohrbomben ihre Schule und töten 13 Menschen, verletzen 24 und richten sich anschließend selbst hin.
Der Tag wird allgemein als Columbine Massaker jedem Menschen ein Begriff werden.

Debatten werden (wie nach jeder dieser Taten) losgetreten. Hier soll es satanische Musik von Slipknot und Marilyn Manson gewesen sein, die die beiden animierte in ihrer Schule ein Blutbad anzurichten.


Nach diversen anderen Amokläufen (darunter der von Robert S. am 26.April 2002 am Gutenberg Gymnasium) ist ein neuer Schuldiger gefunden, die Computerspiele sind jetzt nämlich an allem Schuld, Counterstrike ist der neue Übeltäter und die Presse lässt einen Shitstorm an (absichtlich) falsch recherchierten Behauptungen auf die PC Spieler herabregnen und prägt den Begriff Killerspiel.


Ein simpler und ebenso verblüffender Fakt, nämlich dass jeder einzelne der Amokläufer einfachen Zugang zu ausreichend Waffen und Munition hatte und ohne größere Probleme ebenjene an sich bringen konnte, war verblüffenderweise selten bis nie Thema der Diskussion geworden.
Auch der Fakt, dass all die begeisterten Risikospieler bis heute eher selten zu strategischen Weltkriegen aufrufen bleibt einer sinnhaften Erörterung der Ursachen erspart.

Doch ich will hier nicht auf Lösungsansätze und tiefere Ursachenforschung eingehen, dass wurde in anderer Art und Weise umfassend und sicherlich versierter bereits betrieben.

Ich will mich mit diesem Artikel mit einer extrem kontroversen Herangehendsweise an das Thema Amoklauf beschäftigen, die auf den ersten Blick einfach nur provozierend und grotesk wird, dem detaillierten Betrachter aber interessante Informationen offenbart. Die Entscheidung, ob dies vertretbar ist muss jeder für sich selbst entscheiden, Kunst spielt sich schließlich auch im Kopf des einzelnen Betrachters ab.

Die Rede ist vom:

Titelbild des Spiels und zugleich die Videoaufzeichnung des Amoklaufs

Das Super Columbine Massacre RPG (kurz SCMRPG) ist ein 2005 von Daniel Ledonne erschaffenes Rollenspiel, dass ebenjenen Amoklauf thematisiert und den Spieler in die Rollen von Eric Harris und Dylan Klebold versetzt. Über 80 Prozent, der Dialoge, die im Spiel verwendet werden sind original Zitate der beiden aus deren "Basement Tapes", Tagebüchern und PC Einträgen.
 (Der gesetzte Link verweist auf eine Seite, die tiefe Einblicke in die Hintergründe der beiden zulässt, man findet hier Tagebucheinträge, Skripte der Videoaufnahmen, Schulessays und noch vieles mehr)

Bevor man hier ins Detail geht, ist eigentlich jetzt schon klar, warum das Spiel eine hitzige Diskussion auslöste. Denn auf den ersten Blick handelt es sich hier um das Werk eines Menschen, der die pure Provokation sucht und sich wenig Gedanken um die Umstände und Konsequenzen eines solchen Spieles macht.
Doch mit einer solchen Argumentation macht man es sich zu einfach, SCMRPG ist kein Meilenstein, keine revolutionäre Aufarbeitung und mit Sicherheit ein kontrovers zu diskutierender Ansatz, es bleibt aber dennoch ein interessanter, wie sich im Verlauf zeigen wird.
Wichtig ist vielleicht noch zu erwähnen, dass das Spiel nie kommerziell vermarktet wurde, es war ein Projekt für das Slamdance Film Festival 2007, kurz vor dem Wettbewerb wurde Ledonne die Teilnahme allerdings verweigert, 6, der 14 Teilnehmer zogen daraufhin aus Protest ihre Inhalte ebenfalls zurück.
Doch nun zum eigentlichen Spiel

Es beginnt mit einem Zitat:

 Zu deutsch und vervollständigt:

André Breton
 "Die einfachste surrealistische Handlung besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße zu gehen und blindlings soviel wie möglich in die Menge zu schießen. wer nicht wenigstens einmal im Leben Lust gehabt hat, auf diese Weise mit dem derzeit bestehenden elenden Prinzip der Erniedrigung und Verdummung aufzuräumen, der gehört eindeutig selbst in diese Menge und hat den Wanst ständig in Schußhöhe."

Auf den ersten Blick ein plumpes Zitat, dass zugleich provokanter nicht sein könnte, weil es im Kern beschreibt, was uns erwartet, denn nichts anderes haben Harris und Klebold gemacht, wahrlos Menschen erschossen.
Doch geht man ins Detail und schlägt nach, wer André Breton eigentlich war, so wird man schnell herausfinden, dass er einer der bedeutendsten Theoretiker des Surrealismus war.

„Im Jahre 1919 hatte sich mein Augenmerk auf die mehr oder weniger unvollständigen Sätze gerichtet, die bei völliger Einsamkeit und herannahendem Schlaf dem Geist wahrnehmbar werden, ohne dass es möglich wäre, eine vorherige Bestimmung in ihnen zu entdecken.“

Surrealismus bezeichnet allgemein betrachtet Dinge, die uns "surreal", also "über dem Realismus" erscheinen, traumhaft im Sinne von unwirklich.

Somit wird schnell klar, dass das Zitat nicht treffender sein könnte, denn wie wir im Verlauf sehen werden wirkt nicht nur der Amoklauf selbst und seine zugrundeliegenden Ursachen surreal auf uns als Betrachter, auch das Weltbild und die Ambitionen von Harris und Klebold ist ebenso unwirklich. Der Surrealismus ist der rote Faden, der sich durch die gesamte Thematik und auch das Spiel selber zieht.


 "It's a weird feeling knowing you're going to be dead in two and a half weeks." Eric Harris


"About 26.5 hours from now the judgement will begin. Difficult but not impossible, necessary, nervewracking & fun. What fun is life without a little death? It's interesting, when i'm in my human form, knowing i'm going to die. Everything has a touch of triviality to it."  Dylan Klebold
 


Das Spiel beginnt in Eric Harris Zimmer, es ist der Morgen des 20.Aprils 1999, der Tag des Amoklaufs. Harris findet neben seinem Bett eine Packung Luvox, ein Antidepressivum, welches mit der Grund war, warum er nicht bei den Marines angenommen wurde und macht gleich klar, dass die Leben der beiden Protagonisten alles andere als geregelt abliefen.
Er telefoniert mit Klebold und beide treffen sich im Keller von Harris, hier liegt auf dem Schrank auch eine Marilyn Manson CD:


Hier spielt Ledonne auf die nach dem Amoklauf begonnene Diskussion an, Manson´s Musik wäre der Auslöser, was Harris zumindest im Spiel auch erwartet:


"There is nothing you guys could have done to prevent any of this. There is nothing that anyone could have done to prevent this. No one is to blame except me and Vodka. Our actions are a two man war against everyone else." Eric Harris

Marilyn Manson selber sagte aus Respekt vor den Opfern und aufgrund von Protesten 5 seiner Konzerte ab, vielerorts machten sich Protestgruppen mobil, die Manson als das personifizierte Böse darstellten und ihm gerne die Schuld für all das in die Schuhe schieben wollten.
Manson selber dazu:



Bild von Georges Biard
"What would you say to the Kids of columbine, if they were here right now...?"
"I wouldn´t say a single word, I would listen to what they had to say and that´s what no one did" Marilyn Manson

"Man's greatest fear is chaos. It was unthinkable that these kids did not have a simple black-and-white reason for their actions. And so a scapegoat was needed. I remember hearing the initial reports from Littleton, that Harris and Klebold were wearing makeup and were dressed like Marilyn Manson, whom they obviously must worship, since they were dressed in black. Of course, speculation snowballed into making me the poster boy for everything that is bad in the world. These two idiots weren't wearing makeup, and they weren't dressed like me or like goths. Since Middle America has not heard of the music they did listen to (KMFDM and Rammstein, among others), the media picked something they thought was similar."  Marilyn Manson

 Nach einigen Vorbereitungen begeben sich Harris und Klebold zu dem Fernseher und der Videokamera im Keller um eine letzte Aufnahme, etwa eine halbe Stunde vor dem Amoklauf zumachen.


Sie werden auch ganz konkret, was ihre Beziehung zu bestimmten Klassenkameraden angeht


Dylan: "I don't like you, Rachel and Jen, you're stuck up little bitches, you're fucking little.. Christian, Godly little whores!" Eric: "Yeah.. 'I love Jesus! I love Jesus!' -- shut the fuck up!" Dylan: "What would Jesus do? What the fuck would I do..?" (he acts like he's shooting the camera with his hand, with sound to accompany it) Eric: "I would shoot you in the motherfucking head! Go Romans! Thank God they crucified that asshole."




Wieder bestimmt Surrealismus die dargestellte Szene, den zum einen entschuldigt sich Harris bei seinen Eltern für die Dinge, die er an diesem Tag noch tun wird, zugleich äußern die beiden unmissverständlich ihr Ziel:


  
 Nochmal: Beide hier gezeigten Aussagen sind Original Zitate der beiden und keine Erfindung des Spiels.

Es geht gar nicht anders, als diese absoluten Wiedersprüche der Liebe zu den eigenen Eltern und der Gleichgültigkeit gegenüber den Mitschülern als unwirklich zu beschreiben. Das Anfangszitat gibt weiter den roten Faden.

Nach den Aufnahmen begeben sich die beiden zur Schule. Ab hier funktioniert das Spiel wie ein altbekanntes Rollenspiel, allein dieser Fakt, dass das Massaker selber wie ein simples Rundenstrategiespiel abläuft ist wiederum mehr als surreal, die fast niedliche Grafik tut ihr übriges um das alles unwirklich erscheinen zu lassen.

Auf dem Weg durch die Schule findet man bestimmte Klassenräume, in denen die zwei in Rückblenden verfallen. Im Filmraum der Schule erinnern sie sich an den Film Apokalypse Now und Marlon Brando´s Monolog am Ende des Films wird gezeigt.


Apokalypse Now ist, als Erklärung für die Nichtkenner dieses Meisterwerks, ein Antikriegsfilm, der die Grausamkeit und Sinnhaftigkeit des Vietnamkrieges anprangert. Allerdings geschehen in dem Film selber ständig Dinge, die man wieder nur als surreal beschreiben kann. Marlon Brando spielt hier den abtrünnigen Colonel Walter E. Kurtz, der sich mitten im Dschungel des Nachbarlandes Kambodscha seine eigene kleine Welt aufgebaut hat. Kurtz selber ist am Krieg zerbrochen und der geführte Monolog zeigt dies auch eindrucksvoll:


I've seen horrors... horrors that you've seen. But you have no right to call me a murderer. 
You have a right to kill me. You have a right to do that... but you have no right to judge me. 

It's impossible for words to describe what is necessary to those who do not know what horror means. Horror... Horror has a face... and you must make a friend of horror. Horror and moral terror are your friends. If they are not, then they are enemies to be feared. They are truly enemies! 
 [...]
I... I... I cried, I wept like some grandmother. I wanted to tear my teeth out; I didn't know what I wanted to do! And I want to remember it. I never want to forget it... I never want to forget. 
And then I realized... like I was shot... like I was shot with a diamond... a diamond bullet right through my forehead. And I thought, my God... the genius of that! The genius! The will to do that! Perfect, genuine, complete, crystalline, pure. 
[...]
 You have to have men who are moral... and at the same time who are able to utilize their primordial instincts to kill without feeling... without passion... without judgment... without judgment! Because it's judgment that defeats us. 



Ein sehr passendes Zitat, sind die zwei Jungs, die an diesem Tag ihr Leben auf so schreckliche und grundlegende Art verändern ähnlich abgekapselt von ihrer Außenwelt wie Colonel Kurtz.

Nachem sich die zwei in der Bibliothek verschanzt haben und ihnen klar wird, dass ihre Situation auswegslos ist, begehen sie Selbstmord, ebenjener geschieht im Off und wird nicht gezeigt.

Das Spiel führt sich hiernach noch fort, jedoch ist der weitere Fortlauf nicht erwähnenswert, er ist weder tiefgründig noch für diese Abhandlung hier interessant.

Was für einen Schluß kann man also aus all dem ziehen?

Ich für mich selber muss gestehen, dass mich das Spiel nicht unterhalten hat, eben das ist aber nicht schlimm, da ich das weder erwartet habe, noch für richtig halte.
Jedoch hat es mich zum nachdenken gebracht, dazu Zitate nachzuschlagen, dazu mich näher mit Kleybold und Harris zu beschäftigen.

Trotz allem bleibt weiterhin die berechtigte Frage im Raum, ob man sowas darf, ob sowas sein muss und inwieweit man einen solchen Ansatz als Kunst ansehen darf.

Meiner Meinung nach sind kontroverse Themen wie Tragödien schon immer thematisiert worden, man zähle nur allein all die Kriegsfilme, den Untergang der Titanic, die Angriffe auf das World Trade Center oder die Ermordung von Osama bin Laden, zu all diesen Themen gibt es Kinoformate, mit denen gutes Geld verdient wurde.
Abgesehem vom finanziellen Aspekt macht hier das Super Columbine Massacre RPG nichts anders, außer, dass hiermit kein Geld verdient wurde.

Was ist aber mit der Tatsache, dass wir als Spieler die Rolle der 2 Jungs übernehmen, die für all das verantwortlich waren? 

Sicherlich gäbe es andere und auch bessere Möglichkeiten sich dem Thema zu nähren, verwerflich ist die Herangehensweise dennoch nicht.

Brachte uns Der Untergang von Oliver Hirschbiegel Hitler auch nicht näher als manch einem von uns lieb war? Oft laß man hierzu in der Presse der Film zeigte Hitler als Mensch und nicht als Monster, für viele ein Anstoß der Kritik.

Seine Taten waren monströs, keine Frage, doch im Kern war er ein Mensch.

Oft wird nach Tragödien eines gewissen Ausmaßes ein Mensch, der ebenjene verursachte sprichwörtlich "verteufelt" oder als "Monster" bezeichnet, dabei lenkt diese Terminierung doch von der essentiellen Tatsache ab, dass Menschen für diese Taten verantwortlich waren. 

Wieder sind wir beim Thema Surrealismus, wir sind überwältigt von der Schrecklichkeit bestimmter Taten und legen unsere Wortwahl oft ganz unbewusst in den Bereich der surrealen Beschreibung.

"Unfassbar"
"Nicht in Worte zu fassen"
"Unglaublich"
"Nicht zu begreifen"
"Unmöglich"

Schlussendlich bleibt der Ansatz vom Erschaffer Daniel Ledonne kritisch zu diskutieren.
Sicherlich kann man auch zu viel Tiefsinnigkeit in das Spiel hereininterpretieren, was ich hier vielleicht unterbewusst gemacht habe.
Sicherlich gibt es auch viele Menschen, die eine derartige Thematisierung eines Amoklaufs kategorisch ablehnen, die Gründe hierfür mögen sich unterscheiden, sie spielen aber keine Rolle, denn es ist jedermanns gutes Recht sich sein eigenes Bild hierüber zu machen.

Sicherlich hätte man das auch alles anders angehen, darstellen und präsentieren können und hiermit schließe ich auch mit einem abschließendem Zitat aus dem Spiel, dass genau das alles passend zusammenfasst:



Donnerstag, 14. Februar 2013

Der atomare Schauer

Wir stehen heute an dem höchst enwtickelten Punkt der Menschheit, diese Schlußfolgerung ist so simpel, wie sie treffend ist.

Mit jedem Jahrzehnt schreiten wir schnelle Schritte voran in die Zukunft und trotzem dem Fakt, das die bisherige Existenz der Menschheit zeitlich gesehen nichig ist.
Wir entwicklen uns schneller als jedes der uns bekannten Lebewesen jemals zuvor, dafür sollte uns jemand einen gottverdammten (imaginären) Orden umhängen.

Wir erfinden globale Kommunikationsmechanismen, entdeckten, forschten, entwickelten, wuchsen digital zusammen, errichteten Staatsformen, medizinische Versorgung, politische und soziale Netzwerke und schaffen es jeden Spätnachmittag wieder unsere TV Sender mit Inhalt zu füllen, der uns die Langeweile des Wohlstands ein wenig weniger langweilig erscheinen lässt!


Und mit jedem dieser Schritte, die uns einander näher brachten, unseren Standpunkt in der Kette der Evolution festigten, verloren wir immer mehr den Bezug zu der einfachsten aller Antworten nach der großen Frage nach dem Warum:


Dem darwinistischen Sein

Die Evolution und Darwins Erkenntnisse darüber lehrten uns (Kreationisten überspringen besser die folgenden Zeilen), dass das essentiellste der Evolution das Überleben des am besten Angepassten, "survival of the fittest" ist.
Wenn wir all unsere Taten und Bestrebungen als Individuum runterrechnen, enden wir immer genau da: Bei dem Fortbestand des Seins und der eigenen Art. Selbst die emotionalsten Verhaltensmuster von uns lassen sich schlußendlich auf genau das zurückrechnen.

Gleichzeitig ist es doch erstaunlich, wie gut die Menschheit es verstanden hat ihre eigene Ausrottung zu perfektionieren, es reicht nicht, sich auf die offensichtliche Selbstzerstörung in Form von Umweltverschmutzung und Klimawandel zu beschränken, man perfektioniert nebenher auch noch den militärischen Suizid, die Rede ist von Atom-/Wasserstoffbomben, Sandburgen kaputt machen für Erwachsene!

Nie zuvor in der Geschichte gab es eine ähnlich mächtige Waffe, die allein durch ihre bloße Existenz Angst und Schrecken verbreitete, der kalte Krieg diente in der Hinsicht als anschauliches Beispiel.
Über 20.000 nukleare Sprengköpfe existieren im Jahr 2011 weltweit.
14.000 dieser Waffen sind militärisch operational und damit unmittelbar verfügbar.


Die stärkste dieser Waffen, die jemals gezündet wurde, war die sogenannte Zar-Bombe, die am 30 Oktober 1961 von der Sowjetunion in 4000 Metern Höhe getestet wurde. Die Druckwelle dieser Bombe umrundete zweimal spürbar unseren Erdglobus, dreimal messbar, der Atompilz gewann eine Höhe von etwa 64 Kilometern. Um diese unglaubliche Zerstörungskraft greifbar zu machen sei hier in Bildform dargestellt, was meiner Heimatstadt Köln wiederfahren würde, der ewige Klüngel mit Düsseldorf würde hiernach ganz offensichtlich keine Rolle mehr spielen.

Nukemap ist eine großartige App von Alex Wellerstein

Man braucht kein Statistiker zu sein, um sich ausrechnen zu können wie hoch die Chancen liegen, dass von diesen über 20.000 Atomsprengköpfen niemals wieder einer abgefeuert wird.

Die Angst vor dieser Gefahr macht Befürworter wie Gegner blind für die Realität.
Wir fürchten die Vorstöße des Irans zur eigenen Atombombe und lesen davon täglich in der Zeitung, erst kürzlich kündige Nordkorea neue Atomwaffentests an.
Gleichzeitig scheint es aber niemanden zu stören, dass 11.000 Sprengköpfe in Russland oder 8.500 in Amerika in der Hand von Präsidenten liegen, die im Schnitt alle 6 (Russland) beziehungsweise 4 (Amerika) Jahre das Amt wechseln und darüber hinaus auch bereits reichlich Gebrauch von ihrem Arsenal gemacht haben, militärisch und zu testzwecken. Jeder von uns muss sich jetzt selbst fragen, wieviele Spinner es auf der Welt gibt und wieviele dieser Spinner Spinner wählen.

Atomtest auf dem Bikini Atoll
Wir fürchten Mahmud Ahmadinedschad, als gefährlichen Fanatisten, dem niemand eine solche Macht anvertrauen möchte und sollte, doch wir verschließen uns davor zu hinterfragen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist das Patriotismus in einem Land wie Amerika, in dem Präsidenten viel zu häufig das Wort "God" in ihre Argumentationen einbauen, auch in Fanatismus umschlägt, der schmale Grat ist in diesem Fall leider nicht nur ein Filmtitel.

Eine Lösung des status quo der Atomfronten scheint in weiter Ferne zu liegen, unmöglich bis nicht durchführbar wirkt eine komplette Abrüstung aller Länder, zu groß die Wahrscheinlichkeit der Machtgier Einzelner, zu groß der fast lächerliche Gedanke, Atomwaffen müssen in den Händen der "Guten" bleiben, sonst hätten die "Bösen" ja den Freifahrtsschein für Angst, Terror und Schrecken:

Hollywood makes you see things, whhich aren´t there!

Hat der kalte Krieg nicht einfach nur die Fronten gewechselt und durch einen wärmenden Mantel in Form von medialer Zusülzung nur an Kälte verloren, nicht jedoch an Aktualität?
Hat nicht jeder von uns bei erneuten Atomwaffentests in einem x-beliebigem Land das Gefühl, dass alle anderen Atommächte den Finger zitternd über dem eigenen roten Knopf halten, wie kleine Kinder, denen man das Spielzeug nehmen will?

Reichen uns nicht Tschernobyl, Hiroshima, Fukushima oder ein nicht mehr zu erkennendes Bikini Atoll um zu erkennen, das kein Konflikt es auch nur im Entferntesten wert wäre ähnliches erneut bewusst zu provozieren? Welcher Mensch wäre bereit reinen Gewissens den metaphorischen roten Knopf zu drücken?

Wissen ist Macht, doch braucht es auch einen Kopf um diese Macht sinnvoll einzusetzen.
In diesen Zeiten frage ich mich allerdings, ob die Legende um den Freibeuter Klaus Störtebeker, der nach seiner Enthauptung noch an 11 Kameraden vorbeigelaufen sein soll um diese vor dem Tod zu bewahren, nicht doch einfach nur eine treffende Metapher für den jetzigen Kurs der Menschheit war.



Montag, 30. Juli 2012

Diese Disco ist in ihrem Land leider nicht mehr verfügbar!


Diesen Bildschirm hat wohl jeder von uns, der in Deutschland lebt, mehr als genug gesehen und mittlerweile ist die dahinter stehende Diskussion fast schon zum Politikum geworden.

Doch worum genau geht es eigentlich? Fassen wir kurz einmal zusammen wie alles begann:

Bis Ende 2009 bestand ein Vertrag zwischen youtube und der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) der für beide Seiten akzeptabel war. Genauere Details zu den Vergütungen sind schwer zu bekommen, aber man darf davon ausgehen, dass das Vergütungssystem sich mit dem anderer Länder deckt.
Da die neuen Tarifverhandlungen kein Ergebnis lieferten beschloss die GEMA im Mai 2010 mit 7 weiteren Musikautorengesellschaften Klage einzureichen und symbolträchtig 12 Musikwerke sperren zu lassen.
Viele deutsche Musikfans erlebten nun die Welle der schwarzen Bildschirme, youtube begann nämlich GEMA Stücke präventiv zu sperren um weiteren Klagen vorzubeugen. Unmut kam auf, war es doch in Frankreich und Großbritannien mit der SACEM und PRS, beides auch Verwertungsgesellschaften, möglich sich zu einigen und zwar im selben Jahr.


Die GEMA selber stellt sich hier als Unschuldslamm dar, mit Sätzen, die für die User nur schwer nachvollziehbar sind.

"Dass YouTube bei gesperrten Videos nun einblendet, die GEMA hätte die Rechte nicht eingeräumt, stimmt so nicht: Fakt ist, dass YouTube diese Rechte bislang einfach nicht erworben hat." (Quelle)

Das diese zwei Aussagen denselben Kern treffen ist schon betreffend für die Stagnierung der Verhandlungen, war es doch die GEMA, die rechtliche Schritte einleitete als die Verhandlungen zu keinem Ergebnis führten.
Doch darf man hier noch nicht einmal Kritik üben, es ist schließlich das gute Recht der Gesellschaft juristische Mittel bei einer vermeintlichen Urheberrechtsverletzung einzulegen. Doch warum klappt es in unseren unmittelbaren Nachbarländern und nicht bei uns. 
Schauen wir uns das mal an:

Frankreich
In Frankreich einigten sich die SACEM und der Google-Tochterkonzern auf ein Pauschalvergütungssystem, welches vorsieht einen jährlichen Festbetrag an die Gesellschaft zu zahlen, die Möglichkeit der Gesellschaft Werbung zu schalten und damit zusätzlich Einnahmen zu machen wurde ebenfalls vertraglich festgehalten.
Wenn man sich vor Augen führt, dass youtube eine Plattform ist, die jeder umsonst und sooft wie möglich nutzen kann macht diese Art des Vertrages Sinn, schließlich kann youtube nicht gewährleisten, dass bestimmte Gruppierungen sonst durch sogenannte Bots, also computergesteuerte Zugriffe, die Aufrufzahlen künstlich in die Höhe treiben.

Doch auch hier hat die GEMA in Form eines recht einseitig geschriebenen Artikels eine Erklärung parat, warum dies indiskutabel für deutsche Verhältnisse ist:

"Da die GEMA das eingenommene Geld nach einem festen Verteilungsschlüssel an ihre Mitglieder
ausschüttet, benötigt sie präzise Nutzungsmeldungen darüber, welche Inhalte
innerhalb des YouTube-Angebots wie oft angeklickt wurden. Nur mit einer solchen
Statistik ist sichergestellt, dass die bei jedem Abruf anfallende Vergütung
an die berechtigten Urheber ausgeschüttet werden kann."
(Quelle)

Übersetzt heißt dieses Zitat also nichts anderes, als dass der Abrechnungsschlüssel der GEMA eine Vergütung pro Zugriff vorsieht und man offensichtlich nicht bereit ist, diesen Schlüssel im Zuge einer immer mehr digitalisierten Gesellschaft zu verändern und modernen Verhältnissen anzupassen.

Großbritannien
Auch in Großbritannien gab es Neuverhandlungen und auch hier sperrte youtube initial viele Videos, aus Sicht der GEMA um die Gemüter anzuheizen, aus Sicht von youtube sicherlich um vielleicht rechtlichen Schritten vorzubeugen.
Eine Einigung wurde erzielt, nachdem sich auch Verbände wie die Featured Artists Coalition (FAC), the British Academy of Songwriters, Composers and Authors (Basca) eingeschaltet hatten und für die User und die Musik plädierten.
Auch hier beschreibt der Artikel der GEMA die Verhandlungen auf seine ganz eigene Art und Weise

"Angesichts der aufgeführten Beispielrechnung ist die Frage nicht ganz
abwegig, ob PRS unter dem Druck von YouTube eingeknickt ist und einen Vertrag
zu suboptimalen Bedingungen ausgehandelt hat. Beantworten muss sich
diese Frage letztlich jeder selbst."
(Quelle)

Hierzu ein direktes Gegenzitat von Andrew Shaw, der managing director von PRS

"We hope it is the first of many deals with other services so that music can get out there in whatever way people want to listen to it, while making sure our members get paid" 

Über die Inhalte der Verträge macht es wenig Sinn zu diskutieren, sind sie doch geheim und eine Grundsatzdiskussion auf spekulativer Basis ist mehr als fragwürdig, Fakt ist, dass es in beiden Ländern zu Einigungen kam, die auch die Nutzer mit berücksichtigten.

Doch beschäftigen wir uns einmal mit dem, zumindest aus ökonomischer Sicht, viel interessanteren Teil, den Umsatzzahlen der GEMA, seit Jahren hört man schließlich, dass Raubkopien und digitale Streamingservices, wie es youtube indirekt ist, dem Künstler das Geld aus der Tasche ziehen und die Arbeitsgrundlage nehmen:

Umsatzzahlen der GEMA
(Quelle)

Was sehen wir hier also?
(Diese Zahlen beziehen sich wohlgemerkt auf die Geschäftsberichte der GEMA selber)

Die erste Zeile zeigt die Gesamtjährlichen Erträge der GEMA auf, auch dem nicht-Statistiker wird hier auffallen, dass die Erträge zwar nicht kontinuierlich aber dennoch steigend sind.
Der Anstieg der Erträge 2006 ist recht schnell einleuchtend, wenn man berücksichtigt, dass in diesem Jahr die Fussball WM im eigenen Land war!

Für das Jahr 2011 verzeichnete die GEMA einen Ertrag von 825.4 Millionen Euro und nennt als Hauptgrund für den Rückgang um 4,3%

"hauptsächlich auf die rückläufige Marktentwicklung für den Verkauf
von Tonträgern (Rückgang im Bereich Vervielfältigung:
T€ 34.782)
" (siehe Geschäftsbericht 2011)

Im Bereich "Online" konnte die GEMA im Vergleich zum Vorjahr 2010 den Umsatz von 13.3 auf 21.2 Millionen Euro steigern.

Die abschließende Prognose fasst den Bericht recht gut zusammen:

"Für das Geschäftsjahr 2012 erwartet die GEMA eine konstante Ertragsentwicklung bei einem leichten Anstieg der Aufwendungen. Für die Erträge aus dem in- und ausländischen Tonträgerbereich wird auch für das kommende Jahr mit einer Fortsetzung der rückläufigen Marktentwicklung
gerechnet. Kompensiert werden dürfte dieser Ertragsrückgang durch die Entwicklung im Bereich
der Live-Musik sowie einen Anstieg der Online- Erträge."
(Quelle)

Wenn man sich nun noch einmal vor Augen hält, dass youtube im Februar 2005 seinen Betrieb begannt, so wird recht schnell klar, dass sich eine negative Entwicklung in den erwirtschafteten Erträgen nicht wiederspiegeln lässt, der Rücklauf von CD Verkäufen begann schon weit früher und begründet sich durch den massiv gestiegenen Verkauf von digitaler Musik auf diversen Plattformen, was man so ja auch in der Prognose der GEMA für das Jahr 2012 lesen kann.

Die effektive Ausschüttung an die Mitglieder betrug 2011 313.2 Millionen Euro, hält sich also recht konstant seit 2000 mit Schwankungen von etwa plus minus 20 Millionen Euro, trotz steigender Erträge.
Das heißt bei den Künstlern kommt am Ende genausoviel an wie vorher, weder youtube, noch der Cd Rohling oder Konzertmitschnitte haben daran etwas geändert, es fand lediglich eine Änderung der Ausschüttung statt, zugunsten der ordentlichen und zulasten der außerordentlichen Mitglieder.

Mit steigenden Erträgen und stagnierenden Auschüttungen an die Künstler darf sich also jeder selbst ein Bild davon machen in wessen Interesse es ist, möglichst viel Geld aus dem youtube Portal zu quetschen, viele Künstler wie etwa Deichkind oder die Ärzte haben längst begriffen, dass man Fans nicht durch Verbote und Klagen gewinnt sondern durch überzeugende Live Performance und Vertrauen.
So veröffentlichten Die Ärzte parallel zum Albumrelease Musikvideos zu jedem einzelnen Song auf youtube, umsonst und für jeden frei zugänglich, all das änderte nichts daran, dass das Album auf Platz 1 einstieg und sich gut verkaufte.

Abschließen möchte ich diese Betrachtung mit interessanten Geschäftsfakten verschiedener Gemalizensen:



Wussten Sie schon


,dass der Vergütungssatz für Musik bei Bestattungen 15 Euro je Bestattung beträgt?

explizit erwähnt wird, die Einwilligung hierfür rechtzeitig vorher einzuholen
(Bei Todesfällen nicht unbedingt einfach, am besten mit der Patientenverfügung besorgen)

 "für die Übertragung der Musikwiedergabe in weitere Veranstaltungsräume oder auf weitere Veranstaltungsplätze [...]eine besondere Einwilligung erforderlich" ist
-->alles was über die Friedhofsmauer dröhnt braucht eine weitere Lizenz!


,dass die Vergütungssätze für Tanzvereine wie folgt aufgeschlüsselt werden:

Jährliche Pauschalvergütungssätze
 a)Verein mit Tanzgarde bzw. Ballett/Zunft mit Ballett 191,30 €
b)Verein mit Tanzpaar 107,40 €
c)Verein mit Tanzmariechen 107,40 €
d)Verein mit Tanzgarde bzw. Ballett und Tanzpaar 266,10 €
e)Verein mit Tanzpaar und Tanzmariechen 191,30 €
f)Verein mit Tanzgarde und Tanzpaar und Tanzmariechen 342,10 €
g)Verein mit Tanzgarde und Tanzmariechen 266,10 €


, dass auch Urheber, die Interpreten ihrer eigenen Werke sind, sofern sie selbst als Veranstalter auftreten Veranstaltungsgebühren an die GEMA abführen
, dass Filmvorführungen je Videoeinzelkabine jährlich 226,40 Euro kosten?
, dass Erotikfilmvorführungen je Videoeinzelkabine jährlich nur 92,80 Euro kosten?

, dass bei der öffentlichen Nutzung von Unterhaltungs- und Tanzmusik die GEMA grundsätzlich so lange von einer lizenzpflichtigen Verwendung von Stücken aus dem GEMA-Repertoire ausgeht, bis der Nutzer der Musikstücke per ausgefülltem Musikfolgebogen die Nichtmitgliedschaft der Urheber in der GEMA oder die Gemeinfreiheit der Werke belegt. Die GEMA praktiziert damit eine unter dem Stichtwort GEMA-Vermutung rechtlich sanktionierte viel diskutierte Umkehr der Beweislast.

Jetzt schon! :)



Freitag, 23. März 2012

The Status Quo of Nerdiness

Screech: Saved by the bell/California High School
Nerd, der
ist ein Slang-Begriff im Sinne eines Stereotyps, der eine Person beschreibt, die meist intellektuell ist, sozial benachteiligt und unmäßig viel Zeit mit unpopulären, seltsamen sowie technischen oder wissenschaftlichen Themen verbringt, oft bezogen auf  Science Fiction und/oder Fantasy, Computer, Comics oder Sammelkarten.
Nerds werden häufig als unattraktiv, schüchtern und seltsam beschrieben, werden physischen Ansprüchen wie Sport oder körperlichen Auseinandersetzungen meist nicht gerecht und leben zurückgezogen und am liebsten für sich.

Nun soviel zu dem Versuch, einen Stereotyp zu definieren, was, wenn man genau darüber nachdenkt, so gut wie unmöglich ist, da ein Stereotyp nie fest umschrieben ist und darüber hinaus per Definition niemals völlig korrekt ist.





Star Wars: "The return of the living nerds" (doppelte Filmanspielung, wer erkennts? ;) )

Das Nerdtum, der Nerdism oder der Nerdizzle Shizzle  hat in gewisser Weise ein Comeback in der heutigen Popkultur, was gleichermaßen wahr wie falsch ist, doch dazu später mehr.

Ein aktuelles Beispiel dürfte "The Big Bang Theory" darstellen, eine Serie, die sich wie keine andere aktuell laufende dem Dasein einer Gemeinschaft aus Nerds widmet, die jedem in einem gewissen Maße weltfremd erscheinen und denen selber in einem gewissen Maße die Welt fremd scheint.

Garth Algar aus Wayne´s World
Ziemlich parallel zum Beginn dieser Serie hatte man das Gefühl, ein großes "Coming out" der Outsider fände statt.
Auf einmal verkauften die einschlägigen Ladenketten Hornbrillen in einem Maße, wie es seit den frühen 60ern nicht mehr der Fall war.
T-Shirts mit der Aufschrift "Cowabunga" (für die Jungs aus den 90ern), "Han shot first" (für die Jedis unter uns) oder "Bazinga" (für all die Cooper-Jünger) werden auf einmal zu Verkaufsschlagern und auch sonst ist sich niemand zu schade nicht mindestens ein Thema für sich zu beanspruchen, dass in seinen Augen als Aussenseiterheiligtum gilt, es ihn aber trotzdem nicht daran hindert voll und ganz dahinter zu stehen.

Star Wars: A New Nerd?
Wohl kaum, denn das Nerdtum und seine Jünger sind wesentlich älter.


Woher der Begriff Nerd kommt ist weitestgehend unklar. Es gibt mehrere Theorien, wovon ich beispielhaft einige nennen werde:

1. Das Wort Nerd taucht erstmals in dem Gedicht "If I ran the zoo" von Dr. Seuss auf, einen Zusammenhang zur heutigen Bedeutung kann man hier aber nicht finden:


„And then, just to show them, I’ll sail to Ka-Troo
And Bring Back an It-Kutch, a Preep and a Proo,
A Nerkle, a Nerd, and a Seersucker, too!“


2. Mitte der 60er tauchte der Begriff "nurd" an einer wissenschaftlichen Universität in New York auf, laut Mundpropaganda entstand das Wort aus dem vorangegangenen "knurd", was "drunk" rückwärts geschrieben ist und entsprechend auf eine Person hinwies, die lieber über den Lehrbüchern hing, als feiern zu gehen.


3. Das Online Wörterbuch für Etymologie bezieht sich auf das Wort "nert", ein Begriff aus den 40ern, der sich von dem Wort "nut" ableitet und jemanden beschreibt, der dumm oder verrückt ist. Bis heute ist die Redewendung "You´re nuts" sinngemäß erhalten geblieben!


So oder so, begann sich der Begriff nach und nach zu etablieren, Außenseiter gab es schon immer und wird es immer geben, mit dem Wort Nerd fand man das passende Schimpfwort dazu.


Freak Show in Rutland, Vermont, 1941
Einen Unterschied muss man aber hier zu dem Wort "Geek" machen, dass vielen als Synonym zu Nerd bekannt ist, ursprünglich aber eine völlig andere bedeutung hatte.
Das Wort Geek bezeichnete im Amerika des 19. Jahrhunderts Personen die in sogenannten "Sideshows" auftraten.
Sideshows, zu deutsch Schaubuden, waren Attraktionen neben Zirkussen oder Jahrmärkten, die dem Publikum ein gewisses Programm boten. Darunter fielen sogenannte "Freakshows", bei denen Menschen mit Missbildungen oder besonderen Talenten gezeigt wurden, sogenannte Völkerschaun, bei denen Menschen anderer Völker zur Schau gestellt wurden aber auch Varieté-Theater, womit auch klar wird warum Tingel-Tangel Bob im amerikanischen Original der Simpsons Sideshow Bob heißt und oft und umfangreich tanzt und singt.

Der Begriff "Geek" beschreibt zwar also auch Personen mit absonderlichen Fähigkeiten, dies bezog sich aber eher auf physische Begebenheiten als auf Interessen oder den Sozialstatus.
Im Deutschen gab es einen ähnlichen Begriff: "Geck"
Dies beschrieb einen Tor oder Narren, im Rheinland hat sich das populäre "Jeck", speziell zur Karnevalszeit durchgesetzt.
Heutzutage wurde also der Begriff Geek etwas sinnentfremdet, da er sich primär auf Leute bezieht, die eng mit dem Medium Computer verbunden sind, im Prinzip also ein Computer-Nerd.


Mit der Zeit gewann das Wort Nerd an Bedeutung und auch einer gewissen Beliebtheit. Der Nerd als Außenseiter und Schulstreber fand Einzug in die Popkultur und damit ganz speziell ins Fernsehen.

Jerry Steiner aus Parker Lewis: Der Coole von der Schule
Das Fernsehen der 80er und 90er Jahre hatte eine breite Fülle an Sitcoms, die, wie bis heute alle nach demselben Prinzip aufgebaut waren. Meist war das eine relativ normale Familie, die in regelmäßigen Abständen lustige Dialoge und Alltagsprobleme lieferte.
Doch das allein reichte nicht aus um sich von der breiten Maße an Konkurrenz abzugrenzen, also schufen die meisten Serien sich einen Sitcom-Nerd.
Der Sitcom-Nerd hatte in den Serien meist die Aufgabe des Zugpferdes, ihm gebührte es die meisten Lacher durch sein sonderbares und abgegrenzendes Verhalten einzufahren und meist war er derjenige, der sich den Konventionen der anderen "normalen" Charaktere nicht beugen musste und so den Script-Autoren eine gewisse Freiheit in Sachen Humor gab. Nicht alle dieser Sitcom-Nerds verkörperten den Stereotyp eines Nerds, Will Smith war beispielsweise in "Der Prinz von Bel Air" zwar der Außenseiter der Familie, der die meisten Lacher einkassierte, dennoch wirkte sein lockererer Lebensstil als der erstrebenswertere als beispielsweise der seines Konterparts Carlton, der den Stereotypen eines verwöhnten Bonzen inne hatte.



Steve Urkel aus Family Matters
Als einer der populärsten "Sitcom-Nerds" dieser Zeit gilt Steve Urkel aus der Serie Family Matters, zu deutsch: Alle unter einem Dach!

Er stellt in gewisser Hinsicht den Prototypen der "Sitcom-Nerds" da:

1. Er trug eine dicke Hornbrille
2. Hatte damals schon modisch fragwürdige Hosenträger
3. Hatte eine Hochwasserhose die über den Bauchnabel ging
4. Trug bis oben zugeknöpfte schrecklich karierte Hemden
5. Hatte eine sehr hohe fast mädchenhafte Stimme
6. Hatte eine nervige aufdringliche Art
7. Seine Lieblingsmusik ist Polka
8. Er spielt Akkordeon

Das einzige was ihm zum vollendeten Status wohl fehlte war die Gesichtsakne.






Während der Großteil der Familienmitglieder, die Urkel regelmäßig besuchte, ihn akzeptierte oder Mitleid mit ihm hatten, war es gerade der Vater der Familie, Carl Winslow, der Urkel schrecklich nervig fand und darüber hinaus nicht gutheißen konnte, dass dieser sich in seine Tochter Laura hoffnungslos verliebt hatte, war er doch in seinen Augen der geborene Verlierer/Nerd.

Auf Urkel folgten viele ähnliche "Sitcom-Nerds", sei es Jerry Steiner aus Parker Lewis: Der Coole von der Schule, Artie aus Pete und Pete, Wayne und Garth aus Wayne´s World oder einfach Lisa Simpson.

Star Wars: Revenge of the Nerds
Schon eher

1984 veröffentlichte mit 20th Century Fox ein nicht gerade kleines Label den ersten Film, der sich komplett dem Phänomen Nerd zuwendete:
Revenge of the Nerds (ironischerweise lange vor "Revenge of the Sith" erschienen :) )

Der Film handelte von einer kleinen Gruppe Nerds, die auf abgedrehte Art und Weise ihrem Status und ihren Peinigern den Kampf ansagten.
Der Film sorgte dafür, dass die fiktionale Studentenvereinigung der Nerds "Lambda Lambda Lambda" auch in der Realität gegründet wurde und bis heute existiert.

Neben der Etablierung dieses Phänomens in der Öffentlichkeit durch das Fernsehen, entwickelte sich nach und nach ein Medium, dass, entsprechend des Stereotyps, von Anfang an in der Hand der Nerds war: Der Computer und damit das Internet.
Die meisten würden mir wohl zustimmen, dass man Bill Gates, einen der größten Pioniere im Bereich Computer, als "Den Computer-Nerd" schlechthin bezeichnen könnte.
Während man heute jemanden, der sich NICHT mit Computern beschäftigt als seltsam und rückständig bezeichnen könnte, traf das für die damalige Zeit genau umgekehrt zu.

Computer hatten damals bei Weitem noch nicht den etablierten Status, den sie heute genießen und auch nicht die Benutzerfreundlichkeit, die man durch Betriebsprogramme wie Windows oder Mac OS heute als selbstverständlich ansieht.Man musste sich also entsprechend lange und viel mit Dingen wie Programmiersprachen und Dos-Befehlen beschäftigen, was wohl auch heute noch nicht zu den Dingen gehört, die man an einem sonnigen Tag am liebsten macht.



 


"My new Computer came with Windows 7......Windows 7 is much more user-friendly than Windows Vista....I don´t like that!" (Sheldon Cooper - Big Bang Theory)







Gleichzeitig symbolisiert Bill Gates und in gewisser Weise auch das Medium Internet eine neue Ära im Bestehen des Nerdtums.
Auf einmal war es möglich, mit seinen sonst gesellschaftlich so verpönten Hobbys Geld zu machen und erfolgreich und anerkannt [sic] zu sein.
Sei es in Form von Computerentwicklungen (Bill Gates, Steve Jobs), Internetversand- und auktionshäusern (amazon, ebay), sozialen Netzwerken (Zuckerberg und facebook), professionellem Computerspielen oder auch einfach nur der Reparatur und Aufrüstung eines Pcs.

Der Erfolg gab den Nerds Recht und auf einmal verlief die Linie zwischen einem Nerd und einem Genie recht dünn. Prinzipiell tat sie das von Anfang an, nur waren die Möglichkeiten seine Spezialisierung mit Erfolg zu verbinden nie so gehäuft vorhanden wie jetzt.

Mit "The Big Bang Theory" als plakatives Beispiel schließt sich dieser Kreis wieder, den dies ist eine Serie die zum ersten Mal seit längerer Zeit das Nerdtum wieder hochleben lässt, es geradezu feiert.

Doch genau hierin liegt ein gewisser Wiederspruch.

Star Wars: Attack of the Clone Nerds


Artie aus der Serie Pete und Pete
Denn wenn man sich noch einmal die Definition Umschreibung eines Nerds ansieht, dann wird recht schnell klar, dass man im ursprünglichen Sinne nicht zum Nerd wird, weil man sich öffentlich dazu bekennt.
Das Umfeld ist es, welches einem diesen Status zuschreibt und zwar hauptsächlich weiterhin wegen Gewohnheiten, die sich dem Mainstream entziehen, wie kann es also Mainstream sein, dazu zu stehen ein Nerd zu sein.

Ursächlich ist hier wohl, wie ironischerweise bei jedem Trend, sich zu individualisieren und von der Masse abzugrenzen um aufzufallen....indem man einem Trend (Entwicklung, der sich eine breite Masse anschließt) folgt.
Während es da viele äußere Möglichkeiten gibt, wie etwa ein bestimmter Kleidungsstil oder bestimmte Frisuren so ist dies auch möglich in Form von bestimmten Sozialverhalten, Abgrenzung und Nonkonformität. Ein gutes Beispiel wäre hier wohl die Gothik Szene, die sich ein ähnliches Schicksal mit den Nerds teilt.

Beide Subkulturen hatten immer die "Nicht-Akzeptanz" der breiten Gesellschaft gemeinsam. Die Gothik Szene aus Überzeugung und Prinzip, die Nerds aus Mangel an Alternativen.

Doch da die Gesellschaft kein festes Gebilde ist, gibt es immer mal wieder Wellenbewegungen, die Subkulturen auf einmal einen neuen Anstrich verpassen und sie, mal für kurze und mal für längere Zeit, zu neuem Glanz verhelfen.

Feiert das Nerdtum also gerade sein Comeback?

Ja und Nein!

Brainy aus der Serie Hey Arnold
Ja in Form von Sitcoms wie The Big Bang Theory, die Charaktere beinhaltet, die sich ihren Status nicht ausgesucht haben, sondern ihn akzeptieren müssen,
Nein in Form von Modetrends und Lippenbekenntnissen, die zwar vielleicht ehrlich gemeint sind, im Prinzip aber dem wahren Kern des Nerd-seins nicht treffen.

Doch vielleicht liege ich ja auch nur einfach falsch und verkenne, ähnlich wie damals der Computer-Nerd und Sitcom-Nerd verkannt wurden, den neuen Gesellschaftsnerd, denn wie ich schon am Anfang sagte:






Stereotypen sind nie fest umschrieben und darüber hinaus per Definition niemals völlig korrekt!
















Mittwoch, 22. Februar 2012

Der satirische Wochenrückblick #2: Nazijäger, Concordia und Köln Putschisten!

Meine Damen und Herren, liebes ´Schland,
ich begrüße Sie zu dem satirischem Wochenrückblick! Eventuelle Frechheiten oder schlecht bis gar nicht recherchierte Fakten bitten wir zu entschuldigen, wir schreiben auch nur ab was der erste von uns behauptet, so läuft das Geschäft nun mal eben!



Florenz: 
Das Drama um das gesunkene Kreuzfahrtschiff Costa Concordia scheint endlich gelöst: Wahrsagerinnen behaupten, dass Kapitän Schettino das Riff lediglich deshalb so eng geschnitten hat, weil diese Szene in dem neuen Film "The Fast and the Furious: Rift Drift Extreme" gezeigt werden sollte. Vin Diesel sollte bei 90 Grad Schräglage seine Hand durchs Wasser fahren lassen und dabei einhändig das Steuerrad lenken.

(Denn "Too Soon" ist nichts anderes als ein chinesischer Name!)


Das Riff wurde lediglich vom Kreuzfahrtschiff gestriffen, weil das Team von West-Coast-Customs das Schiff einige Wochen vorher tiefer gelegt hatte und eine Schicht der Bordwand gegen Plasmafernseher ausgetauscht hatte.
Die Ermittlungen dauern noch an, doch eines ist jetzt schon sicher: Den Film sehe ich mir an!


Berlin:
In der Debatte um unseren neuen Bundespräsidenten eröffnen sich neue Möglichkeiten. Laut Spiegel Informationen liebäugeln die Linken "mit der Nazijägerin Klarsfeld".
Da die Suche im Duden nach dem Wort Nazijäger keine Ergebnisse liefert hier einige Vorschläge meinerseits, was  gemeint sein könnte:

A) "Nazijäger" ist eine Umschreibung für eine der begehrten Rollen im lang ersehnten dritten Ghostbusters Film, dieses Mal sind die Geister nicht nur Geister sondern böse Zombinazis, um sie noch böser als böse zu machen (böse)!

B) "Der Nazijäger" ist eine im kommenden Monat auf RTL ausgestrahlte Sendung, in der der Protagonist Safaris quer durch Deutschland macht und wilde Nazis in ihrem natürlichem Umfeld jagt. Die Zuschauer dürfen per Vote entscheiden in welches Bundesland es geht.

C)  Ein Nazijäger ist ein Jäger der Nazi ist oder ein Nazi, der Jäger ist, bitte hier genau nachfragen um peinlichen Missverständnissen vorzubeugen!




Brüssel:

Die EU Kommission hat entschieden, das umstrittene ACTA-Abkommen dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen um seine Legitimität zu prüfen. ACTA steht für "Anti-Counterfeit-Trade-Agreement", einem internationalen Handelspakt, der es erlauben soll, Verletzungen von Urheberrechten international zu ahnden.
Kritiker sehen sich in ihren digitalen Freiheiten beschränkt und gründeten darauf ihre eigene Vereinigung "Against-Counterfeit-Alliance-Brotherhood", kurz ACAB.

Aus bisher unerklärlichen Gründen sieht sich eben jene Bewegung seit neuestem massiver Polizeigewalt ausgesetzt, Experten vermuten, dass es sich hier um ein Missverständnis handelt.





Köln:

Bild der Putschisten ;)
Köln wurde die letzten 7 Tage Zeuge eines Putschversuches. Urplötzlich tauchte am vergangenen Donnerstag ein Dreigestirn in Form von drei verkleideten Männern auf und beanspruchte den Stadtschlüssel Kölns für sich. Um Punkt 11:11 strömten aus allen Stadtteilen Kölns Anhänger der Putschisten, zentrale Anlaufstellen der Bewegung waren die Altstadt rund um den Heumarkt, die Domplatte und die Zülpicher Straße. Die Polizei war ganz offensichtlich auf der Seite der Putschisten, denn sie sorgte in den folgenden Tagen für den Begleitschutz der gut organisierten Umzüge der Revolutionären. In Form von Kamelle, Bützche und Strüssche gewannen sie im Nu die Herzen der Bevölkerung für sich.
Doch ebensoschnell wie sie die Macht über die Stadt gewannen verschwanden die Putschisten auch wieder und beendeten Ihren Staatsstreich am Mittwoch mit der Verbrennung von Strohpuppen, genannt Nubbel.





Fukushima:

Der ehemalige Betreiber des Atomkraftwerkes in Fukushima Tepco will den Meeresboden in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk zubetonieren, um so eine weitere Verseuchung eben jener Böden zu verhindern. Die Betonwand soll etwa 60 cm breit werden und eine Fläche von 73 Quadratkilometern abdecken.
Ganz offensichtlich sind die Betreiber der Meinung, dass sie mit der Aufgabe einen wässrigen sandigen, ständig in Bewegung bleibenden Boden zu zubetonieren besser klarkommen, als mit einem Riss in einer auf Festland gebauten Betonwand.
Experten werden hoffentlich in naher Zukunft die Herren des Betriebsrats bei Tepco ein weiteres Mal über Erdbeben aufklären und erwähnen, dass eben jene auch unter Wasser stattfinden!




Montag, 16. Januar 2012

Der ewige Kreis des Diclofenac!

Lang leben die Medikamente!
"Und im ewigen Kreis
Dreht sich unser Leben.
Dem Gesetz der Natur,
Sind wir geweiht.
Wir sind alle Teil,
Dieses Universums.
Und das Leben ein ewiger Kreis!" (Disney´s König der Löwen)










Das Leben ist ein ewiger Kreis, das wusste schon Mufasa, der stolze Vater Simbas, dem Helden des weltweit bekannten Disney Films:

"Wenn wir sterben werden unsere Körper zu Gras. Und die Antilopen fressen das Gras. Und somit sind wir alle Eins...im Ewigen Kreis des Lebens." (Mufasa und Simba schauen in Richtung eines Flußes im Hintergrund. Am Flußufer laufen Giraffen und mehrere Gazellen entlang)

Dass dieser ewige Kreis des Lebens weitaus mehr beinhaltet als frisches Gras und Antilopenfleisch wissen wir nicht erst seit gestern! 
Doch welch darwinistischen Züge dieser Kreislauf auch für Medikamente annehmen kann war Mufasa mit Sicherheit nicht klar.

Das Schmerzmedikament Diclofenac wird den meisten ein Begriff sein, kommt es doch häufig in Form des Voltaren Gels auf unsere Gelenke oder bekämpft in Tablettenform allgemeine Gelenkschmerzen.
Leider ist Diclofenac auch gleichzeitig einer der Vertreter der nichtopioiden Analgetika, die bei vorgeschädigter Niere oder Leber zum Versagen eben jener Organe führen können, entsprechend sorgfältig sollte man also eine dauerhafte oder hoch dosierte Indikation stellen.

Weißrückengeier, im Vordergrund ein Ohrengeier
US Forscher haben im Jahr 2004 im Nature Journal einen wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht, der sich mit dem Aussterben der Geierpopulationen in verschiedenen Regionen der Erde beschäftigte.

Die Wissenschaftler kamen zu einem verblüffenden Ergebnis.
Man fand in den verstorbenen Geiern die Metabolite von Diclofenac und konnte einen Zusammenhang zu der Viehzucht in der jeweiligen Region herstellen, in welcher das Medikament großzügig an die Tiere verfüttert würde. Falls eines dieser Tiere verendete kamen, wie sollte es auch anders sein, die Geier und verrichteten ihren Beitrag zum Kreislauf des Lebens. Über das Fleisch ihrer Beute nahmen die Geier den Stoff auf.
Die Untersuchungen der verendeten Tiere zeigten, dass ein Großteil dieser an Nierenversagen gestorben ist, was auf eben jenes Medikament zurückzuführen war.

Durch den Rückgang der Geierpopulation in einigen Regionen von über 90 Prozent, wie zum änderte sich das Gleichgewicht der Natur und es überlebten wesentlich mehr verwilderte Hunde, die sich anstelle der Geier am Aas bedienten.
Das wiederum hatte zur Folge, dass die Leopardenpopulation in Form der wildernden Hunde eine einfache und häufig vorhandene Nahrungsquelle fand, gleichzeitig aber auch häufiger in der Nähe von Siedlungsregionen jagte, da die Hunde natürlich häufig eben da anzutreffen waren.
In letzter Konsequenz konnte man hier in einigen Regionen auch einen Anstieg der Angriffe von Leoparden gegen Menschen verzeichnen und wir sind uns glaube ich alle einig, dass Diclofenac in Form eines ausgewachsenen Leoparden bei jedem Menschen ein schweres Nierenversagen herbeiführen kann.

Ob das der ewige Kreis des Lebens ist, denn uns Mufasa weismachen wollte?

Freitag, 9. Dezember 2011

Yo Ho Piraten, ho ho Weihnachtsmann!

Ende November, 20 Uhr, Besuch des hiesigen Weihnachtsmarktes. Für die einen kennzeichnen die aufgebauten Stände den Beginn der besinnlichen Zeit, für mich symbolisieren sie eher die alljährliche Ansammlung an Kitsch, billigem Glühwein und verzerrter Lautsprecherweihnachtsmusik.

Ich steuere als erstes den nächstgelegenen Glühweinstand an, nicht weil er gut schmeckt, nicht weil mir kalt ist und erst recht nicht weil er günstig ist. Ich bin schlicht und ergreifend lieber betrunken bevor ich meine erste Runde drehe.

Auf dem Weg zu Theke schlägt mir der typisch süßliche Glühweingeruch entgegen, die Luft ist so zuckerreich, dass ich noch bevor ich bestellen kann sicher bin, dass ich nun Diabetes habe.

Die mehr als gestresste Dame hinter dem Thresen fragt mich genervt was ich haben will:

"Einen Becher Rum mit einem Schuß Glühwein bitte!"

Sie sieht mich mit fragendem Blick an, zögert einen Moment und greift dann zur Rumflasche und mischt mir genau das, was ich bestellt habe. Ich glaube, wenn man seit Mitte November hier ausschenkt akzeptiert man den Gedanken, dass man Typen wie mich entweder mit Nichtigkeit straft oder automatisch die Prozente ihrer Getränke so hoch wie möglich hält!

Ich drehe mich um und stelle mich nicht weit entfernt an einen der Stehtische und beginne mit der Druckbetankung. Nach wenigen Minuten gesellt sich ein junges Pärchen zu mir, wir kommen ins Gespräch und ich erwähne beiläufig die Ironie, die darin liegt, dass man sich hier, am Ground Zero der besinnlichen Zeit, prinzipiell am liebsten besinnungslos trinkt.
Mein männliches Gegenüber stimmt mir zu und behauptet, dass die schräge Musik aus den Boxen anders auch nicht zu ertragen sei. Seine weibliche Begleitung ist da traditioneller unterwegs. "Ich trinke den Glühwein zu Beginn gerne um mich aufzuwärmen, bevor wir die erste Runde starten". Ich frage die beiden was genau sie mit Weihnachtsmärkten verbinden. "Kitsch, Kälte und Klühwein" schießt er lachend hervor und ich stimme ihm still zu während ich den Rum im Kampf gegen meine Sinne unterstütze und mich frage, ob der KKK in ähnlichem Zustand zu seiner Namensgebung kam.

Tatsächlich ist es gar nicht so einfach einen Grund zu finden, warum man sich hier den Hintern abfriert, die Dinge die man hier kaufen kann haben noch nie meinen oder den Geschmack mir bekannter Leute getroffen und noch nie hat man auf einem deutschen Weihnachtsmarkt die Worte "Ich komme wegen der Glühweinkarte" gehört.

Ich begebe mich zur Theke und bestelle die zweite Runde "Glühwein flavored Rum" und rechne der Dame hoch an, dass sie das Mischverhältnis ganz natürlich meinen Bedürfnissen anpasst.
Was soll es, sage ich mir, es gibt immer irgend einen Grund zu trinken, man muss dem Kind nur einen Namen geben. Wenn wir ehrlich sind dauert es maximal noch ein paar Monate, bis wir Mitte des Jahres ein alljärliches Piratenfest mit Wein, Weib, Gesang und Brandschatzen einführen. Augenklappen, Säbel und Somalier inklusive.


Nicht dass ich was dagegen hätte, wenn ich  so in einige Gesichter hier um mich schaue, wird mir schnell klar, dass die Mentalität eines freibeutenden, Rum trinkenden und hässlich anzusehenden Piraten in jedem von uns hier steckt, Blackbeard hätte sich hier ganz sicher zu Hause gefühlt und Störtebeker würde auch noch kopflos durch die Reihen tanzen.
Teufel, ich müsste vermutlich nur einmal laut "Lichtet den Anker" rufen und die Hälfte der hier Anwesenden würden laut schreiend den Glühweinstand abfackeln, den Souvenirstand plündern und den Weihnachtsmann an den Christbaum fesseln. Wenigstend wäre das dann eine Situation, mit der ich was anfangen könnte!

Mit den verkleideten Gestalten, die den Weihnachtsmann darstellen sollten hielt ich es von klein an immer wie mit den großen Plüschgestalten in Parks: Ein kräftiger Schienbeintritt hat noch jede Micky Mouse wach bekommen und Respektlosigkeit lehrt Selbstbewusstsein! Im Prinzip wird von dir sogar erwartet das zu tun. Welchen anderen Grund soll es geben, eine erwachsene Person in ein Kostüm zu stecken, das Laufen praktisch unmöglich macht und dein Sichtfeld Richtung null schiebt. Die Schienbeintritte sind also nichts weiter als Erinnerungsstützen an die Sinnlosigkeit all dessen.

Faire Arbeitsteilung, oder?
Tatsächlich gehöre ich noch der Generation derer an,denen an Weihnachten Angst in Form von Knecht Ruprecht gemacht wurde. Knecht Ruprecht, der arme alte Schlucker und Handlanger des Nikolaus, der für all seine Schlepperei und Ackerei am Ende nicht mal heilig gesprochen wurde, im Prinzip also vom Nikolaus ausgebeutet wurde!
Dies ist nicht weiter verwunderlich, kommt doch der heilige Nikolaus aus Patara, der heutigen Türkei, wo die Sklaverei bis 1855 noch Gang und Gebe war!
Und welch anderen Grund gäbe es, einem alten bärtigem Mann quzer durch die Wälder seinen Kram hinterherzutragen, wenn nicht auf unfreiwilliger Basis? ;)


Aber so ist die weihnachtliche Zeit nunmal, auf einmal hat sich die ganze Menschheit lieb, vergessen sind die Kriege, Massaker und politischen Differenzen, lediglich die Taliban werden wohl wie jedes Jahr damit drohen irgendwie, irgendwo und irgendwann in die Luft zu sprengen und wenn sie es nicht tun, werden unsere Staatsoberhäupter schon für das Mindestmaß an Panik sorgen, das gehört mittlerweile auch zur Weihnachtstradition.
Man sollte es also einfach akzeptieren, Weihnachten gilt allgemein als besinnliche Zeit und darunter fällt wohl auch das besinnungslos Saufen!

Feliz Navidad!








Dienstag, 25. Oktober 2011

Die Reise des Mujaheddin

Oft reicht ein kleiner Funke um ein Lauffeuer zu verursachen, dass sich durch die ganzen umliegenden Wälder frisst und diese nachhaltig zerstört und verändert.

Es ist heutzutage keine Seltenheit mehr, dass Menschen aufgrund medialer Darstellungen Vorurteile und Meinungen über Länder haben, ohne je dort gewesen oder geschichtlich informiert zu sein.

Dabei haben die Länder, die man uns als verteufelt und fremd vorsetzt meist mehr Parallelen zu unsererem Weltbild und unserer Geschichte als man meinen mag.


Dies ist die Geschichte von   
Ahmad Schah Massoud
 (أحمد شاه مسعود)

Massoud wird am 1. September 1953 in Panjshir, einer kleinen Provinz im Nordosten Afghanistanz geboren. Seine Kindheit verläuft nicht viel anders als die anderer afghanischer Provinzkinder.

Ähnlich wie damals der junge Ché ist Massoud im Alter von 20 Jahren Student, als er sich Anfang der 70er Jahre erstmals mit den politischen Unruhen im Land und den dazugehörigen Parteien auseinandersetzt. Die afghanische Bevölkerung ist unzufrieden mit ihrem als korrupt geltenden König und immer mehr Protestbewegungen bilden sich im Land.
Massoud schließt sich der islamischen und antikommunistischen Bewegung an und  musste nach einem erfolglosen Putschversuch nach Pakistan fliehen, wo er seine militärische Ausbildung genoß.
Nach seiner Rückkehr trat er allerdings für einen friedlichen Umsturz ein und kritisierte gewaltsames Vorgehen.
Zwischenzeitlich waren es die Anhänger der "People´s Democratic Party of Afghanistan" denen der durch Moskau unterstütze Putsch 1978 gelang.
Afghanistan war aus russischer Sicht eine strategische Eroberung in den letzten Zügen des alten Krieges geworden, Ölreserven waren wie sooft das Schlüsselwort.

Doch die afghanische Bevölkerung war keineswegs zufrieden mit diesen Entwicklungen, zumal die kommunistisch orientierte Führung eine Schreckensherrschaft etablierte und Hunderttausende Afghanen umbrachte.

1979 marschierten sowjetische Truppen in Kabul ein um Herr der Lage zu werden und markierten somit den Anfang des Sowjetisch-Afghanischen Krieges.

Interessant ist hier, dass Bin Laden genau wie Massoud Widerstandskämpfer war. Im Zuge des kalten Krieges versuchten die USA und Sowjetunion zwar direkte Konflikte zu vermeiden, scheuten sich aber nicht in kriegerischen Auseinandersetzungen mit dritten die jeweilige Gegenseite zu unterstützen.
So wie die Sowjetunion im Vietnamkrieg die Vietcong unterstütze, tat dies Amerika bei den antikommunistischen Mujaheddinkämpfern.



Massoud war eine der Schlüsselrollen in diesem Krieg. Bis zum Abzug der sowjetischen Truppen 1989 verteidigte er mit seinem Trupp sein Heimatdorf Panjshir und wurde unter Kameraden "Der Löwe von Panjshir" genannt.

Es folgte ein afghanischer Bürgerkrieg, in dem viele verschiedene Parteien für sich die Macht beanspruchen wollten. Während Massoud Kabul gegen massive Attacken verfeindeter Milizen verteidigte und sie schlußendlich besiegte, kristallisierte sich mit den Taliban eine neue Gruppierung heraus, die finanziell aus Pakistan und Saudi Arabien unterstützt wurde.
Beide Länder wollten sich ihren Machtanspruch in Afghanistan sichern und sahen diesen durch die Bewegung Massouds und die Anstrebung demokratischer Wahlen gefährdet. Pakistan entsandte schätzungsweise 28.000 pakistanische Soldaten, die Seite an Seite mit den Taliban kämpften.

Obwohl Massoud den Taliban schwere Verluste zufügte, musste er seine Truppen 1996 in den Norden Afghanistans zurückziehen.
Mit dem Einzug der Taliban begann auch deren Schreckensherrschaft. Sie verübten Zivilmassaker in der Größenordnung der Massaker im Bosnienkrieg, hatten bestimmte Brigaden zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung und Frauen standen praktisch unmittelbar unter Hausarrest und verloren fast alle Rechte.

Wiederholt boten die Talbian später Massoud Machtpositionen an, die dieser jedoch aufgrund seinder Überzeugung ablehnen musste:


„Die Taliban sagen: 'Komm und akzeptiere das Amt des Ministerpräsidenten und schließe dich uns an, und sie würden das höchste Amt im Land, die Präsidentschaft, behalten. Aber für was einen Preis?! Der Unterschied zwischen uns liegt darin, wie wir über die grundlegendsten Prinzipien der Gesellschaft und des Staates denken. Wir können nicht ihre Konditionen für einen Kompromiss akzeptieren, sonst müssten wir die Prinzipien einer modernen Demokratie aufgeben. Wir sind fundamental gegen das System welches sich "das Emirat Afghanistans" nennt. ...
Es sollte ein Afghanistan geben, indem sich jeder Afghane und jede Afghanin glücklich fühlen kann. Und ich denke, dies kann nur durch eine Demokratie, die auf Konsens basiert, gesichert werden."
(Massoud, August 2001)


Massoud versuchte die von ihm in Norden kontrollierten Gebiete zu stabilisieren, richtete demokratische Institutionen ein und verfasste eine Deklaration, die sich offen für Frauenrechte aussprach.
Im Frühling 2001 sprach Massoud vor dem Europäischem Parlament und bat um Unterstützung der unterdrückten und vom Krieg verarmten afghanischen Bevölkerung.
Er beschrieb die Taliban als eine Vereinigung mit einer "sehr falschen Interpretation des Islam" und sprach offen über die Unterstützung, die diese aus Pakistan erhielten.
Gleichzeitig warnte er vor Anschlägen der Taliban auf amerikanischem Boden, die laut seinen Geheimdienstquellen unmittelbar bevorstanden.

Wie recht er damit haben sollte erlebt der charismatische Mujaheddin leider nicht mehr. Am 9. September 2001, 2 Tage vor den Anschlägen auf das World Trade Center, zünden zwei als Journalisten getarnte Selbstmordattentäter eine Bombe während eines Interviews mit Massoud, welcher wenig später seinen Verletzungen erlag.

Massoud ist ein wunderbares Beispiel, welches verdeutlicht, dass Afghanistan nicht der böse Staat schlechthin ist, sondern vielmehr ein Land, dass durch politische Auseinandersetzungen und lange Jahre des Krieges ausgezehrt und verwundbar wurde.
Es zeigt, dass bis vor dem ersten medialen Interesse an der Situation Afghanistans und den Taliban, es Widerstand im Land gab und auch heute noch gibt. Mit Ende des kalten Krieges schwand das Interesse an dem Land und es wurde sich selbst überlassen.



Wenn wir heute auf Afghanistan blicken und die Ankündigungen Barack Obamas im Hinterkopf haben die US-Truppen bis Ende des Jahres abziehen zu wollen, sieht man ein Land, welches erneut vom Krieg zerrüttet wurde. Die Taliban gibt es immer noch und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie nach dem Truppenabzug aus den Bergen Pakistans zurückkommen, um erneut die Geißel Afghanistans verkörpern. Genau wie damals ist es die Zivilbevölkerung, die unter der Gewalt leidet und erneut steht ein Großteil des afghanischen Volkes zwischen politischen Fronten, die es selber nie in seinem Land haben wollte.



„Die künftige Regierung sollte in direkten Wahlen durch die Stimmen der gesamten Bevölkerung bestimmt werden. Männer wie Frauen sollten daran teilhaben. Die einzige Regierungsart, die in der Lage wäre, einen gesellschaftlichen Ausgleich der verschiedenen Ethnien zu schaffen, ist die Demokratie“. (Massoud)